Arbeitslosengeld USA: Wer Anspruch hat, wie hoch es ist und wie lange es gezahlt wird (Stand 2026)
In den USA zahlt jeder Bundesstaat sein eigenes Arbeitslosengeld, meist höchstens 26 Wochen lang und mit festem Wochendeckel. Hier liest du, wer Anspruch hat, wie viel es gibt und was danach kommt.

Ja, auch in den USA gibt es Arbeitslosengeld. Es heißt Unemployment Insurance, kurz UI, im Alltag meist nur "unemployment", und es zahlt in den meisten Bundesstaaten bis zu 26 Wochen lang einen Teil deines bisherigen Lohns. Dieser Teil ist auf einen festen Wochenhöchstbetrag gedeckelt, der je nach Staat zwischen gut 200 und über 1.000 Dollar liegt.
Wir Deutschen haben bei Arbeitslosigkeit ein festes Bild im Kopf: eine zuständige Bundesagentur für Arbeit, 60 Prozent vom Netto für bis zu ein Jahr, danach eine Grundsicherung. In den USA gibt es nichts davon in dieser Form. Jeder Bundesstaat hat eigene Regeln, eigene Beträge und eigene Fristen. Wenn das Arbeitslosengeld ausläuft, kommt für die meisten Menschen keine Anschlussleistung. Und wer neu im Land ist, ein Visum hat oder selbstständig arbeitet, fällt oft ganz durchs Raster. Genau deshalb lohnt es sich, das System zu kennen, bevor du es brauchst.
Wie funktioniert die Arbeitslosenversicherung in den USA?
Die amerikanische Arbeitslosenversicherung ist eine Partnerschaft zwischen Bund und Staaten, die seit dem Social Security Act von 1935 besteht. Die Bundesregierung in Washington setzt den Rahmen, das Department of Labor, das Arbeitsministerium, überwacht ihn. Ausgezahlt und verwaltet wird das Geld aber von der State Workforce Agency, der Arbeitsbehörde deines Bundesstaats. Die heißt überall anders: in Kalifornien Employment Development Department (EDD), in New York Department of Labor, in Texas Texas Workforce Commission.
Das Ergebnis sind faktisch über 50 verschiedene Systeme. Die Grundidee ist überall gleich: Arbeitnehmer, die ihren Job unverschuldet verlieren, bekommen für eine begrenzte Zeit einen Teil ihres Lohns ersetzt. Wie viel, wie lange und unter welchen Bedingungen, entscheidet jeder Staat selbst.
Wichtig für das Verständnis: Unemployment ist keine Sozialhilfe, sondern eine Versicherungsleistung. Du bekommst sie, weil für deine Beschäftigung Beiträge gezahlt wurden, nicht weil du bedürftig bist. Vermögen spielt keine Rolle, das Einkommen deines Partners auch nicht. Das unterscheidet sie von fast allen anderen Sozialleistungen in den USA.
Wer zahlt den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung?
In Deutschland teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung, 2026 sind das 2,6 Prozent vom Bruttolohn, also je 1,3 Prozent. Du siehst den Abzug jeden Monat auf deiner Lohnabrechnung.
In den USA zahlt in der Regel allein der Arbeitgeber. Er führt zwei Abgaben ab: die Federal Unemployment Tax (FUTA) an den Bund, nominal 6 Prozent auf die ersten 7.000 Dollar Jahreslohn je Mitarbeiter, durch eine Anrechnung meist effektiv nur 0,6 Prozent, und die State Unemployment Tax (SUTA) an den Staat. Nur in Alaska, New Jersey und Pennsylvania zahlen auch Beschäftigte einen kleinen Beitrag.
Der Haken, den kaum jemand kennt: Der Satz der SUTA richtet sich nach der Entlassungsgeschichte der Firma, dem sogenannten Experience Rating. Wer viele Leute entlässt, die dann Leistungen beziehen, zahlt künftig mehr. Deshalb widersprechen manche Arbeitgeber einem Antrag, auch wenn das für dich überraschend kommt.
