Wie viel Trinkgeld gibt man in den USA? Prozente, Service Charge und Karte oder bar
Im Restaurant sind 18 bis 20 Prozent vor Steuer der Normalfall, in der Bar 1 bis 2 Dollar pro Drink. Hier steht, wo wie viel erwartet wird, wann du nichts geben musst und wie du versteckte Gebühren erkennst.

Wie viel Trinkgeld gibt man in den USA? Im Restaurant mit Bedienung am Tisch sind 18 bis 20 Prozent vom Rechnungsbetrag vor Steuer der Normalfall. 15 Prozent gelten als Untergrenze, und wer weniger gibt, sagt damit ziemlich deutlich: Ich war unzufrieden. In Bars rechnest du mit 1 bis 2 Dollar pro Drink, im Taxi und beim Lieferdienst mit 15 bis 20 Prozent.
Für uns Deutsche fühlt sich das zuerst übertrieben an. Zu Hause rundest du auf, gibst fünf bis zehn Prozent und gehst mit dem Gefühl raus, großzügig gewesen zu sein. In den USA ist das Trinkgeld, der Tip, aber kein Dankeschön obendrauf. Für viele Servicekräfte ist es der größte Teil ihres Einkommens, und sie brauchen es, um über die Runden zu kommen. Wer das einmal verstanden hat, tippt nicht mehr aus schlechtem Gewissen, sondern weil er weiß, wohin das Geld geht. Und wer die Fallen kennt, von der Service Charge bis zum Trinkgeld-Bildschirm an der Kasse, zahlt auch nicht aus Versehen doppelt.
Warum ist Trinkgeld in den USA Teil des Lohns?
Der Grund steckt im amerikanischen Arbeitsrecht. Der bundesweite Mindestlohn liegt seit 2009 unverändert bei 7,25 Dollar pro Stunde. Für Beschäftigte, die regelmäßig Trinkgeld bekommen, darf der Arbeitgeber nach Bundesrecht aber nur 2,13 Dollar pro Stunde zahlen, die sogenannte Cash Wage. Den Rest bis zum Mindestlohn sollen die Gäste über ihr Trinkgeld beisteuern. Dieses Modell heißt Tip Credit.
Auf dem Papier ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Differenz aufzustocken, wenn an einem ruhigen Tag nicht genug Trinkgeld zusammenkommt. Macht eine Bedienung also mit Stundenlohn plus Tips weniger als den Mindestlohn, muss der Betrieb den Rest bezahlen. In der Praxis funktioniert das leider nicht immer wie vorgesehen, und gerade an schwachen Tagen gehen manche Servicekräfte mit weniger nach Hause, als ihnen zusteht.
Die Regeln unterscheiden sich stark je nach Staat. Alaska, Kalifornien, Minnesota, Montana, Nevada, Oregon und Washington verlangen den vollen staatlichen Mindestlohn vor Trinkgeld. Viele andere Staaten liegen irgendwo zwischen 2,13 Dollar und ihrem eigenen Mindestlohn, und einzelne Städte wie Chicago schaffen den Tip Credit gerade schrittweise ab. Welcher Satz wo gilt, listet das US-Arbeitsministerium auf seiner Übersicht zu den Mindestlöhnen für Trinkgeldberufe, Stand Oktober 2026.
Selbst der volle Mindestlohn ändert wenig an der Lage. Ein Vollzeitjob zum Mindestlohn reicht in keinem einzigen Staat für eine durchschnittliche Wohnung mit zwei Schlafzimmern zur ortsüblichen Miete. Zum Vergleich: In Deutschland bekommt eine Kellnerin seit Januar 2026 mindestens 13,90 Euro pro Stunde, ganz unabhängig vom Trinkgeld.
