Mindestlohn USA 2026: Wie viel US Dollar pro Stunde in welchem Bundesstaat gelten

Der Mindestlohn in den USA liegt bundesweit bei 7,25 Dollar, in Washington oder Seattle aber mehr als doppelt so hoch. Hier findest du alle Bundesstaaten, die Regeln für Kellner und den ehrlichen Vergleich mit Deutschland.

Von Redaktion LebenInDenUSAVeröffentlicht 20 Min. Lesezeit
Mindestlohn USA 2026: Wie viel US Dollar pro Stunde in welchem Bundesstaat gelten
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Der Mindestlohn in den USA liegt auf Bundesebene bei 7,25 US Dollar pro Stunde, und zwar unverändert seit Juli 2009. Gezahlt wird er trotzdem nur noch in einem Teil des Landes, denn 30 Bundesstaaten und Washington, D.C. haben eigene, höhere Werte. Dazu kommen Städte wie Seattle mit über 21 Dollar oder Denver mit über 19 Dollar. Wer den Mindestlohn USA verstehen will, braucht deshalb immer zwei Angaben: wo du arbeitest und in welcher Branche.

Für uns Deutsche ist das ungewohnt. Bei uns gibt es einen einzigen gesetzlichen Mindestlohn für das ganze Land, festgelegt im Mindestlohngesetz und seit Januar 2026 bei 13,90 Euro. In den USA gilt dagegen immer der höchste Wert, der an deinem Arbeitsort greift: Bund, Staat, County oder Stadt. Hinzu kommen Sonderregeln für Kellner, Jugendliche und Angestellte mit festem Gehalt, die das Bild noch bunter machen. Und am Ende entscheidet nicht der Stundenlohn allein, sondern das, was nach Abzügen, ohne Lohnfortzahlung und ohne gesetzlichen Urlaub übrig bleibt.

Wie hoch ist der Mindestlohn in den USA 2026?

Die kurze Antwort lautet 7,25 Dollar. Die ehrliche Antwort lautet: je nach Ort zwischen 7,25 und gut 21 Dollar. Die Spanne ist größer als in jedem anderen Industrieland, und sie wächst jedes Jahr, weil die teuren Bundesstaaten regelmäßig erhöhen und der Bund nicht.

Federal Minimum Wage: 7,25 US Dollar seit 2009

Die Federal Minimum Wage, also der bundesweite Mindestlohn, stammt aus dem Fair Labor Standards Act von 1938, kurz FLSA. Damals lag er bei 25 Cent. Die letzte Erhöhung kam mit dem Fair Minimum Wage Act von 2007, der den Wert in drei Stufen anhob: auf 5,85 Dollar, dann 6,55 Dollar und am 24. Juli 2009 auf 7,25 Dollar.

Seitdem ist nichts passiert. Das ist die längste Phase ohne Erhöhung, seit es den Mindestlohn in den USA gibt. Bei einer Vollzeitstelle mit 40 Stunden ergibt das ein Einkommen von rund 15.080 Dollar im Jahr vor Steuern.

Weil die Preise seit 2009 kräftig gestiegen sind, hat der Bundeswert real etwa ein Drittel seiner Kaufkraft verloren. Wer die Entwicklung sehen will, findet bei der Federal Reserve Bank of St. Louis in der Datenbank FRED einen Chart, der den nominalen und den inflationsbereinigten Wert seit 1938 zeigt. Die Kurve des realen Werts zeigt seit 2009 fast nur nach unten.

Welcher Mindestlohn gilt, wenn Bund, Staat und Stadt verschiedene Werte haben?

Die Regel ist einfacher, als sie klingt: Es gilt immer der höchste Wert, der für deinen Arbeitsplatz zutrifft. Arbeitest du in Seattle, zählt der Stadtlohn, nicht der Staatslohn von Washington und schon gar nicht der Bundeswert. Arbeitest du in Texas, gilt der Bundeswert, weil Texas keinen höheren hat.

