Durchschnittsgehalt USA 2026: Was man in den Vereinigten Staaten wirklich verdient und wie das zu Deutschland passt
Vollzeitkräfte in den USA verdienen im Median rund 62.000 Dollar im Jahr, Haushalte deutlich mehr. Hier erfährst du, was diese Zahlen bedeuten, was netto übrig bleibt und warum der Vergleich mit Deutschland oft schiefgeht.

Ein Vollzeitbeschäftigter in den USA verdient im Median rund 1.200 Dollar brutto pro Woche. Hochgerechnet sind das etwa 62.000 Dollar im Jahr (Bureau of Labor Statistics, Daten für 2025). Das mittlere Haushaltseinkommen lag laut Census Bureau im Jahr 2024 bei 83.730 Dollar. Beide Zahlen stimmen. Sie messen nur etwas anderes, und genau dort beginnt die Verwirrung.
Wir Deutschen denken beim Gehalt an einen Monatsbetrag brutto. Davon gehen Steuern und Sozialabgaben ab, und die Krankenversicherung ist damit schon erledigt. In den USA wird das Gehalt als Jahressumme oder als Stundenlohn genannt. Die Krankenversicherung kostet extra, und je nach Wohnort zahlst du eine Einkommensteuer an den Bundesstaat oder eben nicht. Wer einfach Dollar in Euro umrechnet und die Beträge nebeneinanderlegt, vergleicht Äpfel mit Pick-up-Trucks. Die Zahlen werden erst brauchbar, wenn du weißt, welche Zahl was misst und was am Ende auf deinem Konto landet.
Median oder Durchschnitt: Welches Einkommen ist eigentlich gemeint?
Wenn irgendwo vom Durchschnittseinkommen in den USA die Rede ist, steckt dahinter meist eine von drei Größen. Und die liegen weit auseinander.
Der Durchschnitt, im Englischen mean, ist die Summe aller Einkommen geteilt durch die Zahl der Personen. Der Median ist der Wert in der Mitte: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. In einem Land mit sehr hohen Spitzeneinkommen zieht eine kleine Gruppe den Durchschnitt nach oben. In der Volkswirtschaftslehre heißt das eine rechtsschiefe Verteilung. Für dich als Arbeitnehmer ist der Median fast immer die ehrlichere Zahl.
Wie groß der Abstand ist, zeigen die Daten der Arbeitsstatistik: Über alle Berufe hinweg lag der durchschnittliche Jahreslohn im Mai 2024 bei 67.920 Dollar, der Median nur bei 49.500 Dollar. In diesen Zahlen stecken übrigens auch Teilzeitjobs.
Dann gibt es den Unterschied zwischen Haushaltseinkommen und persönlichem Einkommen. Das Haushaltseinkommen addiert alles, was die Personen in einem Haushalt verdienen. Ein Paar, bei dem beide in Vollzeit arbeiten, landet so schnell über dem Median, obwohl jeder für sich ein normales Gehalt hat. Wer sein eigenes Angebot mit den 83.730 Dollar des Census Bureau vergleicht, rechnet sich also arm.
Die dritte Falle ist der Stundenlohn. Viele Jobs werden in den USA pro Stunde bezahlt. Die Faustregel zum Umrechnen lautet 2.080 Stunden pro Jahr, also 40 Stunden mal 52 Wochen. Aus 25 Dollar die Stunde werden so 52.000 Dollar Jahreseinkommen, vorausgesetzt, du hast wirklich jede Woche 40 Stunden.
Durchschnittsgehalt USA: Was sagen die aktuellen Zahlen in US-Dollar?
Die wichtigste Quelle für Haushalte ist der Census Bureau. Er veröffentlicht jeden September die Zahl für das Vorjahr, die aktuelle Fassung findest du auf census.gov unter "Income in the United States". Für 2024 lag das mittlere Haushaltseinkommen bei 83.730 Dollar. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr kaum gestiegen. Die Inflation der letzten Jahre hat einen großen Teil der nominalen Lohnerhöhungen aufgefressen.
Für einzelne Beschäftigte ist das Bureau of Labor Statistics die bessere Adresse, kurz BLS. Es meldet jedes Quartal die "Median Weekly Earnings", also das mittlere Wocheneinkommen von Vollzeitkräften. 2025 lag es um 1.200 Dollar, was hochgerechnet ein Jahresgehalt von gut 62.000 Dollar ergibt. Diese Zahl kommt dem am nächsten, was wir in Deutschland als typisches Vollzeitgehalt verstehen.
