Erbschaftssteuer USA: Nachlass, Erben und was gilt, wenn Deutschland mit im Spiel ist (Stand 2026)
In den USA zahlt der Nachlass, nicht der Erbe, und das erst ab 15 Millionen Dollar. Wer in Deutschland lebt und aus Amerika erbt, zahlt trotzdem oft deutsche Erbschaftsteuer. So spielen beide Systeme zusammen.

Die Erbschaftssteuer USA funktioniert anders, als du es aus Deutschland kennst. Der Staat besteuert nicht den Erben, sondern den Nachlass selbst, und zwar auf Bundesebene erst ab 15 Millionen Dollar pro Person (Stand Oktober 2026). Für fast alle Familien fällt in Washington also nichts an. Ganz anders sieht es aus, wenn der Verstorbene weder US-Bürger noch in den USA ansässig war: Dann liegt der Freibetrag bei 60.000 Dollar.
Für uns Deutsche kommt eine zweite Ebene dazu. Das deutsche Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) fragt nicht in erster Linie, wo das Vermögen liegt, sondern wo Erblasser und Erben wohnen. Wer in Deutschland lebt und aus Amerika erbt, ist dort meist steuerpflichtig, auch wenn in den USA schon gezahlt wurde. Und bevor überhaupt Geld fließt, läuft der Nachlass oft durch ein Gerichtsverfahren, das Probate, das sich über viele Monate ziehen kann.
Warum zahlt in den USA der Nachlass und nicht der Erbe?
In Deutschland zahlt jeder Erwerber seine eigene Erbschaftsteuer. Wie viel, hängt von der Verwandtschaft zum Erblasser ab: Kinder haben hohe Freibeträge, Nichten oder Freunde niedrige. In den USA ist die Federal Estate Tax, die Bundes-Nachlasssteuer, eine Steuer auf das gesamte Vermögen des Erblassers. Der Executor, also der Nachlassverwalter, zahlt sie aus dem Nachlass, bevor verteilt wird. Die Erben bekommen, was übrig bleibt.
Das hat eine zweite Folge, die Deutsche oft überrascht. Bei uns tritt der Erbe vollständig in die Rechtsstellung des Erblassers ein und übernimmt auch dessen Schulden, wenn er nicht ausschlägt. In den USA begleicht der Nachlass zuerst die Schulden, und die Erben haften grundsätzlich nicht mit ihrem eigenen Vermögen. Ausnahmen gibt es etwa bei gemeinsamen Krediten oder Mitunterschriften.
Der Freibetrag ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. 2001 lag er bei 675.000 Dollar. Seit Januar 2026 sind es 15 Millionen D ollar, festgeschrieben im One Big Beautiful Bill Act vom Juli 2025. Ab 2027 wird der Betrag jährlich an die Inflation angepasst. Was darüber liegt, wird mit bis zu 40 Prozent besteuert. Ehepaare können ihre Freibeträge kombinieren und kommen so auf 30 Millionen Dollar. Die Federal Estate Tax betrifft deshalb nur einen winzigen Bruchteil der Nachlässe. Die aktuellen Zahlen stehen auf irs.gov.
Was gilt für Nonresidents mit Vermögen in den USA?
Hier liegt die eigentliche Falle für Deutsche. Wer weder die US-Staatsangehörigkeit hatte noch seinen Lebensmittelpunkt (Domicile) in den USA, gilt als Nonresident. Für diese Person besteuern die USA nur das US-Vermögen: eine Immobilie in Florida, Aktien amerikanischer Firmen, Anteile an US-Gesellschaften. Der Freibetrag liegt aber nur bei 60.000 Dollar. Er ist seit Jahrzehnten nicht angepasst worden.
Ein Beispiel: Eine Person mit Wohnsitz in Deutschland stirbt und hinterlässt eine Ferienwohnung in Arizona im Wert von 500.000 Dollar. Ohne Abkommen wäre ein großer Teil davon steuerpflichtig. Ab 60.000 Dollar US-Vermögen muss der Executor das Formular 706-NA beim IRS einreichen, und zwar innerhalb von neun Monaten nach dem Tod.