Entscheidend ist der Arbeitsort, nicht der Wohnort. Wer in einem Vorort ohne eigenen Lohn wohnt und in der Stadt arbeitet, bekommt den Stadtlohn. Das ist für Deutsche die erste Falle, weil wir gewohnt sind, dass es eine zuständige Stelle und eine Zahl gibt. Hier gibt es bis zu drei Ebenen mit eigenen Mindestlohnbestimmungen.

Warum ist der Mindestlohn in jedem Bundesstaat anders?

Der Grund liegt im amerikanischen Föderalismus. Der Bund setzt mit dem FLSA eine Untergrenze, und die Bundesstaaten dürfen darüber hinausgehen, aber nicht darunter. In vielen Staaten dürfen außerdem Städte und Counties eigene Mindestlöhne festlegen. Andere Staaten verbieten das per Gesetz, Texas zum Beispiel.

Dazu kommen die riesigen Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten. Eine Wohnung in San Francisco kostet ein Vielfaches dessen, was du in Mississippi zahlst. Die Befürworter regionaler Mindestlöhne argumentieren genau damit: Ein Wert für das ganze Land wäre für Kalifornien zu niedrig und für ländliche Regionen im Süden zu hoch. Wie stark sich die Preise unterscheiden, zeigt unser Artikel zu den Lebenshaltungskosten USA 2026.

Wie Demokraten und Republikaner im Kongress um den Bundeswert streiten

Eine Erhöhung des Bundeswerts braucht ein Gesetz, das Repräsentantenhaus und Senat passiert. Daran scheitert sie seit Jahren. Die Demokraten haben mit dem Raise the Wage Act mehrfach eine schrittweise Anhebung auf 15 Dollar und später 17 Dollar vorgeschlagen. Im März 2021 stimmte der Senat über einen Antrag für 15 Dollar ab, er bekam aber nur 42 Stimmen bei 58 Gegenstimmen, darunter auch einige Demokraten.

Die Republikaner lehnen eine bundesweite Erhöhung mehrheitlich ab und verweisen auf die Rechte der Bundesstaaten. Ganz geschlossen ist die Front nicht: 2025 brachte der republikanische Senator Josh Hawley gemeinsam mit einem Demokraten einen Entwurf für 15 Dollar ein. Eine Mehrheit hat sich bis Oktober 2026 nicht gefunden. Die Bundesregierung kann den Mindestlohn nicht per Verordnung anheben, anders als in Deutschland.

Wie Bürger per Volksabstimmung höhere Löhne durchsetzen

Weil der Kongress blockiert, läuft die Entwicklung über die Bundesstaaten. Ein großer Teil der Erhöhungen kam per Ballot Initiative, also Volksabstimmung. Florida stimmte 2020 für eine stufenweise Anhebung auf 15 Dollar, Nebraska 2022 ebenfalls, Missouri und Alaska folgten 2024.

Interessant: Solche Abstimmungen gewinnen auch in Staaten, die bei Präsidentschaftswahlen klar republikanisch wählen. Umgekehrt scheitern sie manchmal in liberalen Staaten. In Kalifornien fiel 2024 der Vorschlag für 18 Dollar knapp durch. In Missouri hat das Parlament 2025 die automatischen Anpassungen, die die Wähler beschlossen hatten, nachträglich wieder gestrichen. Der Wille der Wähler ist also nicht das letzte Wort.

Mindestlohn in allen Bundesstaaten: die Tabelle mit Stand Oktober 2026

Die folgende Übersicht zeigt den allgemeinen Mindestlohn je Bundesstaat und die wichtigsten Städte. Wo ein Staat zur Jahresmitte oder im Herbst anpasst, steht das dabei. Für Sonderfälle wie Kleinbetriebe, Jugendliche oder einzelne Branchen gibt es in vielen Staaten abweichende Werte. Die verbindliche, laufend aktualisierte Übersicht führt das US-Arbeitsministerium auf dol.gov.