Spannend wird es beim Blick auf die Bildung. Wer einen Bachelor hat, verdient im Median etwa 60 bis 70 Prozent mehr als jemand mit Highschool-Abschluss. In den USA hängt der Lohn viel stärker am Hochschulabschluss als bei uns. Eine Ausbildung nach deutschem dualen Modell kennen viele Arbeitgeber schlicht nicht. Erklär deshalb im Lebenslauf, was hinter deinem Abschluss steckt: Dauer, Praxisanteil, Prüfung vor der Kammer.
Werden Gehälter in den USA jährlich oder monatlich angegeben?
Jährlich, und das ist die erste Umgewöhnung. Ein Stellenangebot nennt entweder eine Salary, also ein festes Jahresgehalt, oder eine Hourly Rate, den Stundenlohn. Ein Monatsgehalt im deutschen Sinn taucht so gut wie nie auf.
Ausgezahlt wird oft alle zwei Wochen, das heißt dann biweekly. Das ergibt 26 Paychecks im Jahr, also Gehaltsabrechnungen. In zwei Monaten des Jahres bekommst du deshalb drei statt zwei Zahlungen. Wer seine Miete mit zwei Paychecks plant, hat in diesen Monaten etwas Luft. Andere Arbeitgeber zahlen wöchentlich oder zweimal im Monat.
Ein 13. Monatsgehalt gibt es nicht. Manche Firmen zahlen einen Bonus, der aber nicht garantiert ist. Auch Urlaub ist Verhandlungssache: Ein gesetzlicher Anspruch auf bezahlten Urlaub existiert auf Bundesebene nicht. Viele Arbeitgeber geben nach dem ersten Jahr rund zwei Wochen PTO, das steht für Paid Time Off und umfasst oft auch Krankheitstage. Wer aus Deutschland 30 Tage gewohnt ist, sollte das beim Gehaltsvergleich mitrechnen, denn freie Zeit ist auch Geld.
Wichtig ist noch die Unterscheidung zwischen exempt und non-exempt. Non-exempt Beschäftigte, meist im Stundenlohn, bekommen ab der 41. Wochenstunde das Anderthalbfache als Overtime. Exempt Angestellte mit festem Gehalt arbeiten Überstunden ohne Zuschlag.
Mindestlohn USA: Wie viel bekommt man mindestens pro Stunde?
Der bundesweite Mindestlohn liegt bei 7,25 Dollar pro Stunde, und das seit Juli 2009. Er wurde seitdem nicht erhöht. Wer Vollzeit zu diesem Satz arbeitet, kommt auf rund 15.000 Dollar im Jahr.
In der Praxis gilt er aber nur noch in rund 20 Staaten, vor allem im Süden und in Teilen des Mittleren Westens. Die übrigen Staaten haben eigene, höhere Mindestlöhne festgelegt. Washington liegt 2026 bei 17,13 Dollar, Kalifornien bei 16,90 Dollar. Einige Städte und Counties setzen noch eins drauf. Den Satz für deinen Wohnort findest du auf der Seite des Arbeitsministeriums dol.gov unter "State Minimum Wage Laws", Stand Oktober 2026 ändern sich viele Sätze zum 1. Januar.
Eine Besonderheit, die Deutsche regelmäßig schockiert: Für Beschäftigte mit Trinkgeld, etwa in der Gastronomie, darf der Arbeitgeber auf Bundesebene nur 2,13 Dollar pro Stunde zahlen. Das Trinkgeld muss den Rest bis zum Mindestlohn auffüllen. Deshalb ist Trinkgeld in den USA kein Bonus, sondern Teil des Lohns, mehr dazu im Artikel über Trinkgeld in den USA.
Zum Vergleich: In Deutschland liegt der gesetzliche Mindestlohn seit Januar 2026 bei 13,90 Euro und gilt überall gleich. In den USA hängt die Untergrenze an deinem Wohnort, und die Unterschiede zwischen den Staaten sind enorm.
