Maryland: Hauptstadt, Fakten, Steuern und Leben im Old Line State

Annapolis ist die Hauptstadt, Baltimore die größte Stadt, und Washington liegt gleich nebenan. Hier erfährst du, wie Maryland tickt, was das Leben dort kostet und warum die County-Einkommensteuer Deutsche überrascht.

Von Redaktion LebenInDenUSAVeröffentlicht 12 Min. Lesezeit
Maryland: Hauptstadt, Fakten, Steuern und Leben im Old Line State
Foto: Vikram Deshmukh auf Unsplash

Die Hauptstadt von Maryland ist Annapolis, eine kleine Hafenstadt mit rund 40.000 Einwohnern. Die größte Stadt ist Baltimore, und das verwechseln selbst Amerikaner aus anderen Staaten regelmäßig. Maryland ist einer der kleineren Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, wirtschaftlich aber einer der reichsten. Das liegt vor allem an der Nachbarschaft zu Washington D.C., an Bundesbehörden wie NIH und NSA und an Johns Hopkins.

Für Deutsche ist der Bundesstaat Maryland in zwei Punkten anders als erwartet. Erstens ist er auf kleiner Fläche erstaunlich vielfältig: Atlantikküste im Osten, Chesapeake Bay in der Mitte, Berge der Appalachen im Westen. Zweitens zahlst du hier nicht nur Einkommensteuer an den Staat, sondern zusätzlich an dein County. Eine Gemeinde-Einkommensteuer für Arbeitnehmer kennt das deutsche System nicht, und genau darüber stolpern viele Neuankömmlinge bei der ersten Gehaltsabrechnung.

Steckbrief: der Bundesstaat Maryland in Zahlen

Merkmal Angabe
Hauptstadt Annapolis
Größte Stadt Baltimore, rund 570.000 Einwohner (Census-Schätzung 2024)
Einwohner rund 6,2 Millionen (Census-Schätzung 2024)
Fläche 12.406 Quadratmeilen (rund 32.100 km²) inklusive Wasserflächen
Beitritt zur Union 28. April 1788, als siebter Staat
Spitznamen Old Line State, Free State
Zeitzone Eastern Standard Time, UTC-5, im Sommer UTC-4

Zum Vergleich: Die Fläche entspricht ungefähr der von Brandenburg plus Berlin, nur dass ein großer Teil davon Wasser ist.

Wo liegt Maryland auf der Karte?

Auf der Karte sieht Maryland aus wie ein zerrissenes Stück Papier. Im Norden bildet die Mason-Dixon-Linie die Grenze zu Pennsylvania, die historische Grenze zwischen Norden und Süden der USA. Im Osten liegt die Grenze zu Delaware, im Süden und Südwesten trennt der Potomac River Maryland von Virginia, im Westen schließt West Virginia an. Washington D.C. liegt als eigener Bezirk eingebettet an der Grenze zu Virginia.

Die Chesapeake Bay schneidet den Staat fast in zwei Teile. Östlich davon liegt die Eastern Shore auf der Delmarva Halbinsel, die sich Maryland mit Delaware und Virginia teilt. Hier findest du flaches Farmland, Fischerdörfer und die Atlantikküste mit Ocean City.

Ganz im Westen wird der Staat zu einem schmalen Band. Bei Hancock ist Maryland an der engsten Stelle keine zwei Meilen (rund drei Kilometer) breit. Dahinter beginnen die Berge: Der höchste Punkt, Hoye-Crest auf dem Backbone Mountain, liegt auf einer Höhe von 3.360 Fuß (1.024 Meter). Wegen dieser Mischung aus Meer, Bucht, Hügel und Bergen nennen Amerikaner den Bundesstaat gern "America in Miniature".

Wie ist das Klima in Maryland?

Das Klima hängt stark von der Region ab. Im Osten und rund um Baltimore ist es feuchtsubtropisch: Der Sommer ist heiß und schwül, im Juli liegen die Tageshöchstwerte meist um 88 °F (31 °C), dazu kommt eine Luftfeuchtigkeit, die Deutsche unterschätzen. Im Januar erreichst du tagsüber um 42 °F (6 °C), Schnee fällt im Flachland nur an wenigen Tagen.

Ganz anders der Westen. In Garrett County in den Appalachen fallen in höheren Lagen pro Winter teils über 100 Inch Schnee (gut 2,5 Meter), Skifahren ist am Wisp Resort möglich. Wer aus Baltimore drei Stunden nach Westen fährt, landet klimatisch in einer anderen Welt.