Bundesstaat Mindestlohn pro Stunde (Stand Oktober 2026) Besonderheit
Alabama 7,25 $ kein eigener Mindestlohn, Bundeswert gilt
Louisiana 7,25 $ kein eigener Mindestlohn, Bundeswert gilt
Mississippi 7,25 $ kein eigener Mindestlohn, Bundeswert gilt
South Carolina 7,25 $ kein eigener Mindestlohn, Bundeswert gilt
Tennessee 7,25 $ kein eigener Mindestlohn, Bundeswert gilt
Georgia 7,25 $ Landeswert 5,15 $, gilt nur für Betriebe außerhalb des FLSA
Wyoming 7,25 $ Landeswert 5,15 $, gilt nur für Betriebe außerhalb des FLSA
Idaho 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Indiana 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Iowa 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Kansas 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Kentucky 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
New Hampshire 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
North Carolina 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
North Dakota 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Oklahoma 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Pennsylvania 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Texas 7,25 $ Städte dürfen keinen eigenen Mindestlohn festlegen
Utah 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
Wisconsin 7,25 $ Landeswert entspricht dem Bund
West Virginia 8,75 $ knapp über dem Bundeswert
Montana 10,85 $ jährliche Anpassung an die Inflation
Arkansas 11,00 $
Minnesota 11,41 $ Minneapolis und St. Paul mit höherem Stadtlohn
Ohio 11,00 $ jährliche Anpassung an die Inflation
South Dakota 11,85 $ jährliche Anpassung an die Inflation
Nevada 12,00 $
New Mexico 12,00 $ Santa Fe mit höherem Stadtlohn
Virginia 12,77 $ jährliche Anpassung an die Inflation
Michigan 13,73 $ seit 21. Februar 2026
Alaska 14,00 $ seit 1. Juli 2026
Vermont 14,42 $
Delaware 15,00 $
Florida 15,00 $ seit 30. September 2026
Illinois 15,00 $ Chicago mit höherem Stadtlohn
Maryland 15,00 $ Montgomery County mit höherem Wert
Massachusetts 15,00 $
Missouri 15,00 $ automatische Anpassung ab 2027 gestrichen
Nebraska 15,00 $
Maine 15,10 $ Portland mit höherem Stadtlohn
Arizona 15,15 $ Flagstaff und Tucson mit höherem Stadtlohn
Colorado 15,16 $ Denver 19,29 $
Oregon rund 15 $ Portland Metro höher, ländliche Counties niedriger, Anpassung jeden Juli
New Jersey 15,92 $
Hawaii 16,00 $
Rhode Island 16,00 $
New York 16,00 $ New York City, Long Island und Westchester 17,00 $
California 16,90 $ Fast Food 20,00 $, viele Städte über 18 $
Connecticut 16,94 $
Washington 17,13 $ Seattle 21,30 $
Washington, D.C. rund 18 $ Anpassung jeden Juli an die Inflation

Lies die Tabelle so: Die oberen 20 Zeilen sind die Staaten, in denen faktisch der Bundeswert gilt. Fünf davon haben gar kein eigenes Mindestlohngesetz, zwei einen symbolischen Wert von 5,15 Dollar, der für fast niemanden greift, und der Rest hat den Bundeswert einfach übernommen. Alles darunter liegt über dem Bund, und ab Michigan beginnt der Bereich, in dem ein Vollzeitjob deutlich mehr als 25.000 Dollar im Jahr bringt.

In welchen Städten liegt der Mindestlohn über dem Staatswert?

Rund 60 Städte und Counties haben eigene Werte, vor allem in Kalifornien, Washington, Colorado, Illinois, Maryland und Minnesota. Die Spitzenreiter liegen 2026 bei über 21 Dollar. Seattle verlangt 21,30 Dollar, die Nachbarstadt Tukwila liegt in derselben Größenordnung. Denver kommt auf 19,29 Dollar, und in der Bay Area rund um San Francisco liegen viele Städte über 19 Dollar.