Wo verdient man am meisten? Einkommen nach Bundesstaat und Stadt
Die Spreizung zwischen den Staaten ist größer als die zwischen Deutschland und Italien. Die folgende Liste zeigt das mittlere Haushaltseinkommen aus der American Community Survey 2023, gerundet. Diese Umfrage ergibt etwas andere Werte als die Zahl des Census Bureau oben, weil sie anders erhoben wird. Für den Vergleich der Staaten untereinander ist sie die gängige Basis.
| Staat | Mittleres Haushaltseinkommen (ACS 2023, gerundet) |
|---|---|
| Massachusetts | rund 105.000 Dollar |
| Kalifornien | rund 96.000 Dollar |
| Washington | rund 95.000 Dollar |
| USA gesamt | rund 78.000 Dollar |
| Arkansas | rund 59.000 Dollar |
| West Virginia | rund 58.000 Dollar |
| Mississippi | rund 55.000 Dollar |
Haushalte in Massachusetts haben also fast doppelt so viel Geld zur Verfügung wie Haushalte in Mississippi. Nur kostet ein Haus in der Region Boston ein Vielfaches dessen, was du in Jackson zahlst.
Noch extremer sind die Städte. Im Großraum San Francisco und San Jose liegt das mittlere Haushaltseinkommen weit über 130.000 Dollar. Seattle und Boston liegen ebenfalls deutlich über dem Landesschnitt. New York City liegt dagegen ungefähr im nationalen Mittel, weil dort sehr hohe und sehr niedrige Einkommen nebeneinander existieren. In Detroit kommt ein Haushalt im Median nur auf etwa die Hälfte des Landeswerts.
Mein Rat: Vergleiche nie das Gehalt allein, sondern immer Gehalt und Miete zusammen. Wie stark die Lebenshaltungskosten je nach Region schwanken, steht im Beitrag zu den Lebenshaltungskosten in den USA 2026.
Gehalt USA nach Beruf: Was verdienen Pflege, IT, Ingenieure, Lehrer und Handwerk?
Für Deutsche, die mit einem Beruf in der Tasche auswandern, ist diese Frage oft die entscheidende. Die Zahlen unten sind Medianwerte aus der Berufsstatistik OEWS des BLS, Stand Mai 2024, gerundet:
- Registered Nurse, also examinierte Pflegekraft: rund 93.000 Dollar
- Software Developer: rund 133.000 Dollar
- Mechanical Engineer, Maschinenbauingenieur: rund 102.000 Dollar
- Grundschullehrer an öffentlichen Schulen: rund 64.000 Dollar
- Electrician, Elektriker: rund 62.000 Dollar
- Plumber, Installateur: rund 62.000 Dollar
Diese Werte sind ein Einblick, keine Zusage. Innerhalb eines Berufs ist die Spreizung riesig. Eine Pflegekraft in Kalifornien verdient deutlich mehr als eine in Alabama, und ein Entwickler bei einem großen Tech-Konzern kann ein Vielfaches des Medians bekommen, Aktienanteile eingerechnet. Ein Lehrer in einem wohlhabenden Schulbezirk in New Jersey verdient spürbar mehr als einer in Oklahoma, weil Schulen dort über lokale Grundsteuern finanziert werden.
Unbequem, aber wichtig: In vielen dieser Berufe darfst du ohne amerikanische Zulassung gar nicht arbeiten. Pflegekräfte brauchen das NCLEX-Examen und eine Lizenz des jeweiligen Staates. Elektriker und Installateure brauchen eine staatliche oder kommunale License, Lehrer eine Teaching Certification. Bis die Anerkennung durch ist, arbeiten viele Deutsche unter ihrer Qualifikation. Plane diese Phase finanziell ein, sie kann Monate dauern.
Die Daten für deinen Beruf in deiner Region findest du kostenlos auf bls.gov/oes, aufgeschlüsselt nach Staat und Metropolregion. Das ist die beste Quelle für eine realistische Erwartung.
Was bleibt netto vom Gehalt? Steuern, FICA und Krankenversicherung
Brutto sind amerikanische Gehälter höher. Netto sieht die Welt anders aus, aber nicht so, wie viele denken. Die Abzüge sind niedriger als in Deutschland, dafür zahlst du vieles selbst, was bei uns über Abgaben läuft.