Wer hat Anspruch auf Arbeitslosengeld in den USA?
Die Details unterscheiden sich, aber in jedem Bundesstaat gelten vier Grundvoraussetzungen:
- Du hast deinen Job ohne eigenes Verschulden verloren, etwa durch einen Layoff, also eine betriebsbedingte Entlassung.
- Du hast in der Base Period, dem Bemessungszeitraum, genug verdient. Meist sind das die ersten vier der letzten fünf abgeschlossenen Kalenderquartale vor deinem Antrag.
- Du bist arbeitsfähig, stehst dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und suchst aktiv eine neue Stelle ("able and available").
- Du hast eine gültige Arbeitserlaubnis, sowohl für die Zeit, in der du das Geld verdient hast, als auch während des Bezugs.
Wie viel du in der Base Period verdient haben musst, legt jeder Staat selbst fest. Viele Staaten bieten eine Alternative Base Period an, die die jüngsten Quartale berücksichtigt. Das hilft Personen, die erst kurz vor dem Jobverlust angefangen haben. Wer erst seit wenigen Wochen in den USA arbeitet, scheitert trotzdem häufig an dieser Hürde.
Was gilt bei eigener Kündigung oder Fehlverhalten?
Hier liegt der häufigste Irrtum. Wer selbst kündigt, bekommt in der Regel kein Arbeitslosengeld. Eine Sperrzeit wie in Deutschland, nach der das Geld trotzdem fließt, gibt es so nicht; der Anspruch entfällt meist ganz. Ausnahmen gibt es nur bei "good cause", also einem triftigen Grund. Was dazu zählt, regelt jeder Staat anders, zum Beispiel gefährliche Arbeitsbedingungen oder in manchen Staaten der Umzug wegen des Jobs des Ehepartners.
Wer wegen Misconduct entlassen wird, also wegen schweren Fehlverhaltens wie Diebstahl oder wiederholtem unentschuldigtem Fehlen, hat ebenfalls meist keinen Anspruch. Wer dagegen einfach nicht gut genug war oder nicht ins Team passte, bekommt das Geld in vielen Fällen trotzdem.
Das passt zum amerikanischen Arbeitsrecht: Fast alle Arbeitsverhältnisse sind "at will", der Arbeitgeber kann ohne Kündigungsfrist und ohne Begründung kündigen. Einen Kündigungsschutz wie in Deutschland gibt es nicht. Das Arbeitslosengeld ist deshalb für viele Amerikaner das einzige Polster zwischen zwei Jobs.
Was gilt mit Visum oder Green Card?
Mit Green Card bist du beim Arbeitslosengeld gestellt wie Amerikaner, solange die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Zählt wird nur Lohn aus erlaubter Beschäftigung.
Bei arbeitgebergebundenen Visa wie H-1B oder L-1 ist die Lage heikel. Nach dem Jobverlust gilt meist eine Schonfrist von bis zu 60 Tagen. Ob du in dieser Zeit als arbeitsberechtigt und verfügbar giltst, beurteilen die Staaten unterschiedlich, viele lehnen ab. Ehepartner mit eigener Arbeitserlaubnis, etwa einer EAD, können ebenfalls Probleme bekommen, wenn deren Gültigkeit am Visum des Partners hängt. Bevor du mit Visum einen Antrag stellst, klär das mit einem Immigration Attorney, einem Anwalt für Einwanderungsrecht.
Wie hoch ist das Arbeitslosengeld in New York, Kalifornien, Texas und anderen Staaten?
Die meisten Staaten ersetzen grob die Hälfte deines bisherigen Wochenlohns, berechnet aus dem besten Quartal oder einem Durchschnitt der Base Period. Darüber liegt der Wochenhöchstbetrag, die Maximum Weekly Benefit Amount. Und dieser Deckel ist der eigentliche Punkt: Wer gut verdient hat, bekommt einen viel kleineren Anteil seines Lohns, als die Formel vermuten lässt.
