Mehrwertsteuer USA: Warum der Preis an der Kasse höher ist als auf dem Schild

In den USA gibt es keine Mehrwertsteuer, sondern die Sales Tax. Sie kommt erst an der Kasse dazu und ist in jedem Bundesstaat und oft in jeder Stadt anders hoch.

Von Redaktion LebenInDenUSAVeröffentlicht 10 Min. Lesezeit
Mehrwertsteuer USA: Warum der Preis an der Kasse höher ist als auf dem Schild
Foto: Allen Y auf Unsplash

Eine Mehrwertsteuer wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Stattdessen erheben Bundesstaaten, Countys und Städte eine Sales Tax, also eine Verkaufssteuer. Sie fällt nur beim letzten Verkauf an den Endkunden an und wird erst an der Kasse auf den Preis aufgeschlagen. Deshalb steht auf dem Schild $49,99 und auf dem Kassenzettel $54,43.

Wir Deutschen rechnen automatisch damit, dass der Preis am Regal der Endpreis ist. Das ist bei uns Gesetz. In den USA ist es umgekehrt: Händler zeichnen netto aus, weil derselbe Artikel ein paar Meilen weiter einen anderen Steuersatz haben kann. Die Spanne reicht von null Prozent in Oregon bis über zehn Prozent in Teilen von Louisiana oder Chicago. Wer das einmal verstanden hat, ärgert sich an der Kasse nicht mehr und kann beim Shopping sogar gezielt sparen.

Warum gibt es in den USA keine Mehrwertsteuer, sondern die Sales Tax?

Der Grund liegt in der Verfassung und im Föderalismus. Der Bund finanziert sich vor allem über die Einkommensteuer. Die Besteuerung des Konsums haben sich die Bundesstaaten vorbehalten, und eine bundesweite Umsatzsteuer ist politisch seit Jahrzehnten nicht durchsetzbar.

Der wichtigste Unterschied ist die Erhebung. Die deutsche Mehrwertsteuer fällt auf jeder Stufe an, vom Hersteller über den Großhandel bis zum Laden. Unternehmen holen sich die gezahlte Steuer über den Vorsteuerabzug zurück, sodass am Ende nur der Endkunde belastet ist. Die US-Sales Tax kennt keinen Vorsteuerabzug. Sie wird nur einmal erhoben, nämlich beim Verkauf an dich. Händler kaufen Waren für den Weiterverkauf mit einem Resale Certificate, einer Wiederverkaufsbescheinigung, steuerfrei ein.

Wer erhebt die Sales Tax?

Die Steuer setzt sich meist aus mehreren Schichten zusammen:

  • dem Satz des Bundesstaates
  • einem County-Zuschlag
  • einem Zuschlag der Stadt
  • manchmal Sonderbezirken, etwa für den Nahverkehr

In New York City zum Beispiel ergeben 4 Prozent vom Staat New York, 4,5 Prozent von der Stadt und 0,375 Prozent für den Nahverkehrsbezirk zusammen 8,875 Prozent. Im Umland von New York gelten andere Sätze, weil jedes County seinen eigenen Zuschlag festlegt. Entscheidend ist der Ort, an dem du die Ware erhältst. Beim Online-Kauf zählt deshalb die Adresse, an die geliefert wird, und oft sogar die genaue Postleitzahl.

Wie hoch ist die Sales Tax in den einzelnen Bundesstaaten?

45 Bundesstaaten und der District of Columbia erheben eine staatliche Sales Tax. Fünf Bundesstaaten tun das nicht: Oregon, Montana, New Hampshire, Delaware und Alaska. Ganz steuerfrei ist trotzdem nicht alles. In Alaska dürfen Kommunen eigene Steuern erheben, in Montana kassieren einige Urlaubsorte eine Resort Tax, und New Hampshire besteuert Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen mit 8,5 Prozent.

Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Bundesstaaten mit dem staatlichen Satz und dem durchschnittlichen Gesamtsatz inklusive lokaler Steuern. Stand der Werte: Anfang 2025, gerundet. Die Sätze ändern sich regelmäßig, den aktuellen Wert für deine Adresse findest du beim Department of Revenue deines Bundesstaates.