Vom Paycheck gehen ab:
- Federal Income Tax, die Einkommensteuer des Bundes
- State Income Tax, die Steuer des Bundesstaates, je nach Staat null bis knapp über zehn Prozent in der Spitze
- FICA, der Beitrag zu Social Security (6,2 Prozent bis 184.500 Dollar Einkommen im Jahr 2026) und Medicare (1,45 Prozent)
- dein Anteil an der Krankenversicherung des Arbeitgebers
- freiwillig, aber üblich: Einzahlungen in die Altersvorsorge, den 401k-Plan
So sieht das für eine alleinstehende Person mit 70.000 Dollar Jahresgehalt aus, Steuerjahr 2026, mit Standardabzug von 16.100 Dollar, fünf Prozent 401k-Einzahlung und einem Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung von 1.400 Dollar im Jahr:
| Posten | Texas (keine State Tax) | Staat mit rund 5 % State Tax |
|---|---|---|
| Bruttogehalt | 70.000 Dollar | 70.000 Dollar |
| 401k-Einzahlung (5 %) | minus 3.500 Dollar | minus 3.500 Dollar |
| Krankenversicherung, eigener Anteil | minus 1.400 Dollar | minus 1.400 Dollar |
| Federal Income Tax | minus rund 5.630 Dollar | minus rund 5.630 Dollar |
| FICA | minus rund 5.250 Dollar | minus rund 5.250 Dollar |
| State Income Tax | 0 Dollar | minus rund 3.000 Dollar |
| Netto im Jahr | rund 54.200 Dollar | rund 51.200 Dollar |
| Netto pro Monat | rund 4.520 Dollar | rund 4.270 Dollar |
Das Beispiel ist vereinfacht, es ersetzt keine Steuerberatung. Für deine Situation helfen der Lohnsteuerrechner auf irs.gov oder ein Enrolled Agent, das ist ein zugelassener Steuerberater. Gebühren, Freibeträge und Grenzen ändern sich jährlich.
Was die Tabelle nicht zeig t, ist das Geld, das du zusätzlich selbst trägst. Die meisten Arbeitgeber-Versicherungen haben einen Deductible, eine jährliche Selbstbeteiligung. Bei Einzelpersonen liegt sie im Schnitt bei knapp 1.800 Dollar. Dazu kommen Co-pays, die Eigenanteile pro Arztbesuch, und Co-insurance, ein prozentualer Anteil an größeren Rechnungen. Im schlechten Jahr wird daraus schnell ein vierstelliger Betrag. Wie das System funktioniert, steht im Artikel zur internationalen Krankenversicherung für die USA.
Für viele Amerikaner kommen Studienkredite hinzu. Studiengebühren an amerikanischen Hochschulen sind hoch, und wer einen Abschluss auf Kredit finanziert hat, zahlt oft jahrelang mehrere hundert Dollar im Monat zurück. Als Deutscher mit gebührenfreiem Studium fällt dieser Posten bei dir weg, ein echter Vorteil.
Wer Kinder hat, rechnet anders. Kitas sind privat organisiert und kosten in vielen Großstädten vierstellig pro Monat. Ein Kindergeld nach deutschem Muster gibt es nicht, nur den Child Tax Credit, eine Steuergutschrift von rund 2.200 Dollar pro Kind und Jahr (Stand Steuerjahr 2025, die Höhe wird angepasst). Für Familien kann ein gutes amerikanisches Gehalt deshalb netto schmaler ausfallen als gedacht.
Sind die Löhne in den Vereinigten Staaten wirklich höher als in Deutschland?
Ja, im Durchschnitt schon. Aber der Abstand ist kleiner, als der Wechselkurs suggeriert.
Zum Vergleich: In Deutschland liegt das mittlere Bruttogehalt einer Vollzeitkraft bei rund 4.000 Euro im Monat, also knapp 48.000 Euro im Jahr. Rechnest du die 62.000 Dollar des BLS zum Kurs um, wirkt der Unterschied überschaubar. Rechnest du die Abzüge mit ein, schrumpft er weiter, verschwindet aber nicht: In Deutschland gehen von einem solchen Gehalt grob ein Drittel bis 40 Prozent ab, dafür sind Krankenversicherung, Rente und Arbeitslosenversicherung schon bezahlt.
Für den Ländervergleich nutzen Ökonomen die World Development Indicators der Weltbank. Einer der wichtigsten Indikatoren dort ist das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner. Über Wechselkurse gerechnet liegen die Vereinigten Staaten rund die Hälfte über Deutschland. Kaufkraftbereinigt, also nach dem, was man sich vor Ort für sein Geld kaufen kann, schrumpft der Abstand deutlich. In Europa liegen nur wenige Länder auf ähnlichem Niveau, etwa die Schweiz, Norwegen oder Luxemburg. Dänemark und die Niederlande sind näher dran als Deutschland, Italien liegt klar dahinter.