Die Dauer liegt in den meisten Staaten bei bis zu 26 Wochen. Einige Staaten zahlen deutlich kürzer und koppeln die Dauer an die Arbeitslosenquote. Ist die Quote niedrig, gibt es weniger Wochen. Florida und North Carolina zahlen in guten Zeiten nur 12 Wochen.
| Bundesstaat | Wochenhöchstbetrag | Maximale Dauer |
|---|---|---|
| Kalifornien | 450 Dollar | 26 Wochen |
| New York | rund 870 Dollar | 26 Wochen |
| Texas | knapp 600 Dollar | 26 Wochen |
| Florida | 275 Dollar | 12 bis 23 Wochen, je nach Arbeitslosenquote |
| Georgia | 365 Dollar | 14 bis 26 Wochen, je nach Arbeitslosenquote |
| North Carolina | 350 Dollar | 12 bis 20 Wochen, je nach Arbeitslosenquote |
| Arizona | 320 Dollar | 24 Wochen |
| Mississippi | 235 Dollar | 26 Wochen |
| Washington | über 1.000 Dollar | 26 Wochen |
| Massachusetts | über 1.000 Dollar, plus Zuschlag für Kinder | 26 Wochen |
Stand: zuletzt veröffentlichte Höchstsätze der Staaten, Herbst 2026. Mehrere Staaten, darunter New York, Texas, Washington und Massachusetts, passen ihre Beträge regelmäßig an. Den aktuellen Wert findest du auf der Seite deiner State Workforce Agency; eine Übersicht aller Staaten bietet das Arbeitsministerium auf dol.gov.
Die 26 Wochen sind die Obergrenze, nicht der Regelfall. Wer in der Base Period wenig verdient hat, bekommt in vielen Staaten auch weniger Wochen. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit kann ein Programm namens Extended Benefits bis zu 13 weitere Wochen zahlen, es springt aber nur an, wenn die Quote im Staat bestimmte Schwellen überschreitet. Die großzügigen Pandemie-Programme sind seit September 2021 beendet.
Noch etwas, das Deutsche überrascht: Eine Abfindung, in den USA Severance Pay, und ausgezahlter Resturlaub können den Beginn des Arbeitslosengeldes verschieben oder es kürzen. Wie das verrechnet wird, ist ebenfalls Sache des Bundesstaats.
Wie beantragst du Arbeitslosengeld bei der State Workforce Agency?
Du beantragst das Geld in dem Bundesstaat, in dem du gearbeitet hast, nicht zwingend dort, wo du wohnst. Hast du in mehreren Staaten gearbeitet, kannst du einen Combined Wage Claim stellen. Der Antrag läuft heute fast überall online, alternativ per Telefon.
Für den Antrag brauchst du in der Regel deine Social Security Number, die Sozialversicherungsnummer, die Namen und Adressen aller Arbeitgeber der letzten 18 Monate, Beschäftigungsdaten, den Grund für das Ende deiner Beschäftigung und eine Bankverbindung für die Zahlung. Mit Visum oder Green Card kommt die Nummer deiner Arbeitserlaubnis dazu. Viele Staaten prüfen deine Identität über den Dienst ID.me, dafür brauchst du einen Ausweis und ein Smartphone.
Nach dem Antrag bekommst du einen Monetary Determination Letter, einen Bescheid über die mögliche Höhe. Das ist noch keine Bewilligung. Parallel fragt die Behörde bei deinem früheren Arbeitgeber nach dem Kündigungsgrund. Bei Widersprüchen kann es ein Telefoninterview geben.