Unbequem, aber wichtig: Im Spätsommer und Herbst ziehen Ausläufer von Hurrikanen über die Region, mit Starkregen und Überschwemmungen, besonders an der Küste und in Ellicott City, das in den letzten Jahren mehrfach überflutet wurde. Prüfe vor einem Hauskauf die Flood-Zone, also die amtliche Hochwasserzone. Die beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober.

Was macht die Chesapeake Bay so besonders?

Die Chesapeake Bay ist die größte Flussmündung der Vereinigten Staaten, rund 200 Meilen (320 Kilometer) lang. Für Maryland ist sie Identität, Speisekarte und Freizeitprogramm in einem. Die Chesapeake Bay Bridge bei Annapolis ist mit rund 4,3 Meilen (6,9 Kilometer) eine der bekanntesten Brücken des Landes und an Sommerwochenenden das Nadelöhr Richtung Strand.

Das kulinarische Markenzeichen sind Blue Crabs, die Blaukrabben der Bucht. Hier gibt es ein deutsches Missverständnis: Krabben sind bei uns die kleinen Nordseegarnelen fürs Brötchen. In Maryland bekommst du ganze, mit Old Bay gewürzte Krebse, die du auf Zeitungspapier mit Holzhammer und Messer selbst knackst. Ein Crab Feast, das Krabbenessen mit Freunden, dauert Stunden und ist eine soziale Veranstaltung.

Die Saison läuft grob von April bis in den Spätherbst, am besten sind die Tiere im Spätsommer. Wer nicht knacken will, bestellt Crab Cakes, Frikadellen aus Krabbenfleisch. Der Preis für ein Dutzend große Krabben schwankt stark mit Saison und Fang. Rechne in guten Restaurants mit einem dreistelligen Betrag für eine Runde.

Warum heißt Maryland Old Line State und Free State?

Der Name Old Line State geht auf die Truppen der Maryland Line im Unabhängigkeitskrieg zurück. Laut Überlieferung lobte George Washington diese regulären Einheiten für ihre Verlässlichkeit, etwa bei der Schlacht von Long Island 1776, als die sogenannten Maryland 400 den Rückzug der Armee deckten. Daher kommt der Spitzname Old Line State bis heute.

Der Name Free State ist jünger. Er stammt aus dem Jahr 1923, als ein Redakteur der Baltimore Sun Maryland so nannte, weil der Bundesstaat sich weigerte, die Prohibition mit eigenen Landesgesetzen durchzusetzen. Free State ist damit eher ein Bekenntnis zu Eigensinn als zu Freiheit im politischen Sinn.

Beide Namen begegnen dir im Alltag, auf Firmenschildern, bei Sportvereinen und in der Werbung. Wer den Staat verstehen will, merkt sich: Old Line State steht für Revolution und Geschichte, Free State für Bier und Widerspruchsgeist.

Wie ist die Geschichte von Maryland in Kürze?

1634 landeten englische Siedler mit den Schiffen Ark und Dove am Potomac River. Gegründet wurde die Kolonie von der Familie Calvert, den Lords Baltimore, als Zufluchtsort für Katholiken. Der Maryland Toleration Act von 1649 gilt als eines der frühen Gesetze zur Religionsfreiheit in Nordamerika.

Annapolis war 1783 und 1784 kurzzeitig Hauptstadt der jungen Vereinigten Staaten. Im State House, dem ältesten noch genutzten Parlamentsgebäude des Landes, wurde 1784 der Frieden von Paris ratifiziert. 1814 hielt Fort McHenry in Baltimore dem britischen Beschuss stand, Francis Scott Key schrieb dabei den Text der heutigen Nationalhymne.

Im Bürgerkrieg war Maryland ein Sklavenstaat, der in der Union blieb. Die Schlachtfelder von Antietam bei Sharpsburg erinnern an den blutigsten Einzeltag der amerikanischen Geschichte im September 1862. Die Sklaverei schaffte Maryland 1864 mit einer neuen Verfassung ab.

Wovon lebt Maryland?

Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist Washington. Im Bundesstaat sitzen zentrale Bundesbehörden: die National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, die National Security Agency (NSA) in Fort Meade, die Food and Drug Administration in Silver Spring, die Social Security Administration in Woodlawn und das Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt. Rüstungs- und Raumfahrtkonzerne wie Lockheed Martin mit Sitz in Bethesda hängen daran.

Der zweite Pfeiler ist Gesundheit und Biotech. Johns Hopkins ist der größte private Arbeitgeber im Staat, entlang der Interstate 270 hat sich ein Biotech-Korridor gebildet. Dazu kommt der Hafen Baltimore, der in den USA beim Umschlag von Autos und Landmaschinen zu den wichtigsten zählt. Nach dem Einsturz der Francis Scott Key Bridge im März 2024 war der Hafen wochenlang blockiert, der Neubau der Brücke läuft und soll in den späten 2020er Jahren fertig werden.