Diese Indikatoren messen allerdings Wirtschaft, nicht Lebensqualität. Das Bruttonationaleinkommen sagt nichts darüber, wie es verteilt ist. Genau hier liegt der Kern: In den USA verdienen die oberen Einkommensgruppen sehr viel mehr als in Deutschland, die unteren oft weniger. Wer gut ausgebildet ist und in einer starken Branche arbeitet, gewinnt beim Wechsel. Wer im Niedriglohnbereich landet, verliert meist, vor allem wegen Krankenversicherung und fehlender Absicherung.
Welche Fehler machen Deutsche beim Gehaltsvergleich?
Der Klassiker ist der Wechselkurs-Vergleich ohne Kaufkraft. 100.000 Dollar klingen nach einem Traum, doch in San Francisco zahlst du dafür eine Miete, die in Leipzig ein ganzes Haus finanzieren würde. Ein Gehalt von 70.000 Dollar in Ohio kann dir mehr Wohlstand bringen als 120.000 Dollar in der Bay Area.
Fehler Nummer zwei: der Silicon-Valley-Effekt. In den Medien tauchen vor allem Gehälter aus der Tech-Branche auf, mit sechsstelligen Summen schon für Berufseinsteiger. Das ist ein winziger Teil des Arbeitsmarktes. Die Hälfte aller Beschäftigten im Land verdient laut BLS weniger als 50.000 Dollar im Jahr, Teilzeit eingerechnet. Niemand sollte seine Planung auf Ausreißer bauen.
Fehler Nummer drei: Haushaltseinkommen mit Einzelgehalt vergleichen. Die Medianzahl des Census Bureau gilt für einen Haushalt, in dem häufig zwei Personen verdienen. Wenn dein Partner wegen des Visums anfangs nicht arbeiten darf, fehlt euch das zweite Einkommen, und das trifft gerade Familien mit einer Green Card im Verfahren hart. Welche Visa eine Arbeitserlaubnis für Ehepartner vorsehen, steht im Ratgeber zur Green Card für Deutsche.
Fehler Nummer vier: Urlaub, Rente und Kündigungsschutz vergessen. Zwei Wochen PTO statt sechs Wochen Urlaub, dazu At-will Employment, also die Kündigung ohne Frist und Grund in den meisten Staaten. Das hat einen Wert, auch wenn er auf keiner Gehaltsabrechnung steht.
Was gilt in den USA als gutes Gehalt?
Eine offizielle Grenze gibt es nicht. Ein brauchbarer Maßstab: Als Mittelschicht gelten in den USA Haushalte, deren Einkommen zwischen zwei Dritteln und dem Doppelten des mittleren Haushaltseinkommens liegt. Auf Basis der Zahl für 2024 sind das ungefähr 56.000 bis 168.000 Dollar, angepasst an die Haushaltsgröße und den Wohnort.
Für eine Einzelperson liegt ein Gehalt über dem Vollzeit-Median von gut 62.000 Dollar schon im oberen Teil. In teuren Metropolen wie Boston, Seattle oder New York City brauchst du allerdings deutlich mehr, um so zu leben wie mit einem mittleren Gehalt in Texas oder North Carolina. Ein sechsstelliges Jahreseinkommen klingt in Deutschland nach Oberschicht, in Manhattan reicht es für eine kleine Wohnung und einen normalen Alltag.
Ich halte deshalb eine Faustregel für sinnvoller als jede Zahl: Ein Gehalt ist gut, wenn die Miete nicht mehr als etwa ein Drittel deines Bruttos frisst und nach allen Abzügen noch Geld für Rücklagen und den 401k bleibt.
Wie verhandelt man ein Gehalt in den USA?
Gehaltsverhandlungen sind in den USA normal und werden erwartet. Wir Deutschen nehmen ein Angebot oft an, weil Nachverhandeln unhöflich wirkt. Amerikanische Arbeitgeber rechnen dagegen fest damit, dass du eine Gegenforderung stellst, und haben dafür Spielraum eingeplant.
Hilfreich ist die Pay Transparency, die viele Staaten inzwischen vorschreiben. In Kalifornien, Washington, New York, Colorado, Illinois und weiteren Staaten müssen Stellenanzeigen eine Gehaltsspanne nennen. Das gibt dir einen realistischen Rahmen, bevor das erste Gespräch beginnt.