Es ist eine Unart des amerikanischen Systems, dass Arbeitgeber ihre Angestellten zum Teil von den Kunden bezahlen lassen. Im Einzelhandel sind die Löhne zum Teil so niedrig, dass Angestellte trotz 40-Stunden-Woche SNAP beantragen müssen, die staatliche Lebensmittelhilfe, die früher Food Stamps hieß. Ändern kannst du das als Gast nicht. Du kannst aber wissen, wann Trinkgeld erwartet wird, und es dann auch geben.
Wie viel Prozent Trinkgeld gibt man in den USA im Restaurant?
Dazu gibt es, wie immer, verschiedene Meinungen. Früher galten 15 Prozent als Standard für eine Bedienung am Tisch. Heute sind 18 bis 25 Prozent des Rechnungsbetrags vor der Steuer gute Praxis, und 15 Prozent sind eher die Untergrenze für ordentlichen Service. Mein Rat: Gib 20 Prozent. Das lässt sich leicht ausrechnen, passt fast überall, und mehr ist bei richtig gutem Service natürlich immer willkommen.
Gerechnet wird auf den Betrag vor der Sales Tax, der Umsatzsteuer, die je nach Ort zwischen null und gut zehn Prozent liegt. Hier lauert eine Falle: Auf vielen Kassenzetteln stehen vorgedruckte Vorschläge für 18, 20 oder 22 Prozent, und die sind oft auf den Endbetrag inklusive Steuer berechnet. Rechne lieber selbst.
Plane das gleich beim Blick auf die Speisekarte ein. In Deutschland ist der Preis auf der Karte der Preis, den du zahlst. In den USA kommen Steuer und Trinkgeld noch dazu, und aus einem 50-Dollar-Essen werden schnell gut 64 Dollar.
Beim Service am Tisch wird es nicht gern gesehen, wenn du das Trinkgeld in Münzen gibst. Hier sollte es rascheln.
So läuft das Bezahlen am Tisch ab
Frag nach der Rechnung mit "Can I get the check, please?". Meist bekommst du eine Mappe mit dem Beleg. Leg den Betrag plus Tip in bar hinein oder deine Kreditkarte. Mit der Karte kommt die Bedienung mit zwei Belegen zurück. Auf den einen schreibst du den Trinkgeldbetrag in die Zeile "Tip", den neuen Gesamtbetrag unter "Total" und unterschreibst. Diesen Beleg lässt du liegen, den anderen nimmst du mit.
In immer mehr Restaurants kommt die Bedienung stattdessen mit einem Kartengerät an den Tisch. Dort siehst du Buttons mit Prozentangaben und meist ein Feld für einen eigenen Betrag.
Das ist ein echter Unterschied zu zu Hause. In Deutschland nennst du der Bedienung den Betrag direkt ("Machen Sie 40"). In den USA läuft das stumm über den Beleg, und die Bedienung sieht das Trinkgeld oft erst, wenn du schon gegangen bist.
Getrennte Rechnungen sind weniger selbstverständlich als bei uns. Üblich ist, dass die Gruppe zusammen zahlt und das hinterher untereinander ausmacht. Wenn du getrennt zahlen willst, sag das gleich bei der Bestellung: "Can we get separate checks?"
So rechnest du 20 Prozent im Kopf
Nimm den Betrag vor Steuer, verschiebe das Komma um eine Stelle nach links und verdopple das Ergebnis. Bei 64,50 Dollar sind zehn Prozent also 6,45 Dollar, verdoppelt 12,90 Dollar. Aufgerundet gibst du 13 Dollar. Es gibt dafür auch Trinkgeld-Apps. Oder du nimmst jemanden mit, der gut im Kopf rechnet, quasi einen Taschenrechner auf zwei Beinen.
Trinkgeld-Rechner
Rechnungsbetrag eingeben, Prozentsatz wählen – der Rechner zeigt Trinkgeld, Gesamtbetrag und den Anteil pro Person.
Trinkgeld
16,00 $
Rechnung: 80,00 $ × 20 % = 16,00 $ Trinkgeld. Auf volle Dollar aufgerundet zahlst du 96,00 $ – das sind effektiv 16,00 $ Trinkgeld.
