Bucketliste vor dem Auswandern: Sammle Erinnerungen, bevor es in die USA geht

Die Wartezeit aufs Visum fühlt sich endlos an. Mit einer Bucketliste vor dem Auswandern machst du daraus die Zeit, in der du Menschen, Orte und Geschmäcker sammelst, die dir drüben fehlen werden.

Von MichiVeröffentlicht Aktualisiert 10 Min. Lesezeit
Bucketliste vor dem Auswandern: Sammle Erinnerungen, bevor es in die USA geht
Foto: Markus Spiske auf Unsplash

Eine Bucketliste vor dem Auswandern ist das beste Mittel gegen die zähe Wartezeit aufs Visum. Schreib auf, welche Menschen du noch treffen, welche Orte du noch sehen und was du noch essen willst, und hak es Woche für Woche ab. So wird aus dem Warten die Zeit, in der du Erinnerungen sammelst, statt nur Kartons zu packen.

Vorher steht der Papierkram. Der Visumantrag muss gestellt werden, Hab und Gut wird verpackt oder verkauft. Danach passiert lange gar nichts.

Für uns Deutsche ist das ungewohnt. Wir planen gern durch, kennen Fristen und wissen, wann ein Bescheid kommt. Beim US-Visum weißt du das oft nicht. Gleichzeitig unterschätzen die meisten, wie sehr ihnen später ganz banale Dinge fehlen werden: das Bäckerbrötchen am Sonntag, der Spaziergang durch den Stadtwald, das Bier im Biergarten mit den alten Freunden. Genau dafür ist die Liste da.

Warum lohnt sich eine Bucketliste gerade in der Wartezeit aufs Visum?

Erst mit dem Visum in der Hand kannst du die letzten Dinge vor dem Auswandern erledigen: Flug buchen, Job und Wohnung kündigen, Versicherungen auflösen. Bis dahin vergehen Tage, Wochen, Monate, und der Briefträger bringt nur Werbung und Rechnungen. Das Warten kann eine echte Plage sein, wenn du diese Zeit nicht nutzt.

Wie lange es dauert, hängt stark von der Visumkategorie ab. Bei manchen Arbeitsvisa geht es vergleichsweise zügig, bei familienbasierten Einwanderungsvisa können Jahre zwischen Antrag und Interview liegen. Die aktuellen Wartezeiten für Termine und das monatliche Visa Bulletin, die Übersicht, welche Antragsjahrgänge gerade an der Reihe sind, findest du auf travel.state.gov. Die Angaben ändern sich laufend, deshalb lohnt der regelmäßige Blick dorthin mehr als jede Faustregel aus einem Forum.

Ein Punkt wird fast immer übersehen. Sobald das Einwanderungsvisum erteilt ist, läuft eine Uhr: Es ist in der Regel höchstens sechs Monate gültig, und bis dahin musst du eingereist sein. In diese Monate fallen Kündigungsfristen, Wohnungsübergabe, Containerversand und die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Für Besuche bei der Tante im Allgäu bleibt dann kaum Luft.

Mein Rat deshalb: Arbeite die Bucketliste in der Wartezeit ab, nicht danach. Die Zeit vor dem Visum ist die ruhige Phase, auch wenn sie sich nicht so anfühlt. Wer bewusst durch die eigene Heimat geht, nimmt sie übrigens deutlich intensiver wahr. Die Liste macht aus dem Alltag etwas, das du später erzählen kannst.

Welche Menschen gehören auf deine Bucketliste vor dem Auswandern?

Natürlich hängt deine Liste von deinen eigenen Vorlieben ab. Sie sollte Dinge, Orte, Unternehmungen und Gerichte enthalten, die du in den USA vermissen wirst. Ganz oben gehören aber Menschen drauf. Manche von ihnen wirst du vielleicht nicht mehr wiedersehen.

Großeltern und ältere Verwandte einzeln besuchen

Auch wenn du ein großes Abschiedsfest mit der Familie planst, besuche deine Omas und Opas einzeln. Nimm dir für diesen Besuch Zeit, ohne Blick aufs Handy und ohne Anschlusstermin. Es kann der letzte sein. Auf einer Feier mit dreißig Leuten bekommst du keine zehn Minuten am Stück mit ihnen, und genau diese zehn Minuten sind es, an die du dich später erinnerst.