Unbequem ist die Abhängigkeit vom Bund. Der Stellenabbau in Bundesbehörden seit 2025 hat Maryland stärker getroffen als die meisten Staaten, auch bei Zulieferern und Beratungsfirmen. Wer hier einen Job annimmt, sollte wissen, ob er direkt oder indirekt an Bundesgeldern hängt.

Ist Maryland teuer?

Kurz: ja, regional sehr unterschiedlich. Das mittlere Haushaltseinkommen gehört zu den höchsten der USA, die Preise folgen. Am teuersten sind die D.C.-nahen Counties Montgomery und Howard sowie Annapolis. Baltimore und der ländliche Westen sind deutlich günstiger, ein Reihenhaus in Baltimore kostet oft einen Bruchteil eines Hauses in Bethesda.

Die Sales Tax, also die Umsatzsteuer, liegt landesweit bei 6 Prozent, ohne zusätzliche lokale Aufschläge (Stand 2026). Für Alkohol gilt ein höherer Satz. Wie überall in den Vereinigten Staaten kommt die Steuer erst an der Kasse dazu, nicht schon auf das Preisschild.

Eine Besonderheit mit Gewicht: Maryland erhebt als einziger Bundesstaat sowohl eine Estate Tax, also Nachlasssteuer, als auch eine Inheritance Tax, eine Erbschaftssteuer beim Erben. Ehepartner, Kinder, Eltern und Geschwister sind von der Inheritance Tax befreit, andere Erben zahlen in der Regel 10 Prozent. Für Einzelfälle gehört das zu einem Steuerberater, nicht in einen Blogartikel.

Wie funktioniert die Einkommensteuer in Maryland?

Maryland besteuert Einkommen progressiv mit Sätzen von 2 bis 6,5 Prozent. Die beiden obersten Stufen von 6,25 und 6,5 Prozent für Einkommen über 500.000 beziehungsweise einer Million Dollar gelten seit dem Steuerjahr 2025. Die meisten Arbeitnehmer landen im Bereich von 4,75 bis 5,75 Prozent.

Dazu kommt die Local Income Tax, die County-Einkommensteuer. Jedes County und Baltimore City legen ihren Satz selbst fest, er liegt je nach Wohnort zwischen 2,25 und 3,3 Prozent (Stand 2026). Sie wird über dieselbe Steuererklärung beim Comptroller of Maryland abgerechnet, nicht separat beim County.

Zusammen ergibt das für viele Haushalte einen Grenzsteuersatz von rund acht bis neun Prozent auf Staats- und Lokalebene, zusätzlich zur Bundessteuer. In Deutschland zahlst du als Arbeitnehmer keine Steuer an deine Gemeinde, deshalb fehlt dieser Posten in vielen mitgebrachten Gehaltsrechnungen.

Die aktuellen County-Sätze stehen auf marylandtaxes.gov, sie können sich jährlich ändern. Wer in Virginia wohnt und in Maryland arbeitet oder umgekehrt, sollte die Gegenseitigkeitsregeln mit einem Fachmann prüfen.

Baltimore oder D.C.-Vororte: wo lebt es sich wie?

Baltimore ist eine alte Hafen- und Industriestadt mit Backstein-Reihenhäusern, eigenen Vierteln wie Fells Point, Federal Hill oder Canton und einer direkten Art. Man nennt dich "Hon", die Aussprache des Stadtnamens klingt eher wie "Bawlmer". Wohnen ist vergleichsweise günstig, Kultur und Restaurants sind gut. Die Kriminalität ist seit 2023 deutlich gesunken, liegt aber weiter über dem Schnitt, und sie unterscheidet sich stark von Block zu Block.

Die Vororte von D.C., also Bethesda, Rockville, Silver Spring oder Gaithersburg, sind international, gebildet und teuer. Hier leben viele Regierungsangestellte, Diplomaten und Forscher, der Ton ist eher Washington als Maryland. Pendeln läuft über die Metro, die mit mehreren Linien ins Umland reicht, und über den Beltway, der zur Rushhour verstopft ist.

Zwischen beiden liegen Howard und Anne Arundel County, beliebt bei Familien, die mit dem MARC-Zug nach Baltimore oder D.C. pendeln. Wer Kinder hat, schaut in Maryland zuerst auf den School District, weil die Schulqualität stark am County hängt.

Welche deutschen Spuren gibt es in Maryland?

Zwischen 1868 und dem Ersten Weltkrieg war Baltimore nach New York einer der wichtigsten Einwanderungshäfen für Deutsche. Der Norddeutsche Lloyd brachte Auswanderer aus Bremen direkt an den Pier in Locust Point, wo die B&O Railroad sie gleich weiter nach Westen transportierte. Über eine Million Menschen kamen so ins Land.