Für New York gilt eine Besonderheit: Hier entscheidet nicht die Stadt, sondern der Staat selbst unterscheidet nach Regionen. New York City, Long Island und Westchester haben 17,00 Dollar, der Rest des Staates 16,00 Dollar. Ab 2027 wird in beiden Regionen jährlich an die Inflation angepasst.

Das Unbequeme an den Stadtlöhnen: Sie gelten oft nur innerhalb der Stadtgrenze. Ein Supermarkt auf der einen Straßenseite zahlt den Stadtlohn, einer drei Blocks weiter im Nachbarort nur den Staatswert. Wer in solchen Regionen einen Job sucht, sollte die Adresse des Arbeitsplatzes prüfen, nicht die Postleitzahl im Inserat.

Wie oft wird der Mindestlohn in den USA angepasst?

Das hängt komplett vom Ort ab. Der Bundeswert bewegt sich nur, wenn der Kongress ein Gesetz beschließt, und das ist seit 2009 nicht passiert. In vielen Bundesstaaten dagegen gibt es automatische Anpassungen an die Inflation, meist zum 1. Januar.

Rund 19 Bundesstaaten koppeln ihren Mindestlohn an einen Verbraucherpreisindex, darunter Arizona, Colorado, Kalifornien, Maine, Montana, New Jersey, Ohio, Washington und Virginia. Die Erhöhung fällt dann so hoch aus wie die Inflation des Vorjahres, häufig mit einer Obergrenze. Andere Staaten haben feste Stufenpläne bis zu einem Zielwert, oft 15 Dollar, und danach ist entweder Schluss oder die Indexierung beginnt.

Die meisten Anpassungen kommen am 1. Januar. Einige Staaten und Städte erhöhen zum 1. Juli, darunter Oregon, Alaska, Washington, D.C., Chicago und mehrere Städte in Kalifornien. Florida erhöht traditionell am 30. September. Für dich heißt das: Wenn du im Sommer einen Job annimmst, kann der Mindestlohn ein halbes Jahr später schon höher liegen, und dein Arbeitgeber muss mitziehen.

In Deutschland läuft das über ein festes Verfahren. Die Mindestlohnkommission schlägt alle zwei Jahre eine Anpassung vor, die Bundesregierung setzt sie per Verordnung um. Für 2026 hat die Kommission 13,90 Euro festgelegt, ab Januar 2027 steigt der Wert auf 14,60 Euro. Eine solche Kommission gibt es in den USA nicht, weder beim Bund noch in den meisten Staaten.

Tipped Minimum Wage: Wie viel verdienen Kellner in den USA?

Hier liegt der größte Unterschied zu Deutschland, und hier verrechnen sich die meisten. In den USA dürfen Arbeitgeber das Trinkgeld auf den Mindestlohn anrechnen. Das nennt sich Tip Credit, und der Lohn, den der Betrieb selbst zahlt, heißt Tipped Minimum Wage oder Cash Wage.

2,13 Dollar plus Trinkgeld auf Bundesebene

Der Bund erlaubt einen Barlohn von nur 2,13 Dollar pro Stunde für Beschäftigte, die regelmäßig mehr als 30 Dollar Trinkgeld im Monat bekommen. Dieser Wert ist seit 1991 unverändert. Die Differenz zum Mindestlohn, also 5,12 Dollar, muss durch Trinkgeld gedeckt sein.

Reicht das Trinkgeld in einer Lohnperiode nicht, muss der Arbeitgeber auffüllen, bis der volle Mindestlohn erreicht ist. Das ist Gesetz, wird aber nicht überall sauber umgesetzt. Das Arbeitsministerium führt Wage Theft, also Lohndiebstahl, bei Restaurants regelmäßig als eine der häufigsten Beschwerden. Notiere deine Stunden und dein Trinkgeld selbst, wenn du in der Gastronomie arbeitest.