So gehst du vor:
- Recherchiere den Median für deinen Beruf und deine Region auf bls.gov/oes.
- Nenne nicht als Erster eine Zahl, wenn es sich vermeiden lässt.
- Verhandle über das ganze Paket: Grundgehalt, Bonus, Aktienanteile, 401k-Match, Krankenversicherung, PTO und Signing Bonus.
- Frag nach, wie viel der Arbeitgeber von der Krankenversicherung übernimmt, denn hier schwanken die Unterschiede um mehrere tausend Dollar im Jahr.
- Bleib freundlich und sachlich, Verhandeln gilt nicht als Misstrauen.
Wer mit Visum einreist, etwa mit H-1B, hat zusätzlich einen Schutz: Der Arbeitgeber muss mindestens den für Beruf und Region festgelegten Prevailing Wage zahlen. Einzelheiten dazu erklärt die amtliche Seite des Arbeitsministeriums auf dol.gov.
Insidertipp
Bevor du ein Angebot annimmst, rechne es auf einen deutschen Monat um. Teile das Jahresbrutto durch zwölf, zieh die Abzüge aus der Netto-Tabelle oben ab, dann die Kaltmiete für deinen Wohnort und die erwartete Selbstbeteiligung der Krankenversicherung geteilt durch zwölf. Erst diese Zahl kannst du ehrlich neben dein deutsches Netto legen. Wer bei der Planung des Umzugs Schritt für Schritt vorgehen will, findet den Rest in der Checkliste zum Auswandern in die USA. Und frag beim Arbeitgeber nach der Summary of Benefits, dem Übersichtsblatt zur Krankenversicherung: Dort stehen Deductible und Out-of-Pocket-Maximum schwarz auf weiß.
FAQ
Sind die Gehälter in den USA höher als in Deutschland?
Brutto meistens ja, vor allem in Branchen wie IT, Medizin und Ingenieurwesen. Netto und nach Abzug von Krankenversicherung, Selbstbeteiligungen und Altersvorsorge ist der Abstand kleiner. Im Niedriglohnbereich stehen Beschäftigte in Deutschland oft besser da.
Wie viel verdient man in Amerika pro Monat?
Eine Vollzeitkraft verdient im Median gut 5.000 Dollar brutto im Monat, gerechnet aus dem Wocheneinkommen des BLS für 2025. Ausgezahlt wird meist alle zwei Wochen, ein festes Monatsgehalt im deutschen Sinn ist selten.
Wie viel Prozent der Deutschen verdienen 100.000 Euro?
Ein Jahresbrutto von 100.000 Euro erreicht in Deutschland nur eine kleine Minderheit der Vollzeitbeschäftigten, je nach Statistik etwa jeder zwanzigste bis jeder zehnte. In den USA liegt der Anteil der Personen mit sechsstelligem Gehalt höher, allerdings auch bei deutlich höheren Lebenshaltungskosten in den Städten, in denen solche Gehälter gezahlt werden.
Bin ich mit 4.000 Euro netto schon reich?
Als alleinstehende Person liegst du damit in Deutschland ungefähr beim Doppelten des mittleren Nettoeinkommens, und genau dort zieht die amtliche Statistik die Grenze zum sogenannten Einkommensreichtum. Mit Partner und Kindern sieht das anders aus, weil das Einkommen auf mehrere Personen verteilt wird. Gefühlt reich ist man damit in einer teuren Großstadt eher selten.
Wo finde ich verlässliche Daten zum Einkommen in den USA?
Die zwei wichtigsten amtlichen Quellen sind census.gov für Haushaltseinkommen und bls.gov für Löhne nach Beruf und Region. Beide veröffentlichen kostenlos und aktualisieren ihre Zahlen jedes Jahr, die Census-Daten im September, die Berufsdaten im Frühjahr.
Das Durchschnittseinkommen allein sagt dir wenig darüber, wie gut du in den USA leben wirst. Entscheidend ist dein Gehalt im Verhältnis zu Miete, Krankenversicherung und den Möglichkeiten, die dir dein Beruf und deine Karriere vor Ort eröffnen. Nimm dir die Zeit, ein Angebot für deinen konkreten Wohnort durchzurechnen, bevor du unterschreibst. Bei Steuerfragen im Einzelfall lohnt sich der Weg zu einem Fachmann, gerade im ersten Jahr mit Einkommen in zwei Ländern. Viel Erfolg bei der Verhandlung und einen guten Start im neuen Job.