Maine: Hauptstadt, Fakten, Steuern und Leben im Pine Tree State
Augusta ist die Hauptstadt, Portland die größte Stadt, und dazwischen liegen Wälder, Leuchttürme und ein Winter, der Deutsche gern unterschätzen. Das Staatsprofil zu Maine mit Fakten, Steuern, Alltag und Highlights.

Die Hauptstadt von Maine ist Augusta, eine Kleinstadt am Kennebec River mit knapp 19.000 Einwohnern. Die größte Stadt ist Portland an der Küste, und genau dort landen die meisten, die nach Maine ziehen oder Urlaub machen. Maine ist der nordöstlichste Bundesstaat der USA, fast vollständig bewaldet, berühmt für Hummer, Leuchttürme und den Acadia National Park.
Für uns Deutsche ist Maine ein Staat der Gegensätze. Er wirkt mit seinen Fischerdörfern und Holzhäusern vertraut, fast skandinavisch. Gleichzeitig ist er so dünn besiedelt, dass der nächste Facharzt oder Baumarkt schnell eine Stunde Autofahrt entfernt liegt. Wer Maine vom Postkartenbild her kennt, unterschätzt meist zwei Dinge: wie lang der Winter dauert und wie viel das Heizen kostet. Beides gehört in jede ehrliche Beschreibung dieses Bundesstaats, genauso wie der Charme, der ihn zum Lieblingsstaat vieler Neuengland-Fans macht.
Maine im Steckbrief: die wichtigsten Zahlen
| Merkmal | Maine |
|---|---|
| Hauptstadt | Augusta, rund 19.000 Einwohner (Census 2020) |
| Größte Stadt | Portland, rund 68.000 Einwohner (Census 2020) |
| Einwohnerzahl | rund 1,4 Millionen (Schätzung US Census Bureau, Stand Juli 2024) |
| Fläche | 35.385 Quadratmeilen (rund 91.600 km²), etwa so groß wie Portugal |
| Beitritt zur Union | 15. März 1820, als 23. Bundesstaat |
| Spitzname | Pine Tree State |
| Zeitzone | Eastern Time, wie New York (sechs Stunden hinter Deutschland) |
| Nachbarn | New Hampshire, die kanadischen Provinzen Québec und New Brunswick |
Zum Größenvergleich: Maine hat ungefähr so viel Fläche wie Portugal, aber weniger Menschen als die Stadt München. Das erklärt fast alles, was du im Alltag dort erlebst.
Wo liegt Maine und wie sieht die Landschaft an der Küste aus?
Maine sitzt ganz oben rechts auf der Karte der USA. Es ist der einzige Bundesstaat, der nur an einen einzigen anderen US-Staat grenzt, nämlich an New Hampshire im Südwesten. Ansonsten hat Maine Kanada im Norden und Osten und den Atlantik im Süden. Maine allein ist fast so groß wie die übrigen fünf Staaten Neuenglands zusammen.
Die Küste ist das, was die meisten Besucher vor Augen haben. Luftlinie misst sie nur gut 230 Meilen (rund 370 km). Rechnet man alle Buchten, Fjorde, Halbinseln und Inseln mit, kommt die Küstenlinie laut der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA auf rund 3.500 Meilen (über 5.500 km). Vor der Küste liegen mehrere tausend Inseln, von winzigen Granit-Felsen bis zur bewohnten Mount Desert Island mit dem Acadia National Park.
Im Süden ist die Küste flacher, mit Sandstränden wie in Ogunquit oder Old Orchard Beach. Ab Mitte des Staates wird sie felsig und zerklüftet, das Meer schlägt direkt gegen den Granit. Dazu kommen über 60 Leuchttürme. Der bekannteste Leuchtturm ist Portland Head Light in Cape Elizabeth, seit 1791 in Betrieb.
Wälder, Seen und Berge im Norden
Rund 89 Prozent der Fläche sind Wald, das ist der höchste Anteil aller US-Staaten. Ein großer Teil dieser Wälder im Norden gehört Holzfirmen und ist nur über private Schotterstraßen erreichbar, die sogenannten Logging Roads. Dort hast du oft stundenlang keinen Handyempfang.