Waiting Week und wöchentliche Bestätigung
In den meisten Staaten ist die erste Woche eine Waiting Week, eine unbezahlte Karenzwoche. Danach musst du in regelmäßigen Abständen bestätigen, dass du weiterhin arbeitslos bist, arbeiten kannst und Stellen suchst. Das heißt Weekly Certification oder, in Staaten wie Kalifornien, alle zwei Wochen Continued Claim.
Wer diese Bestätigung vergisst, bekommt für diese Woche nichts. Die meisten Staaten verlangen außerdem eine bestimmte Zahl von Bewerbungen oder Kontakten pro Woche und eine Registrierung in der staatlichen Jobbörse. Führ eine Liste mit Datum, Firma und Art des Kontakts, denn die Behörde kann stichprobenartig nachfragen. ## Wann kommt das Geld und muss ich es versteuern?
Die erste Zahlung kommt in vielen Staaten zwei bis drei Wochen nach dem Antrag, wenn alles glatt läuft. Gibt es Rückfragen oder widerspricht dein früherer Arbeitgeber, dauert es länger, manchmal deutlich. Ausgezahlt wird per Überweisung oder auf eine staatliche Debitkarte, die dir die Behörde zuschickt.
Was Deutsche regelmäßig kalt erwischt: Arbeitslosengeld ist in den USA steuerpflichtig. In Deutschland ist das Arbeitslosengeld I steuerfrei und erhöht nur über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz auf dein übriges Einkommen. In den USA zählt jede Zahlung als Einkommen für die Bundessteuer. Ob dein Bundesstaat sie ebenfalls besteuert, ist unterschiedlich; Kalifornien, New Jersey und Pennsylvania zum Beispiel tun es nicht, die meisten anderen Staaten mit Einkommensteuer schon.
Automatisch einbehalten wird nichts, außer du beantragst es. Beim Antrag oder später über das Formular W-4V kannst du festlegen, dass pauschal 10 Prozent für die Bundessteuer abgezogen werden. Im Januar bekommst du das Formular 1099-G mit der Summe aller Zahlungen des Vorjahres, das du für deine Steuererklärung brauchst. Wer nichts einbehalten lässt, hat im April eine Nachzahlung auf dem Tisch, und das in einem Jahr, in dem das Geld ohnehin knapp war. Einzelheiten zur Besteuerung erklärt der IRS auf irs.gov; für deinen konkreten Fall ist ein Steuerberater die richtige Adresse.
Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Eine Ablehnung ist kein Endpunkt. Jeder Staat hat ein Widerspruchsverfahren, das Appeal. Die Frist dafür ist kurz und liegt je nach Staat meist zwischen 10 und 30 Tagen ab dem Datum des Bescheids. Die genaue Frist steht im Bescheid selbst, und genau dort solltest du als Erstes nachsehen.
Danach folgt in der Regel eine Anhörung bei einem Administrative Law Judge, einem Verwaltungsrichter der Behörde, oft per Telefon. Du und dein früherer Arbeitgeber schildern beide eure Sicht. Hilfreich sind schriftliche Belege: die Kündigungs-E-Mail, Nachrichten an deinen Vorgesetzten, Dienstpläne. Wer Englisch nicht sicher genug spricht, kann in vielen Staaten einen Dolmetscher anfordern; Übersetzungen der Formulare gibt es meist auf Spanisch und in einigen anderen Sprachen, auf Deutsch so gut wie nie.
Wichtig: Während das Verfahren läuft, bestätigst du weiter jede Woche deine Arbeitslosigkeit. Gewinnst du, wird für diese Wochen nachgezahlt. Hast du sie nicht bestätigt, gibt es für sie nichts. Kostenlose Hilfe bieten in vielen Staaten Legal Aid Organizations, gemeinnützige Rechtsberatungsstellen für Personen mit geringem Einkommen.
Wie sieht es im Vergleich zu Deutschland aus?
