Steuern USA: So funktioniert das US-Steuersystem für Deutsche (Stand 2026)
Bund, Bundesstaat, Stadt, dazu FICA, Sales Tax und Property Tax: So ist das amerikanische Steuersystem aufgebaut. Außerdem erfährst du, wann du als Deutscher steuerpflichtig wirst und welche Fehler bei der deutschen Steuerpflicht und bei deutschen Konten teuer werden.

Steuern in den USA zahlst du auf bis zu drei Ebenen. Die erste ist der Bund, die zweite dein Bundesstaat, und in manchen Städten und Gemeinden kommt eine dritte dazu. Hinzu kommen Abgaben für Social Security und Medicare, die Sales Tax an der Kasse und die Property Tax auf dein Haus.
Wer aus Deutschland kommt, erwartet ein Finanzamt, eine Steuerklasse und einen Bescheid, der irgendwann im Briefkasten liegt. In den Vereinigten Staaten rechnest du selbst, gibst jedes Jahr selbst eine Steuererklärung ab und stehst für die Zahlen gerade.
Das ist mehr Arbeit, das Grundprinzip ist aber schnell verstanden. Entscheidend sind drei Dinge: dein Wohnort, dein Filing Status und die Frage, ob dich das US-Steuerrecht als Resident oder als Nonresident einstuft. Alle Zahlen beziehen sich auf das Steuerjahr 2026, Stand Oktober 2026. Im Einzelfall ersetzt nichts davon einen Steuerberater, der beide Systeme kennt.
Welche Steuern zahlst du in den USA auf welcher Ebene?
In Deutschland läuft fast alles über das Finanzamt. Länder und Gemeinden bekommen ihren Anteil über Verteilungsschlüssel, ohne dass du davon etwas merkst. In den USA erhebt jede Ebene ihre eigenen Steuern, mit eigenen Formularen und eigenen Behörden. Das amerikanische Steuersystem ist deshalb eher ein Stapel aus mehreren Systemen.
Bundesebene: die Federal Income Tax
Die Bundessteuer auf dein Einkommen verwaltet der Internal Revenue Service, kurz IRS, die Bundessteuerbehörde. Sie gilt in allen 50 Bundesstaaten gleich und ist für die meisten Personen der größte Posten.
Besteuert werden alle Einkünfte: Lohn, Zinsen, Dividenden, Gewinne aus Aktien, Mieteinnahmen und Erträge aus Selbstständigkeit. Die Steuersätze auf Bundesebene steigen stufenweise von 10 auf 37 Prozent.
Bundesstaaten: State Income Tax und die Staaten ohne Einkommensteuer
Die meisten Bundesstaaten erheben zusätzlich eine eigene Einkommensteuer, die State Income Tax. Die Unterschiede sind groß. Einige Staaten haben einen Einheitssatz zwischen 3 und 5 Prozent, Kalifornien kommt in der Spitze auf 13,3 Prozent.
Neun Staaten verzichten ganz oder weitgehend auf die Besteuerung von Löhnen:
- Alaska
- Florida
- Nevada
- New Hampshire
- South Dakota
- Tennessee
- Texas
- Washington
- Wyoming
Washington besteuert allerdings hohe Kapitalgewinne. New Hampshire hat seine Steuer auf Zinsen und Dividenden erst 2025 abgeschafft. Und keine Einkommensteuer heißt nicht automatisch günstig. Diese Staaten holen sich ihr Geld über höhere Sales Tax oder Property Tax. Texas ist dafür das Lehrbuchbeispiel, das zeigt unser Porträt über Texas.
Städte und Gemeinden: Local Taxes
Manche Städte und Gemeinden verlangen obendrein eine eigene Einkommensteuer. Solche Local Taxes gibt es zum Beispiel in New York City mit Sätzen zwischen rund 3,1 und 3,9 Prozent, in Philadelphia, Detroit und vielen Gemeinden in Ohio und Pennsylvania. In Maryland und Indiana kassieren die Countys mit. Wer in New York City wohnt, zahlt also an Bund, Staat und Stadt.