Viele Bundesstaaten setzen einen höheren Barlohn fest. In Florida etwa liegt er nach der Erhöhung im September 2026 bei 11,98 Dollar, in New York City deutlich höher. Die Spanne reicht von 2,13 Dollar bis zum vollen Mindestlohn.

Die sieben Staaten ohne Tip Credit

In Alaska, Kalifornien, Minnesota, Montana, Nevada, Oregon und Washington ist der Tip Credit verboten. Kellner bekommen dort den vollen Mindestlohn vom Arbeitgeber und das Trinkgeld obendrauf. Eine Bedienung in Seattle verdient also mindestens 21,30 Dollar pro Stunde, bevor überhaupt ein Gast etwas gibt.

Wie viel du als Gast geben solltest und was es mit der Service Charge auf sich hat, steht in unserem Artikel "Wie viel Trinkgeld gibt man in den USA?". Nur so viel an dieser Stelle: Der niedrige Barlohn ist der Grund, warum 18 bis 20 Prozent Trinkgeld in den USA keine Höflichkeit sind, sondern Teil des Gehalts.

Welche Ausnahmen gibt es beim Mindestlohn?

Der FLSA kennt eine ganze Reihe von Ausnahmen. Die wichtigsten betreffen junge Leute, Auszubildende, die Landwirtschaft und Angestellte mit festem Gehalt. Viele Bundesstaaten schränken diese Ausnahmen wieder ein, deshalb gilt auch hier: Bundesrecht ist die Untergrenze, das Staatsrecht oft strenger.

Jugendliche in den ersten 90 Tagen

Arbeitnehmer unter 20 Jahren dürfen in den ersten 90 Kalendertagen bei einem neuen Arbeitgeber mit 4,25 Dollar pro Stunde bezahlt werden. Das ist der sogenannte Youth Minimum Wage. Nach 90 Tagen oder mit dem 20. Geburtstag gilt der normale Mindestlohn. Arbeitgeber dürfen keine regulären Mitarbeiter entlassen, um sie durch billigere Jugendliche zu ersetzen.

In der Praxis spielt das in den teuren Staaten kaum eine Rolle, weil dort eigene Regeln greifen. Kalifornien zum Beispiel kennt keinen Jugendmindestlohn in dieser Form.

Auszubildende, Studierende und Landwirtschaft

Für Student Learners, also Schüler in berufsbildenden Programmen, darf der Lohn mit einer Genehmigung des Arbeitsministeriums auf 75 Prozent des Mindestlohns sinken. Vollzeitstudierende im Einzelhandel, in der Landwirtschaft oder an der eigenen Hochschule dürfen mit Zertifikat 85 Prozent bekommen. Ein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland mit tariflicher Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Registered Apprenticeships zahlen meist einen Stufenlohn, der mit den Jahren steigt.

In der Landwirtschaft sind kleine Betriebe vom Mindestlohn befreit, wenn sie in keinem Quartal des Vorjahres mehr als 500 sogenannte Man-Days Arbeit eingesetzt haben. Auch nahe Familienangehörige und bestimmte Erntehelfer mit Stücklohn fallen heraus. Saisonkräfte mit H-2A-Visum bekommen dagegen einen eigenen, meist höheren Lohnsatz.

Exempt Employees mit festem Gehalt

Angestellte mit festem Jahresgehalt in Führungs-, Verwaltungs- oder Fachpositionen gelten als Exempt Employees, also vom Mindestlohn und von der Überstundenvergütung ausgenommen. Bundesweit liegt die Gehaltsgrenze bei 684 Dollar pro Woche, das sind 35.568 Dollar im Jahr. Eine Anhebung von 2024 hat ein Bundesgericht gekippt.

