Veteranen und Laternen: Veterans Day und St. Martin am 11. November

Am 11. November ehren die USA ihre Veteranen, während in Deutschland die Laternen leuchten. Hier erfährst du, was an diesem Tag geschlossen ist, wie du dich richtig verhältst und wie du St. Martin in Amerika feierst.

Von MichiVeröffentlicht Aktualisiert 13 Min. Lesezeit
Veteranen und Laternen: Veterans Day und St. Martin am 11. November
Foto: David Valentine auf Unsplash

Am 11. November treffen zwei Welten aufeinander: Veteranen und Laternen. In den USA ist Veterans Day, ein Bundesfeiertag, an dem das Land alle ehrt, die in den Streitkräften gedient haben. In Deutschland ziehen am selben Tag Kinder mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen für St. Martin. 2026 fällt der 11. November auf einen Mittwoch. Der Feiertag wird also genau an diesem Tag begangen und nicht auf einen Montag verschoben.

Für uns Deutsche ist der Tag doppelt ungewohnt. Einen Feiertag, an dem Militärangehörige öffentlich gefeiert werden, kennen wir von zu Hause so nicht. Gleichzeitig fehlt hier genau das, was wir mit dem 11. November verbinden: Laternen, Martinsgans und das Lied, das man nach dreißig Jahren noch auswendig kann. Wie du dich am Veterans Day richtig verhältst, was geschlossen ist und wo du in den USA trotzdem einen Laternenumzug findest, liest du hier.

Was wird am Veterans Day gefeiert?

Der Veterans Day geht auf das Ende des Ersten Weltkriegs zurück. Der Waffenstillstand zwischen den Alliierten und Deutschland trat am 11. November 1918 um 11 Uhr in Kraft: die elfte Stunde des elften Tages des elften Monats. In den USA hieß der Gedenktag deshalb zunächst Armistice Day, also Tag des Waffenstillstands. 1938 wurde er zum gesetzlichen Bundesfeiertag.

1954 benannte der Kongress ihn in Veterans Day um. Seitdem gilt er nicht mehr nur den Soldaten des Ersten Weltkriegs, sondern allen Veterans, also allen Männern und Frauen, die in den amerikanischen Streitkräften gedient haben. Ob sie im Krieg waren oder nicht, ob sie noch leben oder nicht: Im Mittelpunkt stehen vor allem die Lebenden.

Eine kurze Episode erklärt, warum in manchen älteren Texten noch von einem Montagsfeiertag die Rede ist. Ab 1971 lag der Veterans Day für einige Jahre auf dem vierten Montag im Oktober, damit es ein langes Wochenende gibt. Das kam bei Veteranenverbänden so schlecht an, dass der Kongress den Tag 1975 zurück auf den 11. November legte, gültig seit 1978. Seitdem gilt: Der Feiertag ist am 11. November, egal welcher Wochentag. Nur wenn er auf einen Samstag fällt, haben Bundesangestellte den Freitag davor frei, bei einem Sonntag den Montag danach.

Für 2026 heißt das: Veterans Day ist am Mittwoch, 11. November. Kein langes Wochenende, sondern ein freier Tag mitten in der Woche, zumindest für alle, die überhaupt frei bekommen.

Was ist der Unterschied zwischen Veterans Day und Memorial Day?

Diese Verwechslung passiert nicht nur Deutschen, auch Amerikaner bringen die beiden Tage durcheinander. Der Memorial Day am letzten Montag im Mai ist der Tag für die Gefallenen, also für alle, die im Dienst ihr Leben verloren haben. Der Veterans Day im November ehrt alle, die gedient haben, und vor allem die, die noch leben.

Daraus folgt ein Unterschied im Ton. Am Memorial Day geht es um Trauer und Gräber, auch wenn er gleichzeitig der inoffizielle Sommeranfang mit Grillfesten ist. Am Veterans Day geht es um Dank. Wer einem Veteranen begegnet, sagt "Thank you for your service", also "Danke für deinen Dienst". Diesen Satz hörst du an diesem Tag ständig, im Supermarkt, im Restaurant, im Radio.

Dazu kommt noch ein dritter Tag, den kaum ein Deutscher kennt: der Armed Forces Day am dritten Samstag im Mai, an dem die aktiven Soldaten geehrt werden. Er ist kein freier Tag.

Der Vergleich mit Deutschland hilft beim Einordnen. Unser Volkstrauertag, 2026 am 15. November, liegt zeitlich nah am Veterans Day, entspricht inhaltlich aber eher dem Memorial Day: Er gilt den Toten von Krieg und Gewalt. Einen Tag, an dem lebende Soldaten öffentlich gefeiert werden, gibt es bei uns nicht. Das hat historische Gründe, und genau deshalb fühlt sich die amerikanische Begeisterung für Veteranen für viele Deutsche anfangs fremd an. Mein Rat: Nimm es als das, was es für die meisten Amerikaner ist. Es geht nicht um Kriegsverherrlichung, sondern um die Nachbarin, den Onkel und den Kollegen, die ein paar Jahre ihres Lebens beim Militär verbracht haben.