Setz aber nicht nur die Ältesten auf die Liste. Wer länger im Ausland lebt, verliert fast immer auch Menschen, mit denen er nie gerechnet hätte: den Onkel Mitte fünfzig, die Schulfreundin, den früheren Kollegen. Genau die stehen oft nicht auf dem Zettel, weil man denkt, dafür sei noch Zeit. Das ist unbequem, aber es gehört zur Wahrheit des Auswanderns.

Freunde, Paten, Nachbarn, Lehrer

Triff dich mit den Menschen, die dir wichtig sind, persönlich. Natürlich bleibst du über WhatsApp, FaceTime oder Zoom in Verbindung. Skype, früher das Werkzeug aller Auswanderer, hat Microsoft im Mai 2025 übrigens eingestellt. Aber ein Videoanruf ist nicht dasselbe wie ein Abend am Küchentisch.

Dazu kommt die Zeitverschiebung. Zwischen Deutschland und der amerikanischen Ostküste liegen sechs Stunden, zur Westküste neun. Wenn du in Kalifornien Feierabend hast, schlafen in Deutschland alle. Rund um die Zeitumstellung verschiebt sich das für ein paar Wochen um eine Stunde, weil die USA früher auf Sommerzeit umstellen und später zurück. Spontan telefonieren wird also seltener, als du es dir jetzt vorstellst.

Welche Orte und Erlebnisse in Deutschland gibt es drüben so nicht?

Jeder hat diese Orte, die einem etwas bedeuten. Das kann die Fußgängerzone deines Ortes sein, der Wald, in dem du als Kind gespielt hast, oder der Platz, an dem du deinen Heiratsantrag bekommen hast. Besuche diese Plätze ganz bewusst und sauge alles in dich auf.

Dazu kommen die Orte, die fast alle Deutschen in den USA vermissen:

  • der Biergarten unter Kastanien, mit mitgebrachter Brotzeit
  • Burgen, Schlösser und Altstädte, die älter sind als die USA selbst
  • Wald und Felder mit Wanderwegen, die direkt am Ortsrand beginnen
  • ein Spaziergang ohne Ziel durch deinen eigenen Ort, als wärst du Tourist, mit Blick auf Architektur, Gerüche und Geräusche

Der letzte Punkt klingt banal und ist der wichtigste. Wir Deutschen sind es gewohnt, zu Fuß zum Bäcker, zur Apotheke oder zur Bushaltestelle zu gehen. In weiten Teilen der USA geht ohne Auto gar nichts, Gehwege enden einfach, und der nächste Supermarkt liegt drei Meilen (knapp fünf Kilometer) entfernt an einer sechsspurigen Straße. Den Ortskern mit Marktplatz wirst du vermissen, ohne dass du es jetzt glauben magst.

Therme, Schwimmbad und Sauna

Gönn dir einen Tag in der Therme, im Hallen- oder Freibad. Schwimmen gehen kannst du in den USA auch, aber eine große Thermenlandschaft wie die Therme Erding ist dort die Ausnahme. Viele öffentliche Freibäder öffnen nur zwischen Memorial Day Ende Mai und Labor Day Anfang September. Und die deutsche Saunakultur mit Aufguss und Textilfreiheit gibt es drüben praktisch nicht. Wer in einem amerikanischen Gym nackt in die Sauna geht, sorgt für einen Skandal.

Feste, Museen und Zoo

Volksfeste und Weihnachtsmärkte vermissen viele Ausgewanderte besonders. In den USA gibt es zwar Oktoberfeste und deutsch geprägte Weihnachtsmärkte, etwa den Christkindlmarket in Chicago, aber die Stimmung im eigenen Dorf ist nicht kopierbar. Geh außerdem noch einmal in ein Museum, das deutsche Geschichte zeigt, und in den Zoo deiner Kindheit, um die Delfine oder die Eisbären zu sehen.