FICA: Social Security und Medicare
Von jedem Gehaltsscheck gehen außerdem die FICA-Abgaben ab, benannt nach dem Federal Insurance Contributions Act. Das sind 6,2 Prozent für Social Security, die staatliche Rente, und 1,45 Prozent für Medicare, die Krankenversicherung im Alter. Für Social Security gilt 2026 eine Beitragsbemessungsgrenze von 184.500 $. Ab 200.000 $ Lohn bei Alleinstehenden kommen weitere 0,9 Prozent Medicare dazu. Der Arbeitgeber zahlt noch einmal denselben Anteil.
Wir Deutschen sind beim Sozialabzug ganz andere Größen gewohnt: Arbeitnehmer geben in Deutschland rund ein Fünftel ihres Bruttos für Rente, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ab. In den USA sind es 7,65 Prozent. Das wirkt großzügig, bis du die Krankenversicherung über den Arbeitgeber separat bezahlst. Ohne Social Security Number läuft dabei übrigens nichts.
Sales Tax statt Mehrwertsteuer
Eine Mehrwertsteuer wie in Deutschland gibt es nicht. Stattdessen erheben 45 Bundesstaaten und Washington, D.C. eine Sales Tax, die Verkaufssteuer beim Endkunden. Alaska, Delaware, Montana, New Hampshire und Oregon verzichten auf eine landesweite Sales Tax, in Alaska dürfen die Gemeinden aber eine eigene erheben. Staat, County und Stadt addieren sich, kombiniert liegt die Verkaufssteuer an manchen Orten über 10 Prozent.
Der größte Unterschied für den Alltag: Die deutsche MwSt steckt im Preis, die Sales Tax kommt erst an der Kasse dazu. Wer mit genau 20 Dollar für einen Artikel zu 19,99 Dollar an die Kasse geht, steht da.
Property Tax auf Haus und Immobilien
Wer ein Haus besitzt, zahlt Property Tax an County, Stadt und Schulbezirk. Die effektive Belastung reicht von rund 0,3 Prozent des Immobilienwerts in Hawaii bis über 2 Prozent in New Jersey oder Illinois. Bei einem Haus für 400.000 $ und 1,5 Prozent sind das 6.000 $ im Jahr. Die deutsche Grundsteuer ist dagegen meist ein Betrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Mieter zahlen die Property Tax indirekt über die Miete mit.
Einkommensteuer USA: Wie funktioniert der Filing Status statt der Steuerklassen?
In Deutschland bestimmt die Steuerklasse, wie viel Lohnsteuer monatlich abgezogen wird. Abgerechnet wird später über die Steuererklärung. In den USA gibt es keine Steuerklassen. An ihre Stelle tritt der Filing Status, der Veranlagungsstatus, und der richtet sich nach deinem Familienstand am 31. Dezember des Steuerjahres.
Welche vier Filing Status gibt es?
- Single: unverheiratet, ohne Kinder oder ohne die Voraussetzungen für Head of Household.
- Married Filing Jointly: gemeinsame Veranlagung von Ehepaaren. Weil die Grenzen der Steuerstufen genau doppelt so hoch liegen wie bei Single, wirkt das ähnlich wie das deutsche Ehegattensplitting.
- Married Filing Separately: getrennte Veranlagung. Sie lohnt sich nur in Sonderfällen, weil dabei viele Vergünstigungen wegfallen.
- Head of Household: für Alleinerziehende und Unverheiratete, die mehr als die Hälfte der Haushaltskosten für eine unterhaltsberechtigte Person tragen. Die Standard Deduction liegt hier 2026 bei 24.150 $.