Was bedeutet Service Charge auf der Rechnung?
Schau dir die Rechnung immer genau an, bevor du etwas einträgst. Steht dort "Tip included", "Gratuity" oder "Service Charge", ist ein Aufschlag schon enthalten. Bei Gruppen ab sechs oder acht Personen schlagen viele Restaurants automatisch 18 bis 20 Prozent auf, die sogenannte Auto Gratuity. Wenn ein solcher Betrag ausgewiesen ist, ist zusätzliches Trinkgeld nicht unbedingt nötig. Kann man machen, muss man aber nicht.
Jetzt kommt der unbequeme Teil. Eine Service Charge ist rechtlich kein Trinkgeld. Steuerlich gilt sie als Umsatz des Betriebs, und der Betrieb entscheidet, wie viel davon beim Personal landet. Manchmal ist es alles, manchmal ein Teil, manchmal fließt sie in die allgemeinen Lohnkosten. Wenn du unsicher bist, frag freundlich: "Does the service charge go to the server?" Das ist in den USA keine unhöfliche Frage.
In den letzten Jahren sind außerdem Aufschläge mit neuen Namen dazugekommen, die mit Trinkgeld nichts zu tun haben:
- Kitchen Appreciation Fee, ein Aufschlag für die Küche
- Employee Wellness Fee oder Health Care Surcharge, angeblich für die Krankenversicherung des Personals
- Living Wage Fee, ein Zuschlag zur Lohnfinanzierung
- Credit Card Surcharge, meist rund drei Prozent bei Kartenzahlung
Diese Gebühren ersetzen das Trinkgeld für die Bedienung nicht. Sie stehen oft klein am Ende der Karte oder erst auf der Rechnung.
Gesetzlich hat sich etwas getan, aber nur teilweise. Seit Mai 2025 müssen Hotels und Ticketverkäufer für Konzerte und Sportveranstaltungen nach einer Regel der Verbraucherschutzbehörde FTC den Gesamtpreis inklusive Pflichtgebühren wie der Resort Fee von Anfang an zeigen. Restaurants fallen bundesweit nicht darunter. Kalifornien verlangt seit Juli 2024, dass Pflichtaufschläge im Preis stecken oder deutlich auf der Karte stehen. In vielen anderen Staaten musst du weiterhin selbst suchen.
Trinkgeld per Karte oder bar: Was kommt beim Personal an?
Am besten ist es, Bargeld auf dem Tisch liegen zu lassen. Das landet direkt bei der Person, die dich bedient hat, und zwar sofort.
Trinkgeld per Karte ist nicht verloren, hat aber Umwege. Seit 2018 dürfen Arbeitgeber, Manager und Vorgesetzte nach Bundesrecht kein Trinkgeld ihrer Angestellten behalten. Erlaubt ist aber, dass der Betrieb in vielen Staaten die anteilige Kartengebühr vom Trinkgeld abzieht. Und das Geld kommt oft erst mit der nächsten Lohnabrechnung.
Dazu kommt das Tip Pooling. In einigen Restaurants müssen Bedienungen ihr Trinkgeld mit Küche, Barkeeper und Abräumern teilen. Das klingt zunächst fair. Da Köche aber in der Regel einen regulären Stundenlohn bekommen und die Bedienung von 2,13 Dollar plus Tips lebt, ist es nicht immer fair.
Wer sichergehen will, dass auch die Abräumer etwas bekommen, die Busser, legt zusätzlich ein kleines Trinkgeld unter den Teller. Das ist eine elegante Geste, die in Restaurants gut ankommt.
In Cafés und Restaurants mit Counter Service, dazu gleich mehr, sind Münzen übrigens völlig in Ordnung. Nur am Tisch mit Bedienung sollten es Scheine sein.