Mein Tipp für diese Phase: Mit dem Deutschlandticket fährst du bundesweit im Nahverkehr, Stand Oktober 2026 für 63 Euro im Monat und monatlich kündbar. Für eine Abschiedstour zu Freunden in anderen Städten ist das unschlagbar.

Was solltest du in Deutschland unbedingt noch essen?

Es gibt Speisen und Getränke, die deutsche Auswanderer in den USA fast immer vermissen. Schlag dir jetzt den Bauch damit voll, solange du kannst.

Ganz oben steht das Brot. Amerikanisches Supermarktbrot ist weich, oft gesüßt und hält wochenlang. Eine Bäckerei mit Roggenbrot, Laugenbrezeln und frischen Brötchen findest du in vielen Gegenden nicht, und wenn doch, kostet ein Laib schnell das Doppelte von dem, was du gewohnt bist. Dazu kommen Döner, Schweinebraten, Haxe, Knödel, Käsekuchen mit Quark, Leberkässemmeln, Eiskaffee und alles, was mit Quark zu tun hat.

Natürlich kannst du vieles selbst machen. Und es gibt deutsche Restaurants, vor allem in Gegenden mit deutscher Einwanderungsgeschichte wie Wisconsin, Pennsylvania, Ohio oder Texas. Auch Aldi ist in den USA vertreten und führt unter der Eigenmarke Deutsche Küche vor allem rund um Oktoberfest und Weihnachten deutsche Produkte. Ehrlich gesagt ist das aber nicht dasselbe. Die Haxe beim Lieblingswirt schmeckt nach Heimat, die im Restaurant in Ohio schmeckt nach gutem Versuch.

Nutze die Wartezeit deshalb für eine kleine kulinarische Abschiedsrunde. Geh zu dem Imbiss, an dem du nach jeder Party gelandet bist. Lass dir von Oma das Rezept für ihren Käsekuchen zeigen und schreib es mit, inklusive aller Mengenangaben, die sonst nur in ihrem Kopf existieren. In den USA misst man übrigens in Cups und Ounces. Für die Umrechnung lohnt sich später ein Einheitenrechner, aber das Rezept selbst bekommst du nur jetzt.

Welche typisch deutschen Dinge lohnt es sich zu kaufen und mitzunehmen?

Hier kommt es darauf an, wie viel du mitnehmen kannst. Im Fluggepäck sind es pro aufgegebenem Koffer meist 23 Kilo, im Umzugscontainer deutlich mehr. Diese Dinge stehen bei vielen auf der Liste:

  • deutsche Weihnachtsdekoration, Räuchermännchen, Nussknacker, Schwibbögen
  • eine Kuckucksuhr
  • Bierkrüge
  • eine Spätzlereibe oder ein Spätzlehobel
  • Tracht für das nächste Oktoberfest

In den USA gibt es nichts, was es nicht gibt, auch viele dieser Dinge. Manches ist aber schwer zu finden oder ziemlich teuer, und manches kannst du selbst machen.

Zwei Fallen solltest du kennen. Erstens der Strom: In den USA kommen 120 Volt bei 60 Hertz aus der Steckdose, in Deutschland 230 Volt bei 50 Hertz. Elektrische Lichterketten, Schwibbögen mit Netzstecker und Küchengeräte funktionieren ohne Spannungswandler nicht oder gehen kaputt. Ein Adapter allein ändert nur die Steckerform, nicht die Spannung. Kauf Deko also batteriebetrieben oder ohne Strom.

Zweitens der Zoll. Fleisch und Wurst aus der EU dürfen in aller Regel nicht in die USA eingeführt werden, auch nicht vakuumverpackt. Überraschungseier sind wegen des Spielzeugs im Inneren verboten. Schokolade, Gummibärchen, Gewürze und Backwaren sind dagegen meist kein Problem. Wichtig ist: Gib alle Lebensmittel auf dem Zollformular an. Wer etwas verschweigt und erwischt wird, riskiert Strafen bis in den vierstelligen Dollarbereich. Was erlaubt ist, steht auf der Seite der Grenzbehörde cbp.gov, die Regeln werden immer wieder angepasst.

Wie planst du die Bucketliste, damit sie nicht zum Stress wird?