Eine Falle für deutsch-amerikanische Paare: Ist ein Ehepartner Nonresident, könnt ihr nicht ohne Weiteres gemeinsam veranlagen. Möglich ist eine Wahlerklärung, die den Partner als Resident behandelt. Dann wird aber auch sein Welteinkommen in den USA besteuert.
Steuersätze und Standard Deduction 2026 im Überblick
Die Standard Deduction ist ein pauschaler Abzug, den jeder Steuerpflichtige ohne Nachweis abziehen darf. Er ähnelt dem deutschen Grundfreibetrag, der 2026 bei 12.348 € liegt. Erst was danach übrig bleibt, wird nach dieser Tabelle besteuert (Steuerjahr 2026, Erklärung im Frühjahr 2027):
| Steuersatz | Single | Married Filing Jointly |
|---|---|---|
| 10 % | bis 12.400 $ | bis 24.800 $ |
| 12 % | bis 50.400 $ | bis 100.800 $ |
| 22 % | bis 105.700 $ | bis 211.400 $ |
| 24 % | bis 201.775 $ | bis 403.550 $ |
| 32 % | bis 256.225 $ | bis 512.450 $ |
| 35 % | bis 640.600 $ | bis 768.700 $ |
| 37 % | darüber | darüber |
| Standard Deduction | 16.100 $ | 32.200 $ |
Wie in Deutschland gilt der höhere Satz nur für den Teil des Einkommens, der in die jeweilige Stufe fällt. Statt der Pauschale kannst du einzelne Posten auflisten, das nennt sich Itemizing. Abziehbar sind dann etwa Hypothekenzinsen, Spenden und State and Local Taxes bis zu einer Grenze von rund 40.000 $.
Unbequem für Deutsche: Werbungskosten im deutschen Sinn gibt es für Angestellte nicht. Pendlerpauschale, Arbeitszimmer und Fachliteratur sind auf Bundesebene nicht absetzbar.
Die IRS passt die Werte jährlich an die Inflation an. Die aktuellen Zahlen findest du auf irs.gov.
Wer ist in den USA steuerpflichtig? Green Card Inhaber, Substantial Presence Test und Nonresidents
Für Ausländer unterscheidet das US-Steuerrecht zwischen Resident Alien und Nonresident Alien. Das hat mit dem Visum nur indirekt zu tun und ist die wichtigste Weiche für deine Besteuerung.
Wann bist du Resident Alien?
Resident für Steuerzwecke bist du in zwei Fällen. Der erste ist der Green Card Test: Green Card Inhaber sind ab dem ersten Tag in den USA mit Green Card unbeschränkt steuerpflichtig. Unseren Überblick zu den Wegen dorthin findest du im Artikel über die Green Card für Deutsche.
Der zweite ist der Substantial Presence Test. Du musst im laufenden Jahr mindestens 31 Tage in den USA gewesen sein. Außerdem müssen insgesamt 183 Tage zusammenkommen, wobei die Tage des laufenden Jahres voll zählen, die des Vorjahres zu einem Drittel und die des Vorvorjahres zu einem Sechstel.
Ein Beispiel: Wer drei Jahre lang jeweils 120 Tage im Land ist, kommt auf 120 plus 40 plus 20, also 180 Tage, und besteht den Substantial Presence Test knapp nicht. Tage als Student mit F- oder J-Visum zählen in den ersten Jahren nicht mit. Wer mit einem Arbeitsvisum wie H-1B, L-1 oder E-2 kommt, ist dagegen meist schon im ersten Jahr Resident.
Was bedeutet Nonresident Alien?
Als Nonresident besteuern die Vereinigten Staaten nur Einkünfte aus US-Quellen, also zum Beispiel deinen Lohn für Arbeit in den USA. Du gibst dann das Formular 1040-NR ab, und die Standard Deduction steht dir in aller Regel nicht zu. Ausländische Erträge bleiben außen vor.
Was passiert im Dual-Status-Jahr beim Umzug?
