US Staatsbürgerschaft abgeben: Ablauf, Kosten, Exit Tax und was Accidental Americans wissen müssen (Stand 2026)
Wer die US-Staatsbürgerschaft aufgeben will, braucht einen Termin am Konsulat, eine zweite Staatsangehörigkeit und saubere Steuererklärungen. So läuft die Renunciation ab und so vermeidest du teure Fehler bei der Exit Tax.

Die US Staatsbürgerschaft abgeben kannst du nur persönlich. Du brauchst einen Termin an einer US-Botschaft oder einem Konsulat im Ausland, sprichst dort einen Eid vor einem Konsularbeamten und zahlst eine Gebühr. Danach stellt das Außenministerium in Washington das Certificate of Loss of Nationality aus, und erst dann ist der Verzicht amtlich. Steuerlich bist du damit nicht automatisch raus: Der IRS will die Steuererklärungen der letzten Jahre sehen und verlangt in manchen Fällen eine Exit Tax.
Für uns Deutsche ist das doppelt ungewohnt. In Deutschland hängt die Steuerpflicht am Wohnsitz, nicht am Pass. Die USA besteuern ihre Bürger dagegen auf ihr Welteinkommen, egal wo sie leben. Wer in den USA geboren ist und seit dem Kindergarten in Deutschland wohnt, ist trotzdem US-Bürger mit allen Pflichten. Genau diese Menschen, die Accidental Americans, stehen bei diesem Thema meist vor der größten Entscheidung.
Wer gibt die US-Staatsbürgerschaft ab und warum?
Die US-Staatsbürgerschaft gibt man selten aus einer Laune heraus ab. In der Regel stecken zwei Gruppen dahinter.
Die erste Gruppe sind Rückkehrer: Deutsche, die in den USA eingebürgert wurden, inzwischen wieder dauerhaft in Deutschland leben und keine US-Steuererklärung mehr abgeben wollen, nur weil sie einen amerikanischen Pass besitzen.
Die zweite und größere Gruppe sind Accidental Americans, also "zufällige Amerikaner". Das sind Menschen, die durch Geburt in den USA oder durch einen amerikanischen Elternteil automatisch US-Staatsbürger wurden, aber nie dort gelebt haben. Viele erfahren davon erst, wenn die Hausbank fragt.
Der Grund ist FATCA, das US-Gesetz, das ausländische Banken verpflichtet, Konten von US-Personen an den IRS (die US-Steuerbehörde) zu melden. Deutsche Banken verlangen deshalb eine US-Steuernummer, und wer keine Social Security Number (die US-Sozialversicherungsnummer) hat, bekommt unter anderem Probleme beim Depot, bei der Baufinanzierung oder beim neuen Konto. Dazu kommt die Pflicht zur jährlichen FBAR-Meldung, dem Report of Foreign Bank and Financial Accounts, sobald alle Auslandskonten zusammen irgendwann im Jahr mehr als $10.000 enthalten.
Unbequem, aber wahr: Die Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft löst diese Probleme nur für die Zukunft. Für die Vergangenheit musst du erst Ordnung schaffen.
Welche zweite Staatsangehörigkeit brauchst du vorher?
Technisch verlangt das U.S. Department of State keine zweite Staatsangehörigkeit. Das Außenministerium warnt aber ausdrücklich: Wer ohne andere Staatsangehörigkeit verzichtet, wird staatenlos und verliert damit praktisch das Recht, sich in irgendeinem Land der Welt dauerhaft aufzuhalten oder zu reisen.
Für die meisten Leser ist das kein Problem. Wer ein deutsches Elternteil hat, ist in der Regel seit der Geburt Deutscher. Seit dem 27. Juni 2024 erlaubt Deutschland außerdem grundsätzlich die doppelte Staatsbürgerschaft, sodass auch Eingebürgerte ihren deutschen Pass in vielen Fällen behalten konnten. Prüfe trotzdem, ob dein deutscher Reisepass oder Personalausweis gültig ist, bevor du einen Termin buchst.
Wichtig für die Zeit danach: Mit dem Verzicht wirst du für die USA Ausländer. Die Einreise läuft dann über ESTA oder ein Visum, wie bei jedem anderen deutschen Staatsangehörigen. Dazu mehr weiter unten.
Renunciation oder Relinquishment: Was ist der Unterschied?