Wer aus Deutschland kommt, kennt zwei Stufen: Arbeitslosengeld I aus der Versicherung und danach die Grundsicherung nach SGB II. Diese hieß bis 2004 im ersten Teil Arbeitslosenhilfe, dann ab 2005 Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich Hartz IV, seit 2023 Bürgergeld, und wird gerade politisch erneut zur Grundsicherung umgebaut. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat zu dieser Entwicklung gute Hintergrundtexte, falls du die deutsche Seite noch einmal nachlesen willst.
Der Kern des Unterschieds:
- Arbeitslosengeld I zahlt in Deutschland 60 Prozent des pauschalierten Nettolohns, mit Kind 67 Prozent, für bis zu zwölf Monate, ab 50 Jahren länger, maximal 24 Monate. In den USA sind es meist höchstens 26 Wochen, in einigen Staaten nur 12 Wochen.
- Die Beitragsbemessungsgrenze in Deutschland liegt deutlich höher als die Deckel der US-Staaten. Gut verdienende Arbeitnehmer bekommen in Deutschland daher spürbar mehr Geld als in den meisten Bundesstaaten der USA.
- Nach dem Ende des Arbeitslosengeldes gibt es in Deutschland die Grundsicherung nach SGB II, früher Arbeitslosengeld II, die das Existenzminimum absichert. Eine vergleichbare, allgemeine Leistung für alle erwerbsfähigen Arbeitslosen kennen die USA nicht.
Dieser letzte Punkt ist der eigentliche Unterschied. In amerikanischen Medien ist oft von "welfare" die Rede, als gäbe es ein Gegenstück zum Arbeitslosengeld II. Gemeint sind aber mehrere einzelne Programme mit engen Voraussetzungen, die nicht für jeden gelten, der seinen Job verloren hat. Wer nach 26 Wochen keine neue Arbeit gefunden hat, steht in vielen Fällen ohne regelmäßiges Einkommen da.
Welche Sozialleistungen gibt es nach dem Arbeitslosengeld?
Die USA haben durchaus Sozialleistungen, nur sind sie anders aufgebaut. Sie richten sich vor allem an Familien mit Kindern, ältere Menschen, Behinderte und Haushalte mit sehr geringem Einkommen. Die wichtigsten Programme:
- SNAP, früher Food Stamps: Lebensmittelhilfe auf einer Debitkarte. Für arbeitsfähige Erwachsene ohne Kinder ist der Bezug zeitlich begrenzt, wenn sie nicht arbeiten oder an einem Programm teilnehmen.
- TANF, Temporary Assistance for Needy Families: Geldleistung für bedürftige Familien mit Kindern, auf Bundesebene begrenzt auf 60 Monate im ganzen Leben, viele Staaten setzen kürzere Grenzen.
- Medicaid: staatliche Krankenversicherung für Menschen mit geringem Einkommen, Regeln je nach Bundesstaat.
- SSI, Supplemental Security Income: Leistung für ältere, blinde oder behinderte Personen mit geringem Einkommen.
Auf die Frage, wie lange man in den USA Sozialhilfe bekommt, gibt es deshalb keine einheitliche Antwort. Bei TANF sind es höchstens fünf Jahre im Leben, bei SNAP für arbeitsfähige Erwachsene ohne Kinder oft nur wenige Monate innerhalb von drei Jahren, andere Programme laufen so lange, wie die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Höhe ist im Schnitt deutlich niedriger, als Deutsche es von der Grundsicherung kennen, und Armut nach längerer Arbeitslosigkeit ist in den USA ein reales Risiko.
Was bedeutet das für Zuwanderer?
Für Neuzugezogene gilt eine zusätzliche Hürde: Inhaber einer Green Card müssen bei vielen bedarfsabhängigen Bundesprogrammen wie SNAP, TANF oder Medicaid in der Regel fünf Jahre warten, bevor sie Anspruch haben. Mit einem Visum wie H-1B oder L-1 hast du auf diese Programme grundsätzlich keinen Anspruch. Ein Sicherheitsnetz wie das Bürgergeld für Neuankömmlinge gibt es also nicht.