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA hilft hier deutlich. Wer in Deutschland ansässig war, bekommt einen anteiligen Freibetrag: Der Anteil des US-Vermögens am weltweiten Vermögen bestimmt, wie viel vom vollen Freibetrag angerechnet wird. Liegen nur zehn Prozent des Gesamtvermögens in den USA, gelten zehn Prozent von 15 Millionen Dollar, also 1,5 Millionen. Für die Wohnung in Arizona fällt dann keine US-Steuer an. Den Anspruch muss man aber aktiv geltend machen, er kommt nicht automatisch.
Bevor US-Banken oder Broker das Vermögen eines Nonresidents freigeben, verlangen sie oft ein Transfer Certificate (Formular 5173) vom IRS. Das dauert erfahrungsgemäß Monate. Plane das ein, bevor du mit dem Geld rechnest.
Wo verlangen US-Bundesstaaten eine eigene Erbschaftsteuer?
Neben der Bundes-Nachlasssteuer erheben einige Staaten eigene Steuern, und deren Freibeträge sind viel niedriger. Stand Oktober 2026 haben zwölf Bundesstaaten plus Washington D.C. eine eigene Estate Tax, darunter New York, Massachusetts, Illinois, Oregon und der Bundesstaat Washington. Die Freibeträge reichen je nach Staat von rund einer Million bis zu knapp 14 Millionen Dollar.
Dazu kommt in einigen Staaten eine echte Inheritance Tax, die wie in Deutschland den Erben besteuert: Kentucky, Maryland, Nebraska, New Jersey und Pennsylvania. Ehegatten sind dort befreit, Kinder meist auch oder fast. Entferntere Verwandte und Freunde zahlen je nach Staat bis zu 16 Prozent. Maryland erhebt als einziger Staat beides.
Die Regelungen ändern sich häufig. Iowa hat seine Inheritance Tax 2025 abgeschafft, andere Staaten passen Freibeträge jährlich an. Was gilt, steht auf der Seite des Department of Revenue des jeweiligen Staates.
Was gilt für Ehegatten ohne US-Staatsangehörigkeit?
Zwischen Ehegatten gilt in den USA ein unbegrenzter Abzug: Wer dem Partner alles vererbt, zahlt keine Federal Estate Tax, egal wie groß der Nachlass ist. Diese Regelung gilt aber nur, wenn der überlebende Partner US-Bürger ist. Eine Green Card reicht nicht.
Ist der überlebende Partner Deutscher, braucht es für den vollen Aufschub einen Qualified Domestic Trust (QDOT). Das ist ein Trust mit mindestens einem US-Treuhänder, über den das Vermögen verwaltet wird. Die Steuer wird dann nicht abgeschafft, sondern aufgeschoben, bis Kapital ausgeschüttet wird oder der Partner stirbt. Bei Nachlässen unter 15 Millionen Dollar spielt das meist keine Rolle, weil der normale Freibetrag ohnehin greift.
Zu Lebzeiten können Ehegatten ohne US-Pass einander 2026 bis zu 194.000 Dollar pro Jahr steuerfrei schenken. Zum Vergleich: In Deutschland haben Ehegatten einen Freibetrag von 500.000 Euro, dazu kommt ein Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro. Das deutsche Recht kennt keinen Unterschied nach Staatsangehörigkeit.
Wie regelt das Doppelbesteuerungsabkommen die Erbschaftsteuer, und was macht § 21 ErbStG?
Deutschland und die USA haben ein eigenes Erbschaft- und Schenkungsteuer-Abkommen von 1980, ergänzt durch ein Protokoll von 1998, das 2001 rückwirkend in Kraft trat. Es soll eine Doppelbesteuerung vermeiden, schafft die deutsche Steuer aber nicht ab.
Die Grundzüge:
- Immobilien darf immer der Staat besteuern, in dem sie liegen. Das Haus in Florida unterliegt also der US-Steuer, auch wenn der Erblasser in München wohnte.
- Für sonstiges Vermögen hat der Wohnsitzstaat des Erblassers das Hauptrecht.