Im Jahr des Umzugs bist du oft beides: bis zum Stichtag Nonresident, danach Resident. Das nennt sich Dual-Status-Jahr. Die Erklärung ist komplizierter, die Standard Deduction entfällt und gemeinsame Veranlagung ist nur über eine Wahlerklärung möglich. Für das erste Jahr lohnt sich die Hilfe von Fachleuten fast immer.
Warum zählt bei US-Bürgern das Welteinkommen?
Die USA knüpfen die Steuerpflicht an die Staatsbürgerschaft. Jeder US-Bürger ist mit seinem Welteinkommen steuerpflichtig, egal wo er lebt. Neben den Vereinigten Staaten macht das weltweit nur Eritrea. Für Green Card Inhaber gilt dasselbe, auch nach dem Rückzug nach Deutschland, solange die Green Card nicht formell aufgegeben ist.
Betroffen sind auch die sogenannten Accidental Americans: In den USA geborene Kinder deutscher Eltern haben automatisch die US-Staats bürgerschaft und sind damit lebenslang in den USA steuerpflichtig, auch wenn sie nie dort gelebt haben. Wer den US-Pass später abgeben will, muss vorher die Steuerpflichten der letzten fünf Jahre erfüllt haben. Für Vermögende kann dabei eine Exit Tax fällig werden.
Steuererklärung USA: Wie laufen W-4, Formular 1040 und die Frist im April ab?
Das US-System funktioniert ähnlich wie die deutsche Lohnsteuer. Der Arbeitgeber zieht laufend Steuern vom Gehalt ab, und im Frühjahr rechnest du mit der Steuererklärung genau ab.
Was trägst du im Formular W-4 ein?
Am ersten Arbeitstag bekommst du das Formular W-4, das Employee's Withholding Certificate. Darin gibst du deinen Filing Status, Kinder, weitere Einkünfte und gewünschte Zusatzabzüge an. Daraus berechnet der Arbeitgeber, wie viel Bundessteuer er einbehält. Viele Bundesstaaten haben ein eigenes Formular für die State Income Tax.
Das W-4 ersetzt im Prinzip die deutsche Steuerklasse, nur dass du es selbst ausfüllst. Wer heiratet, ein Kind bekommt oder einen zweiten Job annimmt, sollte es aktualisieren. Sonst wird im April nachgezahlt.
Wie läuft die Steuererklärung mit Formular 1040 ab?
Im Januar schickt dir dein Arbeitgeber das Formular W-2, die Jahreslohnbescheinigung. Banken und Broker liefern die Formulare 1099 für Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien. Damit füllst du das Formular 1040 aus, die Einkommensteuererklärung auf Bundesebene. Für deinen Bundesstaat folgt eine eigene Erklärung, in New York City zusätzlich der städtische Teil auf demselben Formular des Staates.
Die meisten Amerikaner machen das mit Software wie TurboTax oder H&R Block oder lassen es von einem Tax Preparer erledigen. Bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze bietet die IRS über das Programm Free File kostenlose Software an.
Anders als in Deutschland gibt es keine Abgabepflicht nur in Sonderfällen. Wer über der Standard Deduction verdient, muss abgeben, und zwar jedes Jahr.
Wann ist die Frist und was passiert bei Verspätung?
Für das Steuerjahr 2026 musst du bis zum 15. April 2027 abgeben. Mit dem Formular 4868 bekommst du eine Verlängerung bis zum 15. Oktober. Die geschätzte Steuer musst du aber trotzdem bis April zahlen, sonst laufen Zinsen und Strafzuschläge. Wer am Stichtag im Ausland lebt, bekommt automatisch zwei Monate mehr, bis Mitte Juni.
Ein Bescheid wie in Deutschland kommt nicht. Die IRS prüft deine Erklärung, und wenn sie nichts beanstandet, hörst du schlicht nichts. Für eine spätere Prüfung, ein Audit, hat sie im Normalfall drei Jahre Zeit.