Dazu kommt das Thema Public Charge. Bei einem Antrag auf Green Card prüft die Einwanderungsbehörde, ob jemand voraussichtlich auf staatliche Unterstützung angewiesen sein wird. Arbeitslosengeld zählt dabei nicht, denn es ist eine verdiente Versicherungsleistung und keine bedarfsabhängige Hilfe. Bestimmte Geldleistungen wie TANF oder SSI können dagegen eine Rolle spielen. Die Regeln dazu wurden in den letzten Jahren mehrfach geändert und stehen erneut zur Überarbeitung. Wer gerade im Green-Card-Verfahren steckt, lässt das vor jedem Antrag auf staatliche Leistungen von einem Immigration Attorney prüfen.
Was passiert mit der Krankenversicherung, wenn ich meinen Job verliere?
In Deutschland bleibt die Krankenversicherung beim Bezug von Arbeitslosengeld automatisch bestehen, die Bundesagentur für Arbeit zahlt die Beiträge. In den USA hängt die Krankenversicherung meist am Arbeitgeber, und mit dem Job endet sie oft am letzten Arbeitstag oder zum Monatsende. Das Arbeitslosengeld enthält keinen Anteil für die Versicherung.
Du hast in der Regel drei Wege:
COBRA. Ein Bundesgesetz erlaubt dir bei Arbeitgebern ab 20 Mitarbeitern, die bisherige Versicherung meist bis zu 18 Monate weiterzuführen. Du zahlst dann aber den vollen Beitrag, also auch den Anteil, den bisher die Firma übernommen hat, plus bis zu 2 Prozent Verwaltungsgebühr. Für eine Familie sind das schnell vierstellige Beträge pro Monat. Für die Entscheidung hast du 60 Tage Zeit, und die Deckung gilt rückwirkend.
Marketplace. Der Jobverlust ist ein Grund für eine Special Enrollment Period. Innerhalb von 60 Tagen kannst du über healthcare.gov oder die Börse deines Bundesstaats eine eigene Versicherung abschließen. Je nach Einkommen gibt es Zuschüsse, die die Prämie deutlich senken können. Ein niedriges Jahreseinkommen durch die Arbeitslosigkeit wirkt sich hier zu deinen Gunsten aus.
Medicaid. Ist dein Einkommen sehr niedrig, kommt je nach Staat und Aufenthaltsstatus Medicaid in Frage.
Ohne Krankenversicherung zu sein, ist in den USA keine Kleinigkeit. Ein Besuch in der Notaufnahme kann vierstellig werden, ein Krankenhausaufenthalt fünfstellig. Nutze das Zeitfenster von 60 Tagen also aktiv und verpass es nicht.
Bekommen Selbstständige und Freelancer Arbeitslosengeld?
In der Regel nicht. Weil für Selbstständige kein Arbeitgeber in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, haben sie keinen Anspruch. Das gilt für Freelancer, Inhaber einer eigenen Firma und Gig Worker, die über Apps fahren oder liefern und dafür ein Formular 1099 statt eines W-2 bekommen.
Während der Pandemie gab es mit Pandemic Unemployment Assistance eine Ausnahme für diese Gruppe. Das Programm ist seit September 2021 beendet. Eine dauerhafte Lösung auf Bundesebene gibt es nicht.
Ein Sonderfall ist die Scheinselbstständigkeit. Wer formal als Contractor geführt wird, faktisch aber wie ein Angestellter arbeitet, mit festen Zeiten, Weisungen und nur einem Auftraggeber, kann je nach Staat doch als Arbeitnehmer gelten. Einige Staaten, zum Beispiel Kalifornien, legen hier strenge Maßstäbe an. Ob das auf dich zutrifft, prüft die State Workforce Agency im Antragsverfahren.