Was ist am Veterans Day 2026 geöffnet und was geschlossen?

Hier liegt die größte Falle für Deutsche. Wir rechnen bei einem gesetzlichen Feiertag damit, dass alles zu ist. In den USA ist ein Federal Holiday, ein Bundesfeiertag, zunächst nur ein freier Tag für Bundesangestellte. Was der Rest des Landes macht, entscheiden Staaten, Counties, Schulbezirke und Arbeitgeber selbst. Ein gesetzliches Recht auf bezahlte Feiertage gibt es für Angestellte in der Privatwirtschaft übrigens gar nicht.

Bereich Am 11. November 2026
Post (USPS) Keine reguläre Zustellung, Postfilialen geschlossen
UPS und FedEx Arbeiten in der Regel normal
Bundesbehörden (Social Security, USCIS, Passbehörde) Geschlossen, Termine werden nicht vergeben
Banken Federal Reserve geschlossen, viele Banken auch; Geldautomaten und Onlinebanking laufen
Börse (NYSE, Nasdaq) Geöffnet
Anleihenmarkt In der Regel geschlossen
Schulen Je nach Schulbezirk: viele haben frei, viele nicht
DMV, Bibliotheken, Müllabfuhr Je nach Staat, County oder Stadt unterschiedlich
Supermärkte, Kaufhäuser, Restaurants Geöffnet, oft mit Sonderangeboten

Zwei Dinge solltest du konkret prüfen. Erstens den Schulkalender deines District, also deines Schulbezirks. Ob die Kinder frei haben, steht dort und nirgendwo sonst, und es kann sich sogar zwischen Nachbarorten unterscheiden. Zweitens Behördentermine: Wer einen Termin bei der Social Security Administration oder bei USCIS braucht, bekommt für den 11. November keinen. Auch Überweisungen, die über das Bankensystem laufen, werden an diesem Tag meist nicht verbucht und kommen erst am Donnerstag an.

Weil der Veterans Day 2026 auf einen Mittwoch fällt, wirkt die Post-Pause wie ein verlorener Tag mitten in der Woche. Wer eine Frist hat, die per Post eingehalten werden muss, schickt die Unterlagen besser schon am Montag oder Dienstag ab.

Wie läuft der Veterans Day in den USA praktisch ab?

Um 11 Uhr vormittags findet die zentrale Zeremonie auf dem Arlington National Cemetery bei Washington statt. Am Grab des Unbekannten Soldaten wird ein Kranz niedergelegt, meist durch den Präsidenten oder ein Regierungsmitglied. Die Zeremonie wird im Fernsehen übertragen. Informationen zum offiziellen Programm veröffentlicht das Veteranenministerium auf va.gov.

Die bekannteste Parade ist die New York City Veterans Day Parade auf der Fifth Avenue, traditionell am 11. November selbst und eine der größten ihrer Art im Land. Daneben gibt es in unzähligen Kleinstädten eigene Umzüge mit Highschool-Bands, Feuerwehrwagen und Veteranen in Oldtimern oder auf Motorrädern. Wann und wo es bei dir eine gibt, findest du am schnellsten auf der Webseite deiner Stadt oder des örtlichen Ablegers der Veteranenverbände American Legion und VFW (Veterans of Foreign Wars).

In vielen Schulen gibt es um den Feiertag herum eine Assembly, eine Schulversammlung, zu der Veteranen eingeladen werden. Kinder basteln Dankeskarten, singen patriotische Lieder und hören Erfahrungsberichte. Wundere dich nicht, wenn dein Kind fragt, ob Opa auch beim Militär war und ob er zur Schule kommen könnte.

Dann sind da noch die Deals. Viele Restaurantketten bieten Veteranen und aktiven Soldaten am 11. November eine kostenlose Mahlzeit oder einen Rabatt an. Als Nachweis reicht je nach Laden ein Militärausweis, die VA-Karte des Veteranenministeriums, das DD-214 (die Entlassungsurkunde) oder ein Veteranenvermerk auf dem Führerschein, den viele Staaten inzwischen anbieten. Rechne in diesen Restaurants mittags mit vollen Tischen.

Für alle anderen sind die Veterans Day Sales interessant. Matratzen, Möbel, Elektronik und Kleidung werden an diesem Tag und am Wochenende davor oft reduziert. Für den Handel ist das der Auftakt der Rabattsaison, die über Thanksgiving und Black Friday bis Weihnachten läuft. Wer ohnehin eine neue Matratze braucht, muss nicht bis Black Friday warten. Gleiche aber die Preise, die Rabatte sind oft ähnlich.