Kalifornien verlangt für Exempt Employees mindestens das Doppelte des Staatsmindestlohns auf Vollzeit gerechnet, 2026 sind das 70.304 Dollar im Jahr. Auch Washington und New York liegen weit über dem Bund. Für Deutsche ist das relevant, weil Exempt heißt: keine Überstundenzuschläge, egal wie viele Stunden du arbeitest.

Gilt der Mindestlohn auch für Au Pairs und Work-and-Travel-Teilnehmer?

Ja, aber auf unterschiedliche Weise. Au Pairs bekommen ein wöchentliches Taschengeld, das das US-Außenministerium aus dem Bundesmindestlohn ableitet: 7,25 Dollar mal 45 Stunden, abzüglich 40 Prozent für Kost und Logis. Das ergibt 195,75 Dollar pro Woche, ein Wert, der seit 2009 unverändert ist.

Umstritten ist, ob nicht der höhere Staatsmindestlohn gelten müsste. In Massachusetts hat ein Bundesberufungsgericht 2019 entschieden, dass Gastfamilien dort den Staatsmindestlohn zahlen müssen. Einige Agenturen weisen inzwischen in weiteren Staaten höhere Beträge aus. Prüfe vor der Vertragsunterschrift, was für den Wohnort deiner Gastfamilie gilt.

Bei Work and Travel mit J-1-Visum ist die Sache klarer. Du bist ganz normaler Arbeitnehmer und hast Anspruch auf den Mindestlohn, der an deinem Arbeitsort gilt, inklusive aller Staats- und Stadtwerte. Die Sponsor-Organisation muss das prüfen. Wie das Programm funktioniert, erklären wir im Artikel "Work and Travel USA".

Was verdient man bei Walmart, Amazon und anderen großen Unternehmen?

In der Praxis zahlen viele große Unternehmen längst mehr als den gesetzlichen Mindestlohn, auch in Staaten mit 7,25 Dollar. Der Grund ist der Arbeitsmarkt: Wer für 7,25 Dollar Mitarbeiter sucht, findet in den meisten Regionen schlicht niemanden.

Walmart, der größte private Arbeitgeber der USA, nennt für seine Filialbeschäftigten einen Durchschnitt von über 18 Dollar pro Stunde. Die Einstiegslöhne liegen je nach Markt und Position zwischen 14 und rund 19 Dollar. Amazon gibt für Lager und Logistik einen durchschnittlichen Einstiegslohn von über 23 Dollar an, ebenfalls mit großen regionalen Unterschieden. Target, Costco und viele Supermarktketten liegen in einer ähnlichen Spanne, Costco eher am oberen Ende.

Das ist eine wichtige Einordnung für die Frage, was der Mindestlohn wirklich bewirkt. Laut Bureau of Labor Statistics verdienten 2024 nur noch rund ein Prozent der stundenweise bezahlten Beschäftigten den Bundesmindestlohn oder weniger, wobei Trinkgeldjobs den Großteil davon stellen. Wer in einem Staat mit Bundeswert arbeitet, bekommt fast immer mehr, die 7,25 Dollar sind eher eine theoretische Grenze.

Die Kehrseite: Einstiegslöhne bei großen Ketten sind Stundenlöhne ohne garantierte Stundenzahl. Viele Stellen sind Teilzeit, Schichten werden kurzfristig geplant, und Leistungen wie Krankenversicherung gibt es oft erst ab einer bestimmten Wochenstundenzahl.

Mindestlohn USA und Deutschland im Vergleich: Was bleibt wirklich übrig?