Wer in Deutschland selbstständig war, kennt vielleicht die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Gründer. Ein vergleichbares, allgemeines Angebot für Selbstständige gibt es in den USA nicht. Rücklagen sind hier die einzige Form der Absicherung.
Was gilt, wenn ich nach dem Jobverlust zurück nach Deutschland gehe?
Das amerikanische Arbeitslosengeld ist an deine Verfügbarkeit für den US-Arbeitsmarkt gebunden. Wer dauerhaft ins Ausland zieht, steht diesem Markt nicht mehr zur Verfügung, und der Anspruch endet in aller Regel. Arbeitslosengeld aus den USA lässt sich nicht nach Deutschland mitnehmen.
Umgekehrt zählen US-Arbeitszeiten in Deutschland nicht für das Arbeitslosengeld I. Für den Anspruch brauchst du 12 Monate versicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten 30 Monaten. Zeiten in der EU, im EWR und in der Schweiz werden angerechnet, Zeiten in den USA nicht. Das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen regelt vor allem die Rente, nicht die Arbeitslosenversicherung.
Wer aus Deutschland für eine Beschäftigung in die USA geht, hat eine Möglichkeit, die viele nicht kennen: die Antragspflichtversicherung in der deutschen Arbeitslosenversicherung. Voraussetzung ist unter anderem, dass du vorher in Deutschland versicherungspflichtig gearbeitet hast, und der Antrag muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit im Ausland bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Der monatliche Beitrag ist überschaubar. Die genauen Bedingungen stehen auf arbeitsagentur.de.
Wer ohne diesen Schutz zurückkehrt und kein eigenes Einkommen hat, kann nach der Anmeldung in Deutschland die Grundsicherung nach SGB II beantragen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Für Einzelfragen ist die örtliche Arbeitsagentur oder das Jobcenter zuständig.
Checkliste: Die ersten Schritte nach dem Jobverlust
So gehst du der Reihe nach vor:
- Frag deinen Arbeitgeber schriftlich nach dem Grund der Kündigung und nach dem letzten Arbeitstag. Lass dir bestätigen, ob es ein Layoff war.
- Stell den Antrag auf Arbeitslosengeld in der ersten Woche bei der State Workforce Agency des Staates, in dem du gearbeitet hast. In vielen Staaten zählt der Antrag erst ab dem Tag der Einreichung, nicht rückwirkend.
- Leg Social Security Number, Arbeitgeberdaten der letzten 18 Monate, Bankverbindung und gegebenenfalls deine Arbeitserlaubnis bereit.
- Entscheide, ob du 10 Prozent für die Bundessteuer einbehalten lässt.
- Kläre innerhalb von 60 Tagen die Krankenversicherung: COBRA, Marketplace oder Medicaid.
- Melde dich in der Jobbörse deines Staates an und führe eine Liste deiner Bewerbungen.
- Bestätige jede Woche oder alle zwei Wochen deine Arbeitslosigkeit, ohne Ausnahme.
- Mit Visum: Sprich vor dem Antrag mit einem Immigration Attorney und behalte die Schonfrist im Blick.
Insidertipp
Stell den Antrag sofort, auch wenn du dir nicht sicher bist, ob du Anspruch hast. Viele Leute warten ab, weil sie glauben, eine Abfindung oder ein schnelles neues Jobangebot mache den Antrag überflüssig. Gerade wenn sich die Bearbeitung zieht, gehen dabei Wochen verloren, die nicht nachgezahlt werden. Ob du Anspruch hast, entscheidet die Behörde, nicht du.
Der zweite Tipp betrifft den Kalender: Viele Branchen wie Bau, Gastronomie in Ferienorten oder Einzelhandel nach dem Weihnachtsgeschäft entlassen saisonal, im Winter oder im Januar. Wer dann gleichzeitig mit vielen anderen beantragt, muss mit längeren Wartezeiten bei der Hotline rechnen. Ruf gleich morgens zur Öffnung an, und nutze, wenn möglich, nur das Online-Portal.