Bundesstaat Staatlicher Satz Durchschnitt mit lokalen Steuern
Oregon 0 % 0 %
Delaware 0 % 0 %
New Hampshire 0 % 0 %
Montana 0 % knapp über 0 % (Resort Tax in Urlaubsorten)
Alaska 0 % rund 1,8 %
Colorado 2,9 % rund 7,8 %
New Jersey 6,625 % rund 6,6 %
Florida 6 % rund 7 %
Texas 6,25 % rund 8,2 %
New York 4 % rund 8,5 %
California 7,25 % rund 8,9 %
Washington 6,5 % rund 9,4 %
Louisiana 5 % rund 10,1 %

Auffällig ist New York: Der staatliche Satz von 4 Prozent wirkt niedrig, in den Städten landest du trotzdem bei fast 9 Prozent. Bei New Jersey ist es umgekehrt, dort gibt es kaum lokale Zuschläge. Für Texas gilt eine Obergrenze von 8,25 Prozent, weil lokale Steuern höchstens 2 Prozent ausmachen dürfen.

Welche Waren sind von der Sales Tax befreit?

Hier wird es bunt, denn jeder Bundesstaat schreibt seine eigenen Vorschriften. Es gibt aber Muster, die du kennen solltest.

Lebensmittel

In den meisten Bundesstaaten sind Grundnahrungsmittel aus dem Supermarkt steuerfrei oder ermäßigt besteuert. Eine kleinere Gruppe von Staaten besteuert sie voll oder mit eigenem, niedrigerem Satz. Fertiggerichte, das warme Hähnchen aus der Theke und alles im Restaurant sind dagegen fast überall steuerpflichtig. Süßigkeiten und Softdrinks fallen in vielen Staaten ebenfalls aus der Befreiung heraus.

Kleidung und Schuhe

Einige Bundesstaaten befreien Kleidung und Schuhe ganz oder bis zu einer Preisgrenze. Ganz befreit sind Kleidung und Schuhe zum Beispiel in New Jersey, Pennsylvania und Minnesota. In New York sind Kleidung und Schuhe unter $110 pro Stück von der staatlichen Steuer befreit, New York City verzichtet in diesem Fall auch auf den städtischen Anteil. Massachusetts befreit Kleidung bis $175 pro Stück. Ein Wintermantel für $300 ist dort also steuerpflichtig, zwei Jeans für je $80 nicht.

Dienstleistungen

Der Haarschnitt, die Autoreparatur oder der Handwerker sind in vielen Bundesstaaten ganz oder teilweise steuerfrei, während auf Waren Steuer fällt. Einige Staaten wie Hawaii, New Mexico oder South Dakota besteuern dagegen auch Dienstleistungen breit.

Sales Tax Holidays zum Schulbeginn

Rund um den Schulstart im August legen viele Bundesstaaten steuerfreie Tage ein. In Texas ist das ein Wochenende im August, an dem Kleidung, Schuhe, Rucksäcke und Schulsachen unter $100 pro Stück steuerfrei sind. Florida hat seine Sales Tax Holiday zum Schulbeginn auf den ganzen August ausgedehnt. Andere Staaten haben eigene Termine, etwa für Energiesparprodukte oder Hurrikan-Vorräte. Die genauen Daten und Anforderungen veröffentlicht jedes Jahr die Steuerbehörde des jeweiligen Staates.

Was ist anders als bei der Mehrwertsteuer in Deutschland?

In Deutschland gilt ein Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, ermäßigt 7 Prozent, bundesweit einheitlich. Die Preisangabenverordnung schreibt vor, dass Händler gegenüber Verbrauchern Bruttopreise angeben. Du siehst also immer, was du bezahlst.

In den USA gibt es keinen einheitlichen Mehrwertsteuersatz, keine Pflicht zum Bruttopreis und keine Steuer auf jeder Stufe. Die Steuersätze liegen insgesamt deutlich niedriger als in Deutschland. Dafür ist die Berechnung unübersichtlich, weil sich die Sätze je nach Ort ändern. Ein Kühlschrank kann im Laden in der Innenstadt anders besteuert werden als im Laden am Stadtrand, wenn die Grenze zwischen zwei Kommunen dazwischen liegt.