Auf dem Papier sieht der Vergleich knapp aus. Rechnen wir mit 40 Stunden pro Woche und 4,33 Wochen pro Monat:

  • Deutschland, 13,90 Euro: rund 2.410 Euro brutto im Monat
  • USA Bundeswert, 7,25 Dollar: rund 1.256 Dollar brutto im Monat
  • Washington State, 17,13 Dollar: rund 2.967 Dollar brutto im Monat
  • Seattle, 21,30 Dollar: rund 3.689 Dollar brutto im Monat

Für die Umrechnung in Euro brauchst du den aktuellen Wechselkurs, und der schwankt. Selbst bei einem für den Dollar günstigen Kurs liegt der Bundesmindestlohn bei nur etwa der Hälfte des deutschen. Die Spitzenwerte in Seattle und Kalifornien liegen dagegen nominal über dem deutschen Mindestlohn. Ob sie mehr Kaufkraft bringen, ist eine andere Frage, denn Mieten in diesen Städten fressen einen großen Teil davon auf.

Abzüge, Krankheit und Urlaub verändern die Rechnung

Was der Vergleich auf Stundenbasis verschweigt: In Deutschland stecken im Bruttolohn Leistungen, die in den USA fehlen oder extra kosten. Bei uns gibt es sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und mindestens 20 Tage bezahlten Urlaub bei einer Fünftagewoche. In den USA gibt es auf Bundesebene keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub und keinen auf bezahlte Krankentage.

Rund 20 Bundesstaaten plus Washington, D.C. schreiben inzwischen Paid Sick Leave, also bezahlte Krankentage, vor, meist um die fünf bis sieben Tage im Jahr. In den anderen Staaten heißt krank sein für Stundenlöhner oft: kein Geld für diesen Tag.

Bei den Abzügen fallen in den USA 7,65 Prozent für Social Security und Medicare an, dazu Einkommensteuer auf Bundesebene und je nach Staat Staatseinkommensteuer. Das klingt weniger als in Deutschland, dafür ist die Krankenversicherung nicht dabei. Wer sie über den Arbeitgeber bekommt, zahlt einen Eigenanteil, wer nicht, versichert sich selbst. Was die Gehälter oberhalb des Mindestlohns angeht, findest du in unserem Artikel zum Durchschnittsgehalt USA 2026 die passenden Zahlen.

Was sagen Studien über die Auswirkungen auf Arbeitsplätze?

Die Diskussion über Mindestlöhne kreist in den USA seit Jahrzehnten um eine Frage: Kostet eine Erhöhung Arbeitsplätze? Die berühmteste Studie stammt von David Card und Alan Krueger aus dem Jahr 1994. Sie verglichen Fast-Food-Restaurants in New Jersey, das den Mindestlohn erhöht hatte, mit dem benachbarten Pennsylvania und fanden keine Beschäftigungsverluste. Card bekam dafür 2021 unter anderem den Wirtschaftsnobelpreis.

Andere Analysen kommen zu vorsichtigeren Ergebnissen. Eine Untersuchung der University of Washington zur Erhöhung in Seattle fand 2017 Hinweise, dass Beschäftigte zwar mehr pro Stunde verdienten, aber weniger Stunden bekamen. Das Congressional Budget Office, das überparteiliche Haushaltsbüro des Kongresses, schätzte 2021, dass ein Bundesmindestlohn von 15 Dollar rund 900.000 Menschen aus der Armut holen, aber auch etwa 1,4 Millionen Arbeitsplätze kosten könnte. Solche Prognosen haben eine große Unsicherheitsspanne.

Für Deutschland gibt es inzwischen gute Daten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg hat die Einführung des Mindestlohns 2015 ausführlich untersucht. Die befürchteten großen Beschäftigungsverluste blieben aus, gesunken ist vor allem die Zahl der Minijobs. Auch Studien aus Großbritannien, wo der National Living Wage seit 2016 kräftig gestiegen ist, zeigen bislang kaum negative Effekte auf die Beschäftigung insgesamt.

Mein Eindruck nach den Analysen: Moderate Erhöhungen verkraftet der Arbeitsmarkt gut, bei sehr hohen Werten in strukturschwachen Regionen ist die Datenlage dünn. Genau deshalb ist ein einheitlicher Bundeswert für die USA politisch so schwierig.