Warum feiern wir in Deutschland am 11. November St. Martin?

Martin von Tours wurde um das Jahr 316 im heutigen Ungarn geboren und war, und das ist der schöne Zufall des Tages, selbst Soldat im römischen Heer. Die bekannteste Legende spielt vor den Toren von Amiens: Martin teilt im Winter seinen Mantel mit dem Schwert und gibt eine Hälfte einem frierenden Bettler. Später wurde er Mönch und schließlich Bischof von Tours. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November beigesetzt, daher das Datum.

Die Martinsgans hat ihre eigene Legende. Martin soll sich in einem Gänsestall versteckt haben, um der Wahl zum Bischof zu entgehen. Die schnatternden Gänse verrieten ihn. Praktischer ist die zweite Erklärung: Der 11. November war früher ein Zinstag, an dem Pacht in Naturalien bezahlt wurde, und vor der Fastenzeit im Advent wurde noch einmal gut gegessen.

Für Kinder ist St. Martin einer der schönsten Tage im Jahr. Wochen vorher werden in Kindergarten und Grundschule Laternen gebastelt, am Abend zieht der Umzug los, oft angeführt von einem Reiter im roten Mantel. Es wird "Ich geh mit meiner Laterne" und "Sankt Martin, Sankt Martin" gesungen, am Ende gibt es ein Martinsfeuer und einen Weckmann, je nach Region auch Stutenkerl oder Martinsmännchen genannt. Im Rheinland ziehen die Kinder danach noch von Haus zu Haus und singen für Süßigkeiten, das sogenannte Schnörzen oder Gripschen.

Und weil der 11. November in Deutschland nicht nur einen Brauch hat: Um 11:11 Uhr beginnt die Karnevalssaison. Ein fröhliches Helau und Alaaf nach Mainz, Köln und Düsseldorf. 🙂 In den USA gibt es dazu kein Gegenstück. Die Mardi-Gras-Saison in New Orleans beginnt erst am 6. Januar.

Wo findest du in den USA einen Laternenumzug?

Ehrlich gesagt ist St. Martin in den USA kaum bekannt. Frag deine amerikanischen Nachbarn nach "Saint Martin's Day", und die meisten werden an die Karibikinsel denken. Laternenumzüge gibt es trotzdem, man muss nur wissen, wo man sucht.

Die zuverlässigsten Anlaufstellen sind diese:

  • Deutsche Schulen und Samstagsschulen, an denen Kinder am Wochenende Deutschunterricht haben
  • Deutsche internationale Schulen in größeren Städten
  • Deutsch-amerikanische Vereine und Clubs, von denen es vor allem im Mittleren Westen, in Pennsylvania, Texas und im Nordosten viele gibt
  • Deutschsprachige evangelische und katholische Gemeinden
  • Waldorf-Schulen, die den Brauch als "Martinmas" oder "Lantern Walk" feiern, oft mit englischen Liedern
  • Niederländische Gemeinschaften, bei denen der Tag "Sint Maarten" heißt

Die Waldorf-Schulen sind der Geheimtipp für alle, die keine deutsche Gemeinde in der Nähe haben. Der Lantern Walk ist dort fester Teil des Schuljahres, und viele laden auch Familien von außerhalb ein. Kinder von amerikanischen Freunden lassen sich dafür übrigens leicht begeistern.

Viele Umzüge finden nicht am 11. November selbst statt, sondern am Wochenende davor oder danach, weil Eltern unter der Woche arbeiten. 2026 bieten sich der 7. und 8. sowie der 14. und 15. November an. Melde dich am besten schon im Oktober bei Verein oder Schule, denn Plätze und Termine werden oft über Newsletter und Facebook-Gruppen vergeben, die du erst finden musst.

Ein Vorteil gegenüber Deutschland: Die amerikanische Sommerzeit, Daylight Saving Time, endet 2026 am 1. November. Am 11. November ist es je nach Region schon zwischen 17 und 18 Uhr dunkel. Der Umzug kann also früh starten, und die Kleinen sind trotzdem pünktlich im Bett.

Wie feierst du St. Martin zu Hause in den USA?

Wenn es keinen Umzug in der Nähe gibt, machst du einfach deinen eigenen. Ein kleiner Laternenlauf durch die Nachbarschaft mit ein paar Familien ist schnell organisiert und für amerikanische Kinder eine echte Attraktion.