Der zweite große Unterschied betrifft Besucher. In Europa bekommen Touristen aus Drittstaaten die Mehrwertsteuer beim Export zurück, das bekannte Tax-Free-Shopping. In den USA gibt es so ein bundesweites Erstattungssystem nicht. Die Sales Tax, die du an der Kasse zahlst, ist weg. Das solltest du einrechnen, wenn du einen USA-Urlaub als Einkaufsreise planst.

Unbequem, aber wahr: Bei der Rückkehr nach Deutschland zahlst du auf Einkäufe oberhalb der Reisefreimenge noch einmal. Für Flugreisende ab 15 Jahren liegt sie bei 430 Euro (Stand 2026). Darüber fallen Einfuhrabgaben an, also Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent und je nach Produkt Zoll. Für teure Elektronik oder Designertaschen bedeutet das: US-Sales-Tax plus deutsche Einfuhrumsatzsteuer. Die aktuellen Regeln stehen auf zoll.de.

Was müssen Einwanderer bei Use Tax, Autokauf und Steuererklärung beachten?

Wer in den USA lebt, begegnet der Sales Tax nicht nur an der Kasse. Drei Stellen kosten Neuankömmlinge regelmäßig Geld oder Nerven.

Use Tax beim Online-Kauf

Kaufst du bei einem Händler, der für deinen Bundesstaat keine Sales Tax berechnet, schuldest du theoretisch die Use Tax, eine Nutzungssteuer in gleicher Höhe. Das betrifft vor allem kleinere Shops aus anderen Bundesstaaten oder Bestellungen aus dem Ausland. Viele Bundesstaaten fragen in der staatlichen Einkommensteuererklärung nach einer Zahl für die Use Tax. Seit große Plattformen die Steuer automatisch erheben, ist das Thema kleiner geworden, verschwunden ist es nicht.

Sales Tax beim Autokauf

Beim Autokauf wird die Steuer meist nicht beim Händler fällig, sondern bei der Zulassung. Du zahlst sie an die Zulassungsstelle oder das County Tax Office, oft auch beim Kauf von privat. Texas etwa erhebt 6,25 Prozent Motor Vehicle Sales Tax auf den Kaufpreis. Bei einem Gebrauchtwagen für $20.000 sind das $1.250, die viele Deutsche nicht einplanen. Die Regeln zu Zulassung und Gebühren stehen auf der Seite deines DMV.

Sales Tax in der Steuererklärung

In der US-Bundessteuererklärung kannst du unter Umständen die gezahlte Sales Tax als Abzugsposten ansetzen. Das geht nur, wenn du einzelne Abzüge aufführt (Itemized Deductions) statt den Pauschbetrag (Standard Deduction) zu nehmen. Du wählst dann entweder die State Income Tax oder die Sales Tax. Für Bewohner von Staaten ohne Einkommensteuer wie Texas oder Florida ist das interessant. Für diese Abzüge gilt eine Höchstgrenze, die 2025 auf $40.000 angehoben wurde. Ob sich das für dich rechnet, klärst du mit einem Steuerberater, die Details stehen auf irs.gov.

Was bedeutet die Sales Tax für Händler und Unternehmen aus Deutschland?

Wenn du aus Deutschland Waren an Kunden in den USA verkaufst, ist die Sales Tax kein Nebenthema. Seit dem Urteil des Supreme Court im Fall South Dakota gegen Wayfair von 2018 dürfen Bundesstaaten auch Händler ohne Lager oder Büro vor Ort zur Erhebung verpflichten. Maßgeblich ist der wirtschaftliche Bezug, Economic Nexus genannt. In vielen Bundesstaaten liegt die Schwelle bei $100.000 Umsatz pro Jahr in diesem Staat, einige Staaten haben eigene Grenzen.