Das US-Recht kennt zwei Wege, die Staatsbürgerschaft zu verlieren.
Renunciation ist der ausdrückliche Verzicht durch Eid. Das ist der Weg, den fast alle Accidental Americans und Rückkehrer gehen. Er ist nur im Ausland möglich, also nicht in den USA selbst, und nur persönlich vor einem Konsularbeamten.
Relinquishment bedeutet den Verlust durch bestimmte Handlungen, die das Gesetz aufzählt. Dazu gehören unter anderem die Einbürgerung in einem anderen Staat, ein Treueeid auf einen anderen Staat oder bestimmte Tätigkeiten im Dienst einer ausländischen Regierung. Entscheidend ist dabei die Absicht: Die Handlung führt nur dann zum Verlust, wenn du sie freiwillig und mit dem Ziel vorgenommen hast, die US-Staatsbürgerschaft aufzugeben. Wer sich vor Jahren in Deutschland einbürgern ließ, ohne diese Absicht zu haben, ist also in der Regel weiterhin US-Bürger.
Auch ein Relinquishment wird nur wirksam dokumentiert, wenn das Konsulat den Fall prüft und Washington ein Certificate of Loss of Nationality ausstellt. Für den IRS zählt am Ende genau dieses Dokument.
Wie läuft die Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft am Konsulat ab?
Der Ablauf ist in allen Ländern ähnlich. In Deutschland nehmen nicht alle US-Vertretungen solche Termine an. Welche Botschaft oder welches Konsulat zuständig ist und wie du den Termin anfragst, steht auf de.usembassy.gov unter den Leistungen für US-Bürger.
- Termin anfragen. In der Regel schreibst du per E-Mail oder über ein Online-Formular an die Abteilung für American Citizen Services. Manche Vertretungen schicken dir vorab die Formulare.
- Formulare vorbereiten. DS 4079 ist ein Fragebogen zu deiner Staatsbürgerschaft und deinen Gründen. DS-4080 ist der Eid, den du beim Termin unterschreibst. DS-4081 ist die Erklärung, dass du die Folgen verstanden hast. Unterschreibe DS-4080 und DS-4081 erst vor dem Beamten.
- Unterlagen mitbringen. Deinen US-Pass, falls vorhanden, auch abgelaufen, deinen deutschen Reisepass, die Geburtsurkunde und, wenn du eingebürgert wurdest, die Einbürgerungsurkunde.
- Belehrung. Der Konsularbeamte erklärt dir die Folgen, prüft, ob du freiwillig handelst, und vergewissert sich, dass du verstehst, was du tust. Manche Vertretungen verlangen dafür zwei getrennte Termine mit Bedenkzeit.
- Eid und Gebühr. Du sprichst den Verzichtseid, unterschreibst und zahlst. Deinen US-Pass gibst du ab, er wird entwertet.
- Genehmigung in Washington. Das Konsulat schickt die Akte an das Außenministerium. Nach der Genehmigung bekommst du das Certificate of Loss of Nationality, auch CLN genannt, mit deinem ursprünglichen Pass per Post oder zur Abholung.
Der Verlust gilt rückwirkend ab dem Tag des Eids. Bis das Certificate of Loss bei dir ankommt, vergehen aber oft Monate.
Was kostet es, die US-Staatsbürgerschaft abzugeben, und wie lange dauert es?
Die Gebühr für die Bearbeitung eines Certificate of Loss of Nationality lag seit 2015 bei $2.350, egal ob Renunciation oder Relinquishment. Das Außenministerium hat 2023 vorgeschlagen, die Gebühr auf $450 zu senken. Welcher Betrag an deinem Termin gilt, steht in der aktuellen Gebührentabelle auf travel.state.gov. Prüfe sie unmittelbar vor dem Termin, denn Gebühren ändern sich und werden nicht erstattet, wenn du es dir anders überlegst (Stand November 2026).
Dazu kommen Kosten, die mit dem Konsulat nichts zu tun haben. Wer mehrere Jahre US-Steuererklärungen nachholen muss, braucht in der Regel einen auf US-Steuern spezialisierten Berater. Rechne dafür mit einem vierstelligen Betrag, je nach Zahl der Jahre und Umfang deines Vermögens auch mehr.