Dazu kommen über 6.000 Seen und Teiche. Der größte ist der Moosehead Lake mit gut 40 Meilen (rund 65 km) Länge. Die Berglandschaft gipfelt im Mount Katahdin mit 5.267 Fuß (1.606 m), dem Endpunkt des Appalachian Trail. Für Naturliebhaber ist dieser Teil Maines ein echtes Naturparadies, mit Elchen am Straßenrand, Bibern und Seetauchern auf den Seen. Elche bekommen bei uns einen eigenen Artikel, deshalb hier nur so viel: Nimm die gelben Moose-Crossing-Schilder ernst, besonders in der Dämmerung.
Wie ist das Klima in Maine?
Maine hat vier sehr deutliche Jahreszeiten. Der Winter ist lang, kalt und schneereich. In Portland liegt der Januar-Durchschnitt bei rund 22 °F (−6 °C), im hohen Norden um Caribou bei rund 10 °F (−12 °C). Caribou bekommt im langjährigen Mittel über 100 Inches Schnee pro Winter (über 250 cm), die Küste deutlich weniger.
Der Sommer ist kurz, angenehm warm und selten drückend. Portland erreicht im Juli Tageshöchstwerte um 79 °F (26 °C), das Meer bleibt mit Wassertemperaturen meist um oder unter 60 °F (16 °C) frisch. Im April folgt die Mud Season, die Schlammsaison, wenn der Boden taut und unbefestigte Straßen kaum befahrbar sind. Viele Ferienorte haben dann geschlossen.
Wann ist die beste Zeit für den Indian Summer?
Hier lauert der erste Deutschland-Fehler. Was wir Indian Summer nennen, also das Laubfärben, heißt in den USA Fall Foliage, und die Leute, die dafür anreisen, nennen sich Leaf Peeper. Ein Indian Summer ist im amerikanischen Englisch dagegen eine warme Wetterphase im Herbst nach dem ersten Frost.
Die Laubfärbung beginnt im Norden Ende September und wandert dann Richtung Süden und Küste. Im Landesinneren ist meist Anfang Oktober Höhepunkt, an der Küste eher Mitte Oktober. Der Staat veröffentlicht ab Mitte September wöchentlich einen Foliage Report auf mainefoliage.com, das ist die beste Planungsgrundlage. Unterkünfte für den Indian Summer sind an den Oktoberwochenenden früh ausgebucht.
Maine Hauptstadt: Warum Augusta und nicht Portland?
Augusta wurde 1827 Regierungssitz und ist es seitdem geblieben. Davor tagte das Parlament in Portland. Augusta liegt zentraler, ein klassischer Kompromiss, wie ihn viele US-Staaten bei der Wahl ihrer Hauptstadt eingegangen sind. Das Kapitol, das Maine State House, wurde nach Plänen von Charles Bulfinch gebaut, der auch am US-Kapitol in Washington mitgewirkt hat.
Im Alltag spielt Augusta für Zugezogene eine kleinere Rolle, als wir Deutschen es von einer Landeshauptstadt erwarten. Viele Behördengänge, etwa beim Bureau of Motor Vehicles, also der Führerscheinbehörde, erledigst du in einer der Außenstellen oder online. Die wirtschaftlichen und kulturellen Zentren sind Portland im Süden und Bangor im Landesinneren. Portland hat eine bekannte Food-Szene, eine lebendige Musik-Szene und viele Restaurants, deren Köche auf Fisch und Meeresfrüchte von der eigenen Küste setzen.
Wie ist die Geschichte von Maine verlaufen?
Lange vor den Europäern lebten hier die Wabanaki-Völker: Penobscot, Passamaquoddy, Maliseet und Mi'kmaq. Ihre Gemeinschaften gibt es bis heute, unter anderem auf Indian Island bei Old Town und bei Perry an der Grenze zu Kanada.
1607 versuchten Engländer mit der Popham Colony an der Mündung des Kennebec eine Siedlung, die nach einem Winter wieder aufgegeben wurde. Franzosen und Engländer stritten danach über ein Jahrhundert lang um die Region. Von 1652 bis 1820 gehörte Maine zu Massachusetts. Die Loslösung kam mit dem Missouri-Kompromiss: Maine wurde als Staat ohne Sklaverei aufgenommen, Missouri als Sklavenstaat, um das Gleichgewicht im Senat zu halten.