Und schließlich: Leg dir in guten Zeiten einen Notgroschen für drei bis sechs Monate Lebenshaltung an. Das ist in Deutschland ein netter Rat, in den USA ist es die eigentliche Absicherung, denn das Arbeitslosengeld deckt bei vielen Familien nur einen Teil der Miete.
FAQ zum Arbeitslosengeld in den USA
Wie hoch ist das Arbeitslosengeld in den USA?
Die meisten Staaten ersetzen grob die Hälfte des bisherigen Wochenlohns, begrenzt durch einen Wochenhöchstbetrag. Dieser liegt (Stand Herbst 2026) zwischen gut 200 Dollar, etwa in Mississippi, und über 1.000 Dollar, etwa in Washington und Massachusetts. Wer gut verdient hat, bekommt dadurch nur einen kleinen Teil seines früheren Lohns.
Wie lange bekomme ich in den USA Arbeitslosengeld?
In den meisten Bundesstaaten höchstens 26 Wochen, in einigen nur 12 bis 20 Wochen, je nach Arbeitslosenquote. Bei hoher Arbeitslosigkeit kann das Programm Extended Benefits bis zu 13 Wochen zusätzlich zahlen.
Wie lange bekommt man in den USA Sozialhilfe?
Eine allgemeine Sozialhilfe wie das Bürgergeld gibt es nicht. Die Geldleistung TANF für Familien mit Kindern ist auf Bundesebene auf 60 Monate im Leben begrenzt, viele Staaten setzen kürzere Grenzen. Lebensmittelhilfe über SNAP ist für arbeitsfähige Erwachsene ohne Kinder meist nur für wenige Monate möglich, wenn sie nicht arbeiten.
Welche Sozialleistungen gibt es in den USA?
Die wichtigsten sind die Lebensmittelhilfe SNAP, die Familienleistung TANF, die Krankenversicherung Medicaid und SSI für ältere oder behinderte Menschen mit geringem Einkommen. Dazu kommen Steuergutschriften wie der Earned Income Tax Credit für Geringverdiener. Für viele Zuwanderer gelten Wartezeiten oder Ausschlüsse.
In welchen Ländern gibt es kein Arbeitslosengeld?
Eine allgemeine Arbeitslosenversicherung fehlt in vielen Ländern Afrikas, Südasiens und Lateinamerikas. Indien zum Beispiel hat kein landesweites Arbeitslosengeld für alle Beschäftigten, Mexiko ebenfalls nicht, dort gibt es nur einzelne regionale Programme wie in Mexiko-Stadt. In der EU haben dagegen alle Mitgliedstaaten eine Form der Arbeitslosenversicherung.
Bekomme ich US-Arbeitslosengeld, wenn ich nach Deutschland zurückziehe?
In aller Regel nicht, weil du dem US-Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehst. In Deutschland werden US-Zeiten für das Arbeitslosengeld I nicht angerechnet. Wer vor dem Wechsel in die USA die Antragspflichtversicherung bei der Bundesagentur für Arbeit abgeschlossen hat, ist besser geschützt.
Darf ich während des Bezugs Teilzeit arbeiten?
In den meisten Staaten ja. Dein Verdienst wird gemeldet und vom Arbeitslosengeld ganz oder teilweise abgezogen, oft mit einem kleinen Freibetrag. Die genaue Verrechnung regelt jeder Bundesstaat selbst.
Arbeitslosigkeit ist in den USA kürzer abgesichert und schneller vorbei als in Deutschland, und genau das musst du einplanen, bevor es so weit ist. Kenne die Regeln deines Bundesstaats, stell den Antrag am ersten Tag und kümmere dich parallel um die Krankenversicherung. Dann bleibt dir der Kopf frei für das, worauf es eigentlich ankommt: den nächsten Job. Viel Erfolg dabei.