Bei der Dauer gibt es zwei Wartephasen. Die erste ist der Termin selbst: An vielen Vertretungen weltweit warten Antragsteller mehrere Monate, an manchen länger. Die zweite ist die Genehmigung in Washington, die ebenfalls Monate dauern kann. Plane insgesamt eher ein Jahr als ein Quartal ein und rechne nicht mit einem verbindlichen Datum.
Welche Steuererklärungen musst du vor der Abgabe nachholen?
Hier passiert der teuerste Fehler. Viele glauben, mit dem Eid sei alles erledigt. Für das Steuersystem der USA bist du aber erst dann sauber raus, wenn du auf Form 8854 bestätigst, dass du die US-Steuerpflicht der letzten fünf Jahre erfüllt hast. Wer das nicht kann, gilt automatisch als Covered Expatriate, und das kann teuer werden.
Konkret brauchst du:
- die Steuererklärung für das Jahr deiner Expatriation, meist als Dual-Status-Erklärung, mit Form 8854 als Anlage
- die Steuererklärungen der fünf Jahre davor
- die FBAR-Meldungen für die betroffenen Jahre
Für Accidental Americans, die nie etwas eingereicht haben, gibt es seit 2019 die Relief Procedures for Certain Former Citizens des IRS. Sie gelten unter anderem für Menschen mit einem Vermögen unter $2 Millionen und einer gesamten US-Steuerlast von höchstens $25.000 über die betroffenen sechs Jahre. Wer die Bedingungen erfüllt, reicht die Erklärungen nach und zahlt in der Regel weder Steuern noch Strafen. Wer dagegen US-Bürger bleiben will, kann über die Streamlined Foreign Offshore Procedures drei Jahre Steuererklärung und sechs Jahre FBAR nachholen. Beide Programme mit allen Voraussetzungen beschreibt der IRS auf irs.gov.
Ohne Social Security Number geht das nicht. Wer keine hat, beantragt sie zuerst über die Federal Benefits Unit, die für Deutschland zuständig ist. Die Informationen dazu stehen auf ssa.gov. Ob dein Fall unter eines der Programme fällt, klärst du mit einer Beratung durch einen US-Steuerfachmann.
Wann bist du Covered Expatriate und was bedeutet die Exit Tax?
Covered Expatriate wirst du, wenn am Tag der Expatriation einer von drei Tests zutrifft:
- Dein weltweites Nettovermögen beträgt $2 Millionen oder mehr. Diese Grenze ist nicht an die Inflation gekoppelt.
- Deine durchschnittliche jährliche US-Einkommensteuer der letzten fünf Jahre liegt über einer jährlich angepassten Grenze, für 2025 waren das $206.000.
- Du kannst auf Form 8854 nicht bestätigen, dass du die letzten fünf Jahre steuerlich in Ordnung warst.
Für Accidental Americans gibt es eine wichtige Ausnahme. Wer seit der Geburt Doppelstaatler ist, die andere Staatsangehörigkeit noch besitzt, dort steuerlich ansässig ist und in den letzten 15 Jahren höchstens zehn Jahre in den USA gewohnt hat, fällt nicht unter die ersten beiden Tests. Der dritte gilt trotzdem. Ohne saubere Steuererklärungen hilft dir die Ausnahme also nichts.
Die Exit Tax regeln die Abschnitte 877A des US-Steuerrechts. Für Covered Expatriates wird so getan, als hättest du am Tag vor der Expatriation dein gesamtes weltweites Vermögen zum Marktwert verkauft. Der fiktive Veräußerungsgewinn wird versteuert, soweit er einen Freibetrag übersteigt, für 2025 waren das $890.000. Für Altersvorsorge wie eine IRA oder einen 401(k) gelten Sonderregeln. Die aktuellen Grenzwerte stehen in den Instructions zu Form 8854 auf irs.gov.
Eine Folge wird oft übersehen: Schenkst oder vererbst du als Covered Expatriate später etwas an US-Personen, zahlt der Empfänger in den USA eine Steuer zum Höchstsatz, derzeit 40 Prozent, auf den Teil über dem jährlichen Freibetrag. Wenn deine Kinder in den USA leben, spielt das für deine Entscheidung eine große Rolle.
Wie reist du nach der Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft in die USA ein?
Nach dem Verzicht reist du wie jeder andere Deutsche ein: mit deutschem Reisepass und ESTA oder mit Visum. Die ESTA-Gebühr liegt seit dem 30. September 2025 bei $40.