Zwei Punkte aus der Geschichte überraschen Deutsche regelmäßig. Erstens stritten die USA und Großbritannien bis 1842 um die Grenze zu New Brunswick, der sogenannte Aroostook War von 1838/39 blieb fast unblutig. Zweitens verbot Maine schon 1851 als erster Bundesstaat den Alkohol, Jahrzehnte vor der landesweiten Prohibition. Der Dichter Henry Wadsworth Longfellow stammt aus Portland, der Horrorautor Stephen King lebt seit Jahrzehnten in Bangor.
Warum heißt Maine Pine Tree State?
Der Beiname kommt von der Weymouth-Kiefer, der Eastern White Pine, die auch Staatsbaum ist. Sie wächst gerade und sehr hoch, und genau deshalb ließ die britische Krone die größten Stämme im 18. Jahrhundert als Masten für die Royal Navy markieren. Wer einen dieser Bäume fällte, machte sich strafbar. Die Kiefer ziert bis heute Flagge und Wappen von Maine.
Wovon lebt Maine? Hummer, Holz und Tourismus
Das Markenzeichen ist der Hummer. Maine landet den Großteil des amerikanischen Hummers, in den letzten Jahren regelmäßig über 80 Millionen Pfund pro Jahr (über 36.000 Tonnen) mit einem Wert von mehreren hundert Millionen Dollar. Ganze Küstenorte hängen am Lobster Fishing. Strenge Regeln, etwa zu Mindest- und Höchstgrößen und zum Schutz eiertragender Weibchen, gelten als Grund, warum der Bestand im Golf von Maine über Jahrzehnte stabil geblieben ist. Der Klimawandel verschiebt die Bestände inzwischen allerdings weiter nach Norden.
Was ist ein Lobster Roll?
Ein Lobster Roll ist ein weiches Hot-Dog-Brötchen voller Hummerfleisch. In Maine kommt es kalt mit etwas Mayonnaise, in Connecticut warm mit Butter, und über die bessere Variante streiten Neuengländer mit Leidenschaft. Der Preis schwankt mit dem Tagespreis, auf der Karte steht oft MP für Market Price. An der Küste ist ein Lobster Roll selten unter 25 Dollar zu haben. Die regionale Küche hat mehr zu bieten: Clam Chowder, wilde Blaubeeren (Maine ist der größte Produzent in den USA) und Whoopie Pies, der offizielle Staatssnack.
Wo arbeiten die Menschen in Maine?
Die Holz- und Papierindustrie war über ein Jahrhundert der wichtigste Arbeitgeber im Landesinneren. Viele Papierfabriken haben in den letzten Jahrzehnten geschlossen, was ganze Kleinstädte hart getroffen hat. Heute sind Gesundheitswesen, Handel und Tourismus die großen Arbeitgeber. Dazu kommt der Schiffbau: Bath Iron Works baut Zerstörer für die US Navy, und die Portsmouth Naval Shipyard liegt in Kittery auf der Maine-Seite der Grenze zu New Hampshire.
Der Tourismus konzentriert sich stark auf die Monate Juni bis Oktober. Viele Jobs an der Küste sind deshalb saisonal. Der staatliche Mindestlohn liegt 2026 bei 15,10 Dollar pro Stunde, Portland hat einen eigenen, höheren.
Wie lebt es sich in Maine?
Was kostet das Leben in Maine?
Die Lebenshaltungskosten sind zweigeteilt. Im Großraum Portland sind Mieten und Hauspreise in den letzten Jahren stark gestiegen, auch weil viele Menschen aus Boston und New York zugezogen sind. Im ländlichen Norden und Osten sind Häuser dagegen deutlich günstiger, dafür sind Jobs und Infrastruktur dünner.
Der Posten, den Deutsche am häufigsten unterschätzen, ist das Heizen. Mehr als die Hälfte der Haushalte heizt mit Heizöl, das ist der höchste Anteil in den USA. Viele Häuser sind älter und schlechter gedämmt, als wir es gewohnt sind. Rechne für ein Einfamilienhaus mit Ölheizung pro Winter mit einem niedrigen bis mittleren vierstelligen Dollarbetrag. Der Staat fördert seit Jahren Wärmepumpen, die in vielen Häusern inzwischen zusätzlich laufen. Frag beim Mieten oder Kaufen immer nach den Heizkosten des letzten Winters, die Vermieter kennen sie.