Das Bastelmaterial bekommst du in Bastelläden wie Michaels oder Hobby Lobby: Transparentpapier heißt hier "tissue paper", Tonkarton "cardstock". Fertige Papierlaternen gibt es dort auch, sie sind aber meist für Partydekoration gedacht und nicht zum Tragen. Schwieriger ist der Laternenstab. Den deutschen Stab mit Haken und LED-Lämpchen findest du online unter Begriffen wie "lantern stick LED" oder in Shops für Waldorf-Bedarf. Lass echte Kerzen weg: Viele Schulen, Parks und Wohnanlagen verbieten offenes Feuer, und trockenes Laub im Herbst ist in manchen Regionen ein ernstes Brandrisiko.

Denk an die Temperaturen. Im Süden kann ein Novemberabend mit 60 °F (16 °C) angenehm sein, im Norden und im Mittleren Westen liegst du schnell bei 30 °F (−1 °C) oder darunter.

Den Weckmann backst du am besten selbst. Hefeteig, Rosinen und als Pfeife ein Stück Holz oder eine Brezelstange, das bekommt jede amerikanische Küche hin. Deutsche Bäckereien in größeren Städten haben ihn manchmal im Angebot, darauf verlassen solltest du dich nicht.

Bei der Martinsgans wird es knifflig. Gänse sind in amerikanischen Supermärkten selten, im November liegen dort vor allem Truthähne für Thanksgiving. Gefrorene Gänse findest du am ehesten bei Metzgereien, in Feinkostläden oder auf Bestellung. Rechne damit, dass du pro Pfund deutlich mehr zahlst als für einen Truthahn, und bestell früh, weil die Nachfrage zu den Feiertagen steigt.

Insidertipp: Wie verbindest du beide Feiertage an einem Tag?

Der 11. November eignet sich perfekt, um beide Traditionen zusammenzubringen, und zwar über die Figur, die sie verbindet: Martin war Soldat, bevor er Bischof wurde. Das ist eine wunderbare Brücke, um amerikanischen Freunden und Lehrern den deutschen Brauch zu erklären. "St. Martin was a Roman soldier who shared his cloak with a beggar" versteht jedes Kind sofort.

Mein Rat für Familien: Biete der Schule deiner Kinder an, in der Klasse kurz St. Martin vorzustellen, mit einer gebastelten Laterne und dem Weckmann zum Probieren. Viele amerikanische Lehrkräfte freuen sich über Beiträge zu "Traditions around the world", gerade im November. Wenn es an der Schule eine Veterans-Day-Assembly gibt, passt die Geschichte vom teilenden Soldaten sogar inhaltlich.

Am Abend folgt dann der Laternenlauf durch die Nachbarschaft. Wenn bei euch in der Straße ein Veteran wohnt, ist ein kurzer Halt mit einem Lied und einem "Thank you for your service" eine Geste, die in Erinnerung bleibt. Genau so wird aus zwei Feiertagen ein Abend, der nach Zuhause und nach neuem Zuhause zugleich schmeckt.

Häufige Fragen zum 11. November in den USA

Darf ich "Happy Veterans Day" sagen?

Ja. Anders als beim Memorial Day, an dem "Happy" wegen des Trauercharakters manchen Amerikanern sauer aufstößt, ist der Gruß am Veterans Day üblich. Noch persönlicher ist "Thank you for your service", direkt an einen Veteranen gerichtet.

Bekomme ich als ehemaliger Bundeswehrsoldat die Veterans Day Deals?

In der Regel nicht. Die Angebote richten sich an Angehörige der amerikanischen Streitkräfte, und der Nachweis läuft über amerikanische Dokumente. Fragen kostet nichts, aber rechne nicht damit.

Habe ich als Angestellter am Veterans Day frei?

Nur, wenn dein Arbeitgeber das so festlegt. Bundesangestellte haben frei, viele Behörden der Staaten und Kommunen auch. In der Privatwirtschaft arbeiten die meisten ganz normal, denn ein Anspruch auf bezahlte Feiertage existiert in den USA nicht. Ein Blick in dein Employee Handbook, das Mitarbeiterhandbuch, klärt das.

Kostet der Eintritt in Nationalparks am Veterans Day etwas?

In den vergangenen Jahren gehörte der Veterans Day zu den Fee Free Days, an denen der National Park Service auf Eintritt verzichtet. Die Regeln wurden zuletzt mehrfach angepasst. Ob der Tag 2026 eintrittsfrei ist und für wen, steht auf nps.gov unter "Fee Free Days". Veteranen selbst erhalten unabhängig davon einen kostenlosen Jahrespass.

Am 11. November darfst du in den USA ruhig beides sein: Gast bei einer amerikanischen Tradition und Botschafter einer deutschen. Plane die Behördengänge um den Feiertag herum, schick wichtige Post rechtzeitig ab und kümmere dich früh um Laternenstab und Umzugstermin. Und dann wünsche ich dir einen leuchtenden Martinsabend, wo auch immer in Amerika du deine Laterne trägst.

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