Warum ist die Erstattung der Normalfall?
Weil der Abzug über das W-4 meist etwas zu hoch angesetzt ist, bekommt die Mehrheit der Steuerpflichtigen im Frühjahr Geld zurück. Viele Amerikaner feiern den Tax Refund wie einen Bonus, dabei ist es ein zinsloser Kredit an den Staat. Nachzahlen musst du vor allem dann, wenn du neben dem Lohn noch andere Einkünfte hast.
Was gilt für Selbstständige und Unternehmen in den USA?
Wer sich selbstständig macht oder ein Unternehmen gründet, hat andere Verpflichtungen als Angestellte. Hier gibt es keinen Arbeitgeber, der Steuern einbehält.
Wie werden Selbstständige besteuert?
Selbstständige zahlen die Self-Employment Tax, also beide Hälften der FICA-Abgaben, zusammen 15,3 Prozent bis zur Social-Security-Grenze. Dazu kommt die Einkommensteuer. Statt eines Jahresausgleichs leistest du vierteljährliche Vorauszahlungen, die Estimated Taxes, jeweils Mitte April, Juni, September und Januar. Wer sie vergisst, zahlt Strafzinsen, auch wenn am Jahresende alles beglichen wird.
Wie werden Gesellschaften besteuert?
Für Kapitalgesellschaften, die C-Corporations, gilt auf Bundesebene ein Einheitssatz von 21 Prozent. Die meisten Bundesstaaten erheben eine eigene Körperschaftsteuer obendrauf, einige gar keine. Beliebter bei kleinen Unternehmen ist die LLC, die Limited Liability Company. Sie haftet wie eine GmbH, ihre Gewinne werden aber standardmäßig direkt beim Inhaber versteuert. Diese Gesellschaften heißen Pass-Through Entities.
Bei der Standortwahl lohnt der Blick über die Ertragsteuern hinaus. Delaware ist für sein Gesellschaftsrecht bekannt, Wyoming und Nevada für niedrige Abgaben. Entscheidend ist aber, wo die Geschäftstätigkeit tatsächlich stattfindet: Dort fallen in aller Regel auch die Steuern an.
Gibt es eine Umsatzsteuer für Unternehmen?
Eine Umsatzsteuer nach deutschem Vorbild mit Vorsteuerabzug gibt es in den USA nicht. Unternehmen ziehen stattdessen die Sales Tax beim Endkunden ein und führen sie an den jeweiligen Staat ab. Seit einem Urteil des Supreme Court von 2018 müssen Online-Händler das auch in Staaten tun, in denen sie einen bestimmten Umsatz überschreiten, ohne dort eine Niederlassung zu haben. Für deutsche Unternehmen mit US-Kunden ist das einer der häufigsten Stolpersteine, weil jeder Bundesstaat eigene Bestimmungen hat.
Welche Fehler machen Deutsche bei den Steuern in den USA?
Die teuersten Fehler passieren nicht beim Ausfüllen des Formulars 1040. Sie passieren an der Schnittstelle zwischen Deutschland und den USA.
Endet die deutsche Steuerpflicht mit dem Umzug automatisch?
Nein. In Deutschland bist du unbeschränkt steuerpflichtig, solange du dort einen Wohnsitz oder deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. Dafür reicht schon eine Wohnung, die dir jederzeit zur Verfügung steht, auch wenn du sie kaum nutzt. Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt ist ein Indiz, aber kein Beweis. Behältst du dein Haus in Deutschland, kannst du in beiden Ländern unbeschränkt steuerpflichtig sein.
Auch nach einem sauberen Wegzug bleibt die beschränkte Steuerpflicht für deutsche Einkünfte, etwa Mieteinnahmen aus einer Immobilie. Und wer Anteile von mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, kann beim Wegzug unter die Wegzugsbesteuerung fallen. Dann versteuert Deutschland die stillen Reserven, ohne dass du verkauft hast. Das solltest du vor dem Umzug klären, nicht danach.