Welche Steuern zahlst du im Bundesstaat Maine?
Maine erhebt eine progressive Einkommensteuer auf Staatsebene, zusätzlich zur Bundessteuer. Stand 2026 gibt es drei Stufen mit 5,8, 6,75 und 7,15 Prozent. Die Einkommensgrenzen werden jährlich an die Inflation angepasst, für 2025 setzte der Höchstsatz bei Alleinstehenden ab 63.450 Dollar steuerpflichtigem Einkommen ein. Seit Januar 2025 kommt ein Beitrag von insgesamt 1 Prozent des Lohns für die staatliche Paid Family and Medical Leave, das bezahlte Familien- und Krankheitsurlaubsprogramm, hinzu, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen.
Die Sales Tax, also die Umsatzsteuer, die erst an der Kasse auf den Preis kommt, liegt bei 5,5 Prozent. Auf Restaurantessen und Hotelübernachtungen gelten höhere Sätze. Anders als in vielen anderen Staaten gibt es keine zusätzliche lokale Sales Tax. Dafür sind die Grundsteuern, die Property Taxes, im Vergleich hoch. Selbstnutzer können eine Homestead Exemption beantragen, die den Steuerwert senkt.
Diese Angaben sind eine Einordnung, keine Steuerberatung. Steuersätze und Grenzen ändern sich, die aktuellen Werte stehen bei Maine Revenue Services auf maine.gov/revenue. Für deinen Einzelfall, besonders mit Einkommen aus Deutschland, gehört ein Steuerberater mit US-Deutschland-Erfahrung dazu.
Wie ticken die Menschen in Maine?
Maine hat das höchste Medianalter aller US-Staaten, es liegt bei rund 45 Jahren. Damit ist Maine ungefähr so alt wie Deutschland, während der US-Durchschnitt bei knapp 39 Jahren liegt. Das merkst du an Arztpraxen, die keine neuen Patienten aufnehmen, und an Betrieben, die kein Personal finden.
Die Gesundheitsversorgung ist das Unbequeme an Maine. Große Kliniken gibt es vor allem in Portland, Lewiston und Bangor. Wer im Norden lebt, fährt für Fachärzte oft zwei Stunden und mehr. Eine lange Wartezeit auf einen Hausarzt, in den USA Primary Care Physician, ist hier eher die Regel als die Ausnahme. Kümmere dich darum, bevor du einen brauchst.
Die Mainers selbst gelten als zurückhaltend, praktisch und wortkarg, was Deutschen oft sympathisch ist. Wer zugezogen ist, bleibt auch nach Jahren jemand "from away". Das ist meist eher Feststellung als Ablehnung. Und wer ein langgezogenes "Ayuh" hört, hat eben ein Ja bekommen.
Wo findest du deutsche Spuren in Maine?
Die bekannteste deutsche Spur liegt in Waldoboro an der mittleren Küste. Der Landbesitzer Samuel Waldo warb in den 1740er Jahren Familien aus dem Südwesten Deutschlands an, die sich am Fluss in der damaligen Siedlung Broad Bay niederließen. Die Anfänge waren hart: Das Land war schlechter als versprochen, und 1746 wurde die Siedlung während des Kriegs zwischen Briten und Franzosen überfallen. Weitere Siedler kamen in den 1750er Jahren nach.
Aus dieser Zeit steht noch das Old German Meeting House von 1772, die lutherische Kirche der Siedler mit ihrem Friedhof. Sie ist eines der ältesten erhaltenen deutschen Gemeindehäuser in Neuengland und im S ommer an einzelnen Tagen für Besucher geöffnet. Die Siedler nannten die Gegend am Fluss Dutch Neck. Dutch steht hier, wie so oft im kolonialen Amerika, für Deutsch und nicht für Holländisch. Wer heute durch Waldoboro fährt, findet auf alten Grabsteinen Familiennamen, die man eher in der Pfalz erwarten würde.