- Wer Deutscher ist und weniger als zehn Jahre in den USA lebte, gilt für das Abkommen oft weiter als in Deutschland ansässig.
- Lebt der Erbe in Deutschland, darf Deutschland den Erwerb trotzdem besteuern und rechnet die US-Steuer an.
Genau das ist der Punkt, den viele übersehen. Das ErbStG kennt nach § 2 eine unbeschränkte Steuerpflicht, wenn der Erblasser oder der Erwerber in Deutschland wohnt. Deutsche Staatsangehörige bleiben sogar bis fünf Jahre nach dem Wegzug unbeschränkt steuerpflichtig. Wer also als Kind in Hamburg vom Vater in Texas erbt, zahlt deutsche Erbschaftsteuer auf das gesamte Erbe.
Doppelt gezahlt wird trotzdem meist nicht. Das Abkommen sieht eine Anrechnung der US-Steuer vor, ergänzend greift § 21 ErbStG, der die Anrechnung ausländischer Erbschaftsteuer regelt. Angerechnet wird nach § 21 ErbStG höchstens der Betrag, der in Deutschland auf das Auslandsvermögen entfällt. Weil die US-Steuer wegen der hohen Freibeträge oft null ist, bleibt am Ende in der Praxis die deutsche Steuer übrig.
Was ist Probate und wie lässt es sich vermeiden?
Probate ist das gerichtliche Nachlassverfahren in den USA. Ein Gericht des Countys prüft das Testament, ernennt den Executor (bei Fehlen eines Testaments einen Administrator), lässt Gläubiger ihre Forderungen anmelden, begleicht Schulden und Steuern und gibt erst dann den Rest frei. Das deutsche Gegenstück zum Erbschein sind die Letters Testamentary, mit denen der Executor gegenüber Banken auftritt.
Rechne mit sechs Monaten bis zwei Jahren, bei Streit oder Immobilien in mehreren Staaten länger. Dazu kommen Gerichts- und Anwaltskosten, die schnell mehrere Prozent des Nachlasses ausmachen. Das Verfahren ist öffentlich: Jeder kann einsehen, was vererbt wurde.
Viele Amerikaner vermeiden Probate deshalb gezielt:
- Revocable Living Trust: Vermögen wird zu Lebzeiten in einen Trust übertragen, der Erblasser bleibt Treuhänder. Nach dem Tod übernimmt ein Nachfolge-Treuhänder ohne Gericht.
- Beneficiary Designation: Bei Konten, Lebensversicherungen, IRA und 401(k) trägst du direkt einen Begünstigten ein. Das Geld geht am Testament vorbei.
- Transfer on Death und Joint Ownership: Depots und in vielen Staaten auch Immobilien lassen sich so übertragen.
Für Deutsche heikel: Das deutsche Recht sieht Trusts kritisch. Übertragungen in einen Trust und Ausschüttungen daraus können in Deutschland eigene Erbschaftsteuer auslösen, oft in der ungünstigsten Steuerklasse. Wer eine solche Gestaltung plant und Bezug zu Deutschland hat, sollte Fachleute aus beiden Ländern an einen Tisch holen.
Erbschaft aus den USA: Was müssen Erben in Deutschland tun?
Wenn du in Deutschland lebst und aus den USA erbst, läuft es in dieser Reihenfolge:
- Kontakt zum Executor oder Nachlassanwalt aufnehmen. Er ist dein Ansprechpartner, nicht die Bank.
- Den Erbfall innerhalb von drei Monaten beim zuständigen Finanzamt anzeigen (§ 30 ErbStG). Das gilt auch, wenn das Geld noch nicht da ist.
- Für US-Vermögen von Erblassern aus Deutschland klären, ob ein Ancillary Probate nötig ist, ein Zusatzverfahren in dem Staat, in dem die Immobilie liegt.
- Für den Geldtransfer ein Konto angeben und die US-Formulare des Executors ausfüllen, meist W-8BEN.
- Eingänge über 12.500 Euro aus dem Ausland der Bundesbank melden (Außenwirtschaftsverordnung). Das ist eine statistische Meldung, keine Steuer.