Insidertipp: Besorg dir einen Vorrat an kleinen Scheinen
Geldautomaten in den USA spucken fast nur 20-Dollar-Scheine aus. Fürs Trinkgeld brauchst du aber ständig 1- und 5-Dollar-Scheine: für den Kofferträger, den Valet, die Bar, das Zimmermädchen. Geh in eine Bankfiliale und frag am Schalter nach "small bills" oder konkret "ones and fives". Das geht in der Regel auch ohne eigenes Konto bei dieser Bank, solange du große Scheine eintauschst. Mit einem Stapel Einer im Portemonnaie stehst du nie wieder hilflos an der Hotelauffahrt.
Muss ich auch am Counter und am Bezahlbildschirm Trinkgeld geben?
Counter Service heißt: Du gehst in einem Café, einer Bar oder einem Restaurant zur Theke, dem Counter, bestellst und nimmst dein Essen oder deine Getränke selbst entgegen, oder sie werden dir an den Tisch gebracht. Hier wird kein Trinkgeld von dir erwartet. In manchen Ketten ist es dem Personal sogar untersagt, Trinkgeld anzunehmen.
Manchmal drücken die Manager ein Auge zu und "übersehen" die Schüssel auf der Theke, in die du dein Kleingeld oder 1 bis 2 Dollar werfen kannst. Verwechsle sie nicht mit dem Tellerchen, auf dem "Take a penny, leave a penny" steht. Das ist etwas ganz anderes: Bekommst du Pennys als Wechselgeld und willst sie nicht, lässt du sie dort. Fehlt dem nächsten Kunden ein Cent, nimmt er ihn sich. Viele Amerikaner mögen die Pennys nicht und wollen sie nicht nutzen. Seit November 2025 prägt die US Mint gar keine Pennys mehr für den Umlauf. Sie bleiben gültiges Geld, aber manche Geschäfte runden Barzahlungen inzwischen auf fünf Cent, und die Penny-Teller werden seltener.
An solchen Orten kommt beim Bezahlen mit Karte oft ein Bildschirm, der nach Trinkgeld fragt. Dieses Trinkgeld kommt nicht immer bei den Arbeitskräften an, oder es wird über alle Schichten verteilt. Wenn du hier wirklich etwas geben willst, leg es lieber bar in die Schüssel oder lass es am Tisch liegen.
Und dann ist da das neuere Ärgernis. In den letzten Jahren haben viele Firmen ihre Kunden mit ihrer Trinkgeldpolitik verärgert. Selbst dort, wo es bis dahin völlig unüblich war, erscheint plötzlich eine Trinkgeldabfrage: im Souvenirladen, am Self-Checkout im Flughafen, beim Kauf einer Flasche Wasser. Du musst aktiv "No Tip" oder "Skip" antippen, und das an Stellen, an denen du gar keinen Service bekommen hast und völlig unklar ist, wer dieses Trinkgeld eigentlich erhalten soll. In einer großen Umfrage von 2023 sagten 72 Prozent der Amerikaner, dass heute an mehr Orten Trinkgeld erwartet wird als noch fünf Jahre zuvor.
Du brauchst bei solchen Methoden kein schlechtes Gewissen zu haben. Lehn sie ab. In Deutschland fragt dich beim Bäcker auch niemand per Bildschirm nach zehn Prozent, und in den USA ist das am Counter genauso wenig Pflicht.
Wie viel Trinkgeld gibt man in Bar, Taxi, Uber und beim Lieferdienst?
Bars
In Bars sind 1 bis 2 Dollar pro Drink üblich, bei aufwendigen Cocktails eher 2 Dollar. Wenn du einen Tab aufmachst, also auf Rechnung trinkst und am Ende zahlst, gibst du stattdessen rund 20 Prozent der Summe.
Pass beim Bezahlen auf: Manche Bartender behalten automatisch das Restgeld, wenn du nichts sagst. Ein "Thanks" beim Hinüberreichen des Scheins wird oft als "Stimm