Im ESTA-Antrag wirst du nach früheren Staatsangehörigkeiten gefragt. Gib die US-Staatsbürgerschaft dort wahrheitsgemäß an. Solange dein Certificate of Loss noch nicht da ist, kann es zu Rückfragen kommen, denn die Systeme der Grenzbehörde kennen dich womöglich noch als Amerikaner. Nimm bei den ersten Reisen eine Kopie des CLN mit.
Der Unterschied zu früher ist spürbar: Kein Anstehen mehr in der Schlange für US-Bürger, die ESTA-Grenze von 90 Tagen pro Aufenthalt gilt, und ein dauerhafter Aufenthalt oder eine Arbeit in den USA braucht ein Visum.
Welche Fehler passieren bei der Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft am häufigsten?
Der erste Fehler ist die Reihenfolge. Wer den Termin am Konsulat wahrnimmt, ohne die Steuererklärungen vorbereitet zu haben, riskiert den Status als Covered Expatriate. Für das Versäumnis, Form 8854 abzugeben, droht außerdem eine Strafe von $10.000.
Der zweite Fehler ist die Verwechslung mit der Green Card. Inhaber einer Green Card sind keine Staatsbürger. Sie geben ihren Status nicht am Konsulat per Eid ab, sondern mit dem Formular I-407 der Einwanderungsbehörde USCIS. Aber auch hier gilt: Wer in mindestens acht der letzten 15 Jahre eine Green Card hatte, gilt als Long-Term Resident und unterliegt ebenfalls den Regeln für Expatriation und Exit Tax.
Der dritte Fehler ist die Annahme, das Konto sei nach dem Termin sofort FATCA-frei. Die Bank stuft dich erst um, wenn du das Certificate of Loss of Nationality vorlegst.
Insidertipp: Bewahre das Certificate of Loss wie eine Geburtsurkunde auf
Das CLN ist für den Rest deines Lebens der einzige Beweis, dass du kein US-Bürger mehr bist. Banken, Versicherungen und der Grenzschutz verlangen es teils noch Jahre später. Scanne es sofort, lege das Original zu deinen wichtigsten Dokumenten und schicke deiner Bank eine Kopie mit der Bitte, deinen FATCA-Status zu ändern. Wichtig: Steuerlich bist du für das Jahr der Expatriation noch einmal erklärungspflichtig. Die letzte Steuererklärung samt Form 8854 reichst du also im Folgejahr ein, auch wenn du dann schon kein Amerikaner mehr bist.
Häufige Fragen zur Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft
Kann ich die Aufgabe rückgängig machen?
Nein. Die Renunciation ist endgültig. Wer später wieder Amerikaner werden will, muss wie jeder Ausländer einwandern, eine Green Card bekommen und sich einbürgern lassen.
Brauche ich einen Anwalt?
Für den Termin am Konsulat ist kein Anwalt vorgeschrieben. Bei den Steuerfolgen sieht es anders aus: Die richtige Erklärung im Jahr der Expatriation, Form 8854 und die Frage der Exit Tax sind kein Feld für Selbstversuche. Hilfe holst du dir bei einem auf US-Steuern spezialisierten Steuerberater.
Muss ich mit doppelter US-Staatsbürgerschaft eine Steuererklärung abgeben?
Ja, wenn dein Einkommen über der Grenze für die Erklärungspflicht liegt. Durch den Foreign Tax Credit und die Foreign Earned Income Exclusion entsteht dabei oft keine US-Steuer. Die Pflicht zur Abgabe und zur FBAR-Meldung bleibt aber bestehen, solange du Amerikaner bist.
Wie kann ich meinen amerikanischen Pass abgeben?
Nur beim persönlichen Termin. Wer den Pass einfach zurückschickt oder ablaufen lässt, bleibt US-Bürger. Der Pass wird beim Termin entwertet und mit dem CLN zurückgegeben.
Was ist mit meinen Kindern?
Deine Kinder behalten ihre US-Staatsbürgerschaft. Deren Aufgabe ist eine eigene Entscheidung, und für Minderjährige gelten strenge Hürden.
Wer den Verzicht ernsthaft plant, sollte mit den Steuererklärungen beginnen, nicht mit dem Termin. Wenn die letzten Jahre geordnet sind, ist der Rest Formsache und eine Frage der Geduld. Ich wünsche dir einen ruhigen Termin und eine Bank, die das CLN beim ersten Mal akzeptiert.