Wer die Schwelle überschreitet, braucht in diesem Staat eine eigene Steuerregistrierung und eine Steuernummer. Eine zentrale Registrierung beim Bund gibt es nicht. Wer in vielen Staaten aktiv ist, landet schnell bei zahlreichen Steuerregistrierungen mit eigenen Fristen und Formularen. Ein physisches Lager, etwa in einem Fulfillment-Center, kann zusätzlich eine Pflicht auslösen.

Erleichterung bringen Marketplace-Regeln: Verkaufst du über Amazon oder Etsy, erhebt in den meisten Bundesstaaten die Plattform die Steuer und führt sie ab. Für den eigenen Online-Shop setzen viele Unternehmen Software ein, die Sätze anhand von Adresse und Postleitzahl berechnet und die Aufschlüsselung für die Steuerbehörden liefert. Welche Registrierungen bei deiner Rechtsform und deinem Umsatz nötig sind, klärst du mit einem auf US-Umsatzsteuer spezialisierten Berater.

Häufige Fragen zur Mehrwertsteuer in den USA

Wie hoch ist der Steuersatz in den USA?

Einen einheitlichen Satz gibt es nicht. Die staatlichen Sätze reichen von 0 bis 7,25 Prozent, mit lokalen Zuschlägen landest du in manchen Städten über 10 Prozent. Für eine schnelle Planung rechnest du in den meisten Großstädten mit 7 bis 9 Prozent.

Was ist Sales Tax auf Deutsch?

Am treffendsten ist Verkaufssteuer. Umgangssprachlich sagen viele Deutsche Mehrwertsteuer oder MwSt, technisch ist das falsch, weil die Sales Tax nur einmal beim Endkunden anfällt. Auf dem Kassenzettel steht sie meist als Tax oder Sales Tax in einer eigenen Zeile.

Was lohnt sich in den USA zu kaufen?

Preislich interessant sind oft Jeans, Sneaker, Outdoor-Kleidung und Markenware aus Outlet-Centern, vor allem in steuerfreien Staaten wie Oregon oder Delaware oder in Staaten mit Kleidungsbefreiung wie New Jersey. Bei Elektronik achte auf US-Netzteile, Garantie und die Einfuhrabgaben bei der Rückkehr.

Welche Länder haben welche Mehrwertsteuer?

Innerhalb der EU liegen die Normalsätze zwischen 17 Prozent in Luxemburg und 27 Prozent in Ungarn. Österreich verlangt 20 Prozent, die Schweiz 8,1 Prozent. Kanada, der direkte Nachbar der USA, hat eine bundesweite Goods and Services Tax von 5 Prozent plus Provinzsteuern. Die USA sind eines der wenigen Industrieländer ohne Mehrwertsteuer.

Muss ich bei der Ausreise etwas beachten?

Bei der Ausreise aus den USA selbst nicht, eine Erstattung gibt es nicht. Wichtig sind Kassenbelege für den deutschen Zoll, damit der Wert deiner Einkäufe nachvollziehbar ist. Liegst du über der Freimenge, gehst du in Deutschland durch den roten Ausgang.

Insidertipp: So rechnest du die Steuer im Kopf aus

Der einfachste Trick: Nimm 10 Prozent und zieh ein bisschen ab. Bei einem Preis von $50 in New York City sind 10 Prozent $5, 1 Prozent sind 50 Cent. Neun Prozent wären also $4,50, die echten 8,875 Prozent liegen knapp darunter bei $4,44. An der Kasse zahlst du $54,44.

Für Staaten um 6 Prozent rechnest du halb so viel wie 10 Prozent und legst ein Prozent drauf. Und vor großen Anschaffungen lohnt sich ein Blick über die Grenze: Wer in der Nähe von Oregon, Delaware oder New Hampshire wohnt, kauft den Fernseher oft dort. Beachte aber, dass dein Wohnstaat in solchen Fällen Use Tax verlangen kann und dass das bei Autos wegen der Zulassung ohnehin nicht klappt. Viel Freude beim Einkaufen, und lass dich vom Kassenzettel nicht mehr überraschen.

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