- Die Erbschaftsteuererklärung abgeben, wenn das Finanzamt dazu auffordert, und US-Steuerbescheide für die Anrechnung beilegen.
Die deutschen Freibeträge gelten alle zehn Jahre pro Erblasser: 500.000 Euro für Ehegatten, 400.000 Euro für Kinder, 200.000 Euro für Enkel, 20.000 Euro für Geschwister, Nichten, Neffen und alle anderen (Stand 2026). Die Steuersätze liegen je nach Steuerklasse und Höhe zwischen 7 und 50 Prozent. Für Betriebsvermögen gibt es Verschonungsregeln, die das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung vom Dezember 2014 in Teilen gekippt hat. Die Neufassung gilt seit 2016, eine erneute Prüfung in Karlsruhe ist anhängig.
Insidertipp
Prüf die Beneficiary Designations bei deinem 401(k), deiner IRA und deiner Lebensversicherung, und zwar nach jeder Heirat, Scheidung oder Geburt. Diese Eintragungen schlagen das Testament. Steht dort noch die Ex-Partnerin, bekommt sie das Geld, egal was im Testament steht. Und wenn du ein deutsches Testament hast: Viele Bundesstaaten erkennen handschriftliche Testamente nicht an, weil sie zwei Zeugen verlangen. Ein zusätzliches Testament nach dem Recht deines Staates für das US-Vermögen spart den Erben viel Ärger.
FAQ
Gilt ein deutsches Testament in den USA?
Oft ja, wenn es nach deutschem Recht wirksam errichtet wurde. Bei handschriftlichen Testamenten ohne Zeugen wird es aber je nach Staat schwierig, und die Gerichte verlangen beglaubigte Übersetzungen. Die EU-Erbrechtsverordnung bindet die USA nicht.
Wie lange dauert Probate?
Meist sechs Monate bis zwei Jahre. Kleine Nachlässe können in vielen Staaten über ein vereinfachtes Verfahren schneller abgewickelt werden.
Was gilt bei Schenkungen?
In den USA zahlt der Schenker die Schenkungssteuer, nicht der Beschenkte. 2026 sind 19.000 Dollar pro Empfänger und Jahr frei, darüber wird ein Formular 709 fällig, Steuer fällt erst nach Verbrauch der 15 Millionen an. In Deutschland zahlt der Beschenkte Schenkungssteuer nach denselben Freibeträgen wie bei der Erbschaft, zusammengerechnet über zehn Jahre.
Was passiert mit Aktien im Todesfall?
In den USA bekommen Erben einen Step-up in Basis: Der Einstandswert wird auf den Kurs am Todestag angehoben, die stillen Gewinne sind steuerlich weg. In Deutschland übernimmt der Erbe die Anschaffungskosten des Erblassers, ein späterer Verkauf kann also Abgeltungsteuer auslösen.
Muss ich Aktiengewinne aus den USA versteuern?
Wer in Deutschland wohnt, versteuert Kursgewinne und Dividenden in Deutschland mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag. Die USA behalten auf Dividenden mit W-8BEN 15 Prozent ein, die in Deutschland angerechnet werden.
Wie ist die Erbschaftsteuer in Deutschland?
Jeder Erbe zahlt selbst, nach Verwandtschaftsgrad: Steuerklasse I für Ehegatten und Kinder, II für Geschwister und Nichten, III für alle anderen. Das selbst genutzte Familienheim kann unter Bedingungen steuerfrei vererbt werden.
Wird Erbe aus dem Ausland versteuert?
Ja, wenn du oder der Erblasser in Deutschland wohnt. Im Ausland gezahlte Erbschaftsteuer wird nach Doppelbesteuerungsabkommen oder § 21 ErbStG angerechnet.
Erben ist zwischen zwei Ländern selten einfach, aber es lässt sich gut vorbereiten. Ein gepflegtes Testament nach US-Recht, aktuelle Beneficiary Designations und ein Gespräch mit Steuerberatern beider Länder nehmen deiner Familie im Ernstfall viel ab. Ich wünsche dir, dass du dieses Wissen lange nicht brauchst.