Schon früher siedelten Deutsche aus Pennsylvania im Westen. Rund um Frederick ließen sich ab den 1740er Jahren deutsche Bauern nieder, Hagerstown wurde von Jonathan Hager gegründet, einem Einwanderer aus der Gegend um Siegen. Die German Society of Maryland in Baltimore gibt es seit 1783.

Weitere Spuren: Old Bay, das Gewürz auf jeder Krabbe, erfand 1939 der aus Deutschland geflohene Gustav Brunn. Die German Street in Baltimore wurde 1918 im Ersten Weltkrieg in Redwood Street umbenannt. Für Pass und Konsularfragen ist für Maryland die Deutsche Botschaft in Washington zuständig, ein kurzer Weg im Vergleich zu vielen anderen Staaten.

Welche Sehenswürdigkeiten und Outdoor Aktivitäten lohnen sich?

Die städtischen Highlights sind schnell genannt: Inner Harbor und Fort McHenry in Baltimore, das historische Zentrum von Annapolis mit der Naval Academy, der 1845 gegründeten Marineakademie, deren Gelände Besucher mit Ausweis besichtigen können. Bei Antietam lohnt ein halber Tag auf dem Schlachtfeld.

Assateague State Park und die Atlantikküste

Am Atlantik ist Ocean City das klassische Sommerziel mit Boardwalk und Pommes. Ruhiger ist Assateague Island südlich davon, mit dem Assateague State Park und der National Seashore. Hier laufen wilde Pferde über den Strand. Füttern ist verboten, und die Tiere beißen tatsächlich.

Cunningham Falls State Park und die Berge im Westen

Bei Thurmont liegt der Cunningham Falls State Park mit dem größten Kaskadenwasserfall des Staates. Weiter westlich ist Deep Creek Lake, der größte See Marylands, das Ziel für Boot, Wandern und im Winter Ski. Am Potomac lockt Great Falls mit dem C&O Canal Towpath für Radtouren. Diese Naturparks sind die Highlights für alle, die Natur statt Stadt suchen.

Insidertipp

Fahr nicht am Freitagnachmittag im Sommer über die Chesapeake Bay Bridge Richtung Ocean City. Die Staus sind legendär, und die Brücke ist für Menschen mit Höhenangst eine Prüfung. Wer früh am Samstagmorgen startet oder unter der Woche fährt, spart oft Stunden. Für Krabben gilt: Frag im Restaurant, ob die Tiere aus der Chesapeake Bay stammen. Ein Teil der servierten Blue Crabs wird aus anderen Staaten oder dem Golf zugekauft, und Einheimische achten genau darauf.

FAQ: Häufige Fragen zum Bundesstaat Maryland

Was ist die Hauptstadt von Maryland?

Die Hauptstadt ist Annapolis an der Chesapeake Bay, nicht Baltimore. Annapolis ist seit 1694 Sitz der Regierung und mit rund 40.000 Einwohnern eine der kleinsten Hauptstädte der USA.

Welche Sprache spricht man in Maryland?

Englisch. Eine offizielle Amtssprache auf Staatsebene gibt es nicht, einige Counties haben Englisch aber zur Amtssprache erklärt. Spanisch ist die zweithäufigste der Sprachen im Alltag, vor allem in Montgomery und Prince George's County. Die Aussprache des Namens ist übrigens "Merr-i-land", Einheimische sagen eher "Murr-land".

Wie heißt die größte Stadt in Maryland?

Baltimore, mit rund 570.000 Einwohnern. Im Großraum leben über 2,8 Millionen Menschen.

Was ist besonders an Maryland?

Die Nähe zu Washington, die Chesapeake Bay mit ihren Blue Crabs und die Vielfalt der Landschaften auf kleiner Fläche. Kurios: Der offizielle Staatssport ist Ritterturnier-Reiten, Jousting, die Mannschaftssportart Lacrosse.

Wie ist das Klima in Maryland?

Im Osten heiß und schwül im Sommer, mild im Winter. In den Bergen im Westen sind die Winter schneereich und kalt.

Maryland ist kein Staat, den man auf den ersten Blick versteht, weil er zwischen Norden und Süden, Hafen und Bergen, Regierung und Fischerdörfern hin und her springt. Genau das macht ihn für Deutsche reizvoll, die Abwechslung auf kurzen Wegen suchen. Plane die County-Steuer von Anfang an ein, such dir das County nach Schule und Arbeitsweg aus, und dann bleibt nur noch, beim ersten Crab Feast den Holzhammer richtig zu halten. Viel Spaß im Old Line State.

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