Insidertipp: So prüfst du, ob du richtig bezahlt wirst

Bevor du einen Stundenjob annimmst, schau auf der Seite des Arbeitsministeriums deines Bundesstaates nach dem aktuellen Wert. Dann gibst du die genaue Adresse deines Arbeitsplatzes in die Stadt- oder County-Seite ein, denn erst dort siehst du, ob ein lokaler Mindestlohn greift.

Jeder Arbeitgeber muss ein Poster mit den geltenden Mindestlöhnen aushängen, meist im Pausenraum. Fotografiere es am ersten Tag. Prüfe auf der ersten Gehaltsabrechnung, dem Pay Stub, ob Stundenlohn und Stundenzahl stimmen.

Stimmt etwas nicht, ist die Wage and Hour Division des US-Arbeitsministeriums zuständig, erreichbar unter 1-866-487-9243 oder über dol.gov/agencies/whd. Viele Staaten haben eigene Beschwerdestellen. Eine Beschwerde ist auch ohne Greencard möglich, der Schutz gilt unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Für deine Unterlagen reicht eine private E-Mail-Adresse, an die du dir Stundenzettel und Fotos schickst, damit du später einen Nachweis hast.

Häufige Fragen zum Mindestlohn in den USA

Wo ist der höchste Mindestlohn auf der Welt?

Die höchsten gesetzlichen Mindestlöhne haben Australien mit rund 25 australischen Dollar pro Stunde und in Europa Luxemburg mit über 2.600 Euro im Monat. Einzelne Schweizer Kantone wie Genf liegen mit über 24 Franken pro Stunde noch darüber, haben aber auch extrem hohe Preise. Großbritannien liegt seit April 2026 bei 12,71 Pfund für Beschäftigte ab 21 Jahren. Innerhalb der USA hält Seattle mit 21,30 Dollar zusammen mit wenigen Vororten den Spitzenwert.

Wie hoch ist der Stundenlohn in den USA im Durchschnitt?

Laut Bureau of Labor Statistics liegt der durchschnittliche Stundenlohn in der Privatwirtschaft 2026 um die 37 Dollar. Der Durchschnitt wird von hohen Gehältern nach oben gezogen, der Median ist niedriger. Zwischen Bundesstaaten und Branchen liegen große Unterschiede.

Wie hoch ist der Mindestlohn für Kellner in den USA?

Auf Bundesebene 2,13 Dollar plus Trinkgeld, wobei der Arbeitgeber auf den vollen Mindestlohn auffüllen muss, wenn das Trinkgeld nicht reicht. In sieben Bundesstaaten, darunter Kalifornien und Washington, gibt es keinen Tip Credit, dort bekommen Kellner den vollen Mindestlohn plus Trinkgeld.

Wie viel verdient ein normaler Arbeiter in den USA?

Das mittlere Wocheneinkommen von Vollzeitbeschäftigten liegt bei rund 1.200 Dollar brutto, also gut 60.000 Dollar im Jahr. Arbeiter in Produktion, Lager und Handel verdienen meist zwischen 17 und 25 Dollar pro Stunde, je nach Region und Erfahrung.

Gibt es einen Mindestlohn für Minijobs wie in Deutschland?

Nein, eine Minijob-Regelung gibt es in den USA nicht. Jeder Job wird gleich behandelt, auch Teilzeit und Aushilfen haben Anspruch auf den vollen Mindestlohn. Steuern und Sozialabgaben fallen ab dem ersten Dollar an.

Der Mindestlohn ist in den USA weniger eine Zahl als eine Adresse. Wer weiß, welche Ebene an seinem Arbeitsort gilt, und wer Abzüge, fehlende Krankentage und Krankenversicherung gleich mitrechnet, vergleicht Jobangebote realistisch. Gebühren und Werte ändern sich mehrmals im Jahr, deshalb lohnt sich der Blick auf die Seite deines Bundesstaates vor jeder Jobzusage. Viel Erfolg bei der Suche nach einem Job, der mehr als nur das Minimum zahlt.

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