Welche Meldepflichten gelten für deutsche Konten?
Als US-Steuerpflichtiger musst du deine ausländischen Konten melden. Übersteigt die Summe aller Auslandskonten irgendwann im Jahr 10.000 $, ist der FBAR fällig, das FinCEN Form 114. Ab höheren Beträgen kommt das Formular 8938 nach FATCA dazu, für Alleinstehende in den USA ab 50.000 $ zum Jahresende oder 75.000 $ zu irgendeinem Zeitpunkt.
Das betrifft auch das alte Girokonto, das Tagesgeldkonto und das Depot in Deutschland. Die Strafen für vergessene Meldungen können fünfstellig werden, auch wenn keine Steuer hinterzogen wurde. Warum deine deutsche Bank nach deiner US-Steuernummer fragt, erklärt unser Artikel über FATCA.
Was ist mit deutschen Fonds und ETFs?
Ein Risiko, das viele erst nach Jahren bemerken: Deutsche und europäische Investmentfonds gelten im US-Steuerrecht als PFIC, als Passive Foreign Investment Company. Ihre Erträge werden in den USA ungünstig besteuert, und jeder Fonds braucht ein eigenes Formular. Der Klassiker ist der ETF-Sparplan aus Deutschland, der einfach weiterläuft. Ähnliche Fragen stellen sich bei der Altersvorsorge, mehr dazu im Artikel zum 401k.
Wie hoch ist die Steuerlast im Vergleich zu Deutschland?
Gemessen an der Wirtschaftsleistung nehmen die USA weniger Steuern und Abgaben ein: rund ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland knapp 38 Prozent. Der Hauptgrund sind die niedrigeren Sozialabgaben.
Der Vergleich hinkt aber. Krankenversicherung, Studiengebühren und private Altersvorsorge bezahlst du in den USA zusätzlich aus dem Netto. Eine Familienversicherung über den Arbeitgeber kostet schnell mehrere hundert Dollar im Monat. Wer also nur auf den Gehaltszettel schaut, unterschätzt die Kosten. Was das für das Budget bedeutet, zeigt unser Ratgeber zum Durchschnittsgehalt in den USA.
Bei Kapitalerträgen ist die Besteuerung zweigeteilt. Gewinne aus Aktien, die du länger als ein Jahr gehalten hast, werden mit 0, 15 oder 20 Prozent besteuert, je nach Einkommen, bei hohen Einkommen plus 3,8 Prozent. Kurzfristige Gewinne zählen als normales Einkommen. In Deutschland gilt dagegen die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag.
Gibt es in den USA eine Kirchensteuer?
Nein. Kirchen finanzieren sich in den Vereinigten Staaten über Spenden, und der Staat zieht nichts für sie ein. Wer in Deutschland noch Kirchenmitglied ist, zahlt dort Kirchensteuer nur, solange er unbeschränkt steuerpflichtig ist. Mit einem sauberen Wegzug entfällt sie.
Spenden an Kirchen und gemeinnützige Organisationen kannst du in den USA absetzen. Seit dem Steuerjahr 2026 geht das in begrenzter Höhe auch ohne Itemizing: bis 1.000 $ für Alleinstehende und 2.000 $ für Ehepaare bei gemeinsamer Veranlagung.
Insidertipp
Bewahre ab dem ersten Tag deine Reisedaten auf, also Flugbuchungen und Einreisestempel. Beim Substantial Presence Test und im Dual-Status-Jahr hängt alles am exakten Datum, und das US-Steuerrecht zählt jeden angefangenen Tag im Land mit. Deine Ein- und Ausreisen der letzten Jahre kannst du übrigens kostenlos auf der Seite des Grenzschutzes CBP unter "I-94" abrufen.