Eine Bucketliste soll Freude machen, nicht zur zweiten To-do-Liste neben dem Behördenkram werden. Der Trick ist, sie nach Aufwand zu sortieren: Was braucht eine Reise, was einen freien Nachmittag, was nur einen Anruf. Dieser Ablauf hat sich bewährt:

  1. Sofort nach dem Visumantrag: Liste anlegen, in vier Spalten Menschen, Orte, Essen und Mitbringsel. Hinter jeden Punkt schreiben, ob er einen Tag, ein Wochenende oder eine Reise braucht.
  2. Solange die Wartezeit offen ist: die großen Punkte zuerst. Besuche bei Verwandten in anderen Bundesländern, Kurzreisen, Thermenwochenende. Sie lassen sich später am schlechtesten unterbringen.
  3. Saisonales einplanen: Biergarten und Freibad im Sommer, Weihnachtsmarkt im Dezember. Fällt deine Ausreise vor diese Zeit, zieh es vor oder streich es bewusst.
  4. Sobald das Visum da ist: nur noch kleine Punkte. Das Lieblingsessen, der Spaziergang durch den Ort, ein letzter Kaffee mit den Nachbarn.
  5. In der letzten Woche: nichts Neues mehr. Packen, verabschieden und Puffer lassen, denn irgendetwas geht immer schief.

Plane außerdem lieber mehr Einzeltreffen als ein großes Fest. Auf der Abschiedsparty redest du mit allen ein bisschen und mit niemandem richtig.

Insidertipp: Heb dir etwas für den ersten Heimatbesuch auf

Klingt widersprüchlich, funktioniert aber. Streich nicht alles von der Liste, bevor du gehst. Lass zwei oder drei Punkte bewusst stehen, ein Restaurant, eine Wanderung, eine Stadt, die du noch nicht kennst. Dann hat der erste Heimatbesuch ein Ziel jenseits von Pflichtterminen bei Familie und Arzt.

Und fang drüben sofort die Gegenliste an. Du wirst in den USA neue Lieblingsgerichte, Menschen und Orte finden: das Frühstück im Diner, den ersten Nationalpark, die Nachbarn, die mit Kuchen vor der Tür stehen. Wer beides sammelt, kommt schneller an, ohne die Heimat zu verlieren.

Häufige Fragen

Wann sollte ich mit der Bucketliste anfangen?

Am besten direkt nach dem Visumantrag. Dann hast du die längste Zeit und noch keinen festen Ausreisetermin, der alles zusammenschiebt.

Darf ich deutsche Lebensmittel im Koffer in die USA mitnehmen?

Teilweise. Verpackte Süßigkeiten, Kaffee, Tee, Gewürze und Brot sind meist erlaubt. Fleisch- und Wurstwaren aus der EU in der Regel nicht, Überraschungseier gar nicht. Alles Essbare gehört auf das Zollformular.

Kann ich meine deutschen Elektrogeräte in den USA weiterverwenden?

Nur, wenn sie für 110 bis 240 Volt ausgelegt sind. Das steht auf dem Netzteil. Laptops und Handyladegeräte können das fast immer, Wasserkocher, Föhn und Lichterketten meistens nicht.

Gibt es in den USA deutsche Gemeinschaften, die das Heimweh lindern?

Ja. In vielen Regionen gibt es deutsche Vereine, Gottesdienste auf Deutsch, Oktoberfeste und Weihnachtsmärkte. Besonders ausgeprägt ist das in Staaten mit starker deutscher Einwanderungsgeschichte wie Wisconsin, Pennsylvania und Texas.

Was mache ich, wenn ich nicht alles von der Liste schaffe?

Nichts. Die Liste ist kein Prüfungsbogen. Was offen bleibt, wandert auf die Liste für den ersten Heimatbesuch.

Diese Liste wird dich durch die Wartezeit tragen, und du wirst um einige Erinnerungen reicher in die USA einreisen. Nimm dir für die Menschen mehr Zeit als für die Dinge, die Kuckucksuhr kannst du zur Not auch später bestellen. Ich wünsche dir eine gute letzte Zeit zu Hause und einen leichten Start drüben.

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