Mein zweiter Rat: Such dir für das erste Jahr einen Steuerberater, der sich mit Deutschland und den USA auskennt. Das kostet meist einen niedrigen bis mittleren vierstelligen Betrag. Danach reichen vielen Personen die Software und die Vorlage des Vorjahres. Bei zwei Wohnsitzen, Immobilien in Deutschland oder einer eigenen Firma bleibt die Fachperson dagegen dauerhaft sinnvoll.
FAQ zu Steuern in den USA
Wie viel Steuern zahlt man in den USA?
Das hängt vom Wohnort und vom Einkommen ab. Die Einkommensteuer auf Bundesebene liegt 2026 zwischen 10 und 37 Prozent. Je nach Bundesstaat kommen zwischen 0 und 13,3 Prozent State Income Tax dazu, in manchen Städten noch Local Taxes. Hinzu kommen 7,65 Prozent FICA, die Sales Tax beim Einkaufen und die Property Tax für Immobilienbesitzer.
Gibt es ein Steuerabkommen zwischen den USA und Deutschland?
Ja. Das Doppelbesteuerungsabkommen von 1989, geändert durch ein Protokoll von 2006, regelt, welches Land welche Einkünfte besteuern darf. In den USA wird eine doppelte Besteuerung meist über den Foreign Tax Credit vermieden, also die Anrechnung der deutschen Steuer. Eine Besonderheit ist die Saving Clause: Die USA behalten sich bei eigenen Bürgern und Residents fast immer das Recht zur Besteuerung vor. Das Abkommen behandeln wir in einem eigenen Artikel ausführlich.
Wie viel netto vom Brutto bleibt in den USA?
Ein Beispiel für 2026: Bei 80.000 $ Jahresgehalt als Single in Texas bleiben nach Standard Deduction rund 63.900 $ zu versteuerndes Einkommen. Die Bundessteuer darauf beträgt etwa 8.770 $, FICA rund 6.120 $. Netto bleiben gut 65.000 $, also etwa 81 Prozent. In Kalifornien kämen grob 3.500 bis 4.500 $ State Income Tax dazu. Ein vergleichbares Bruttogehalt in Euro bringt in Deutschland in Steuerklasse I knapp 60 Prozent netto. Krankenversicherung und Altersvorsorge sind in der US-Rechnung allerdings noch nicht enthalten.
Gibt es in den USA noch eine Vermögenssteuer?
Eine allgemeine Vermögenssteuer gibt es weder auf Bundesebene noch in den Bundesstaaten. Auch Deutschland erhebt seit 1997 keine mehr. Die Property Tax wirkt allerdings wie eine Vermögenssteuer auf Immobilien. Beim Tod fällt ab einem Freibetrag von 15 Millionen $ pro Person (Stand 2026) die bundesweite Estate Tax an. Einige Staaten erheben eigene Erbschaftsteuern mit deutlich niedrigeren Freibeträgen.
Muss ich auch als Rückkehrer nach Deutschland in den USA Steuern zahlen?
Als Green Card Inhaber ja, solange du die Green Card nicht formell aufgegeben hast. Als US-Bürger lebenslang, unabhängig vom Wohnort. Wer weder das eine noch das andere ist, zahlt nach dem Wegzug nur noch auf Einkünfte aus US-Quellen, zum Beispiel auf Mieteinnahmen aus einer US-Immobilie.
Das amerikanische Steuersystem wirkt am Anfang wie ein Formularberg, wird aber ab dem zweiten Jahr zur Routine. Die meisten Probleme entstehen nicht in den USA, sondern bei den Verpflichtungen in Deutschland und den vergessenen deutschen Konten. Kläre beides vor dem Umzug, dann bleibt die Steuererklärung im April eine lästige, aber gut planbare Pflicht. Ich wünsche dir eine Erstattung, die sich wie ein Bonus anfühlt.