Einen Teil der Broad-Bay-Familien zog es nach Streitigkeiten um Landtitel später weiter. Einige gingen in den 1770er Jahren nach North Carolina. In Maine selbst gibt es heute keine große deutschsprachige Gemeinschaft wie etwa in Texas oder Pennsylvania. Deutsche Lebensmittel findest du vor allem in den größeren Supermärkten im Süden des Staates und in Spezialläden rund um Portland. Für Brot, Wurst und Feinkost lohnt sich im ländlichen Maine eher der Versand als die Suche vor Ort.
Ein zweiter Ortsname führt in die Irre: Dresden am Kennebec River trägt zwar den Namen der sächsischen Stadt, gegründet wurde die Siedlung aber im 18. Jahrhundert vor allem von französischsprachigen Protestanten. Deutsche Spuren in Maine sind also kein dichtes Netz, sondern einzelne Punkte, die man gezielt besuchen muss.
Welche Highlights sollte man in Maine gesehen haben?
Diese Liste ist bewusst knapp, kein Reiseführer und kein Inhaltsverzeichnis aller Sehenswürdigkeiten. Sie nennt die Orte, an denen du den Charakter von Maine am besten erlebst.
Acadia National Park: der einzige National Park in Neuengland
Der Acadia National Park auf Mount Desert Island ist der einzige National Park in ganz Neuengland und mit rund vier Millionen Besuchern pro Jahr einer der meistbesuchten der USA. Granitfelsen fallen direkt ins Meer, dazwischen liegen Seen, Buchenwälder und über 45 Meilen (rund 72 km) historische Carriage Roads, also für Autos gesperrte Kutschenwege, auf denen du heute Rad fährst.
Der Cadillac Mountain ist mit 1.530 Fuß (466 m) der höchste Punkt an der US-Ostküste nördlich von Brasilien bis zur kanadischen Grenze. Im Herbst und Winter sieht man von hier an manchen Tagen als Erstes in den USA die Sonne aufgehen. Für die Gipfelstraße zum Cadillac Mountain brauchst du von Ende Mai bis Ende Oktober eine Fahrzeugreservierung über recreation.gov, Plätze für den Sonnenaufgang sind schnell weg. Der Leuchtturm Bass Harbor Head Light am Südwestzipfel der Insel ist das meistfotografierte Motiv im Park.
Zum Unbequemen gehört: Bar Harbor und die Parkplätze im Park sind im Juli und August hoffnungslos voll. Nutze den kostenlosen Island Explorer Bus, der im Sommer und Frühherbst fährt. Zu den Eintrittspreisen gilt seit 2026 eine Neuerung: In mehreren großen Nationalparks zahlen Besucher ohne Wohnsitz in den USA deutlich mehr als Einheimische. Ob und wie das für deinen Besuch gilt, steht aktuell auf nps.gov/acad.
Baxter State Park und Mount Katahdin
Der Baxter State Park im Norden ist das Gegenstück zu Acadia: wild, abgelegen und bewusst ohne Komfort. Gouverneur Percival Baxter kaufte das Land aus eigener Tasche und schenkte es dem Staat mit der Auflage, es "forever wild" zu halten. Es gibt keine asphaltierten Straßen, keinen Strom, kein fließendes Wasser und kein Handynetz.
Mitten im Baxter State Park steht der Mount Katahdin, Endpunkt des Appalachian Trail. Der Aufstieg ist eine ernsthafte Tagestour über Fels und Geröll, nichts für Turnschuhe. Für die Trailhead-Parkplätze im Sommer brauchst du eine Reservierung. Fahrzeuge mit Kennzeichen außerhalb von Maine zahlen eine Eintrittsgebühr, Einheimische nicht. Die aktuellen Regeln stehen auf baxterstatepark.org. Wer im Baxter State Park übernachten will, bucht Campingplätze Monate im Voraus.
Küste, Seen und kleinere State Parks
Im Südwesten liegt Ogunquit, ein Ferienort mit langem Sandstrand und dem Marginal Way, einem gut 1,25 Meilen (2 km) langen Klippenweg am Meer. Ogunquit ist seit über hundert Jahren eine Künstlerkolonie und heute eine der bekanntesten LGBTQ-freundlichen Ferienorte an der Ostküste. Weiter nördlich lohnen Camden mit seinem Hafen und den Segelschonern sowie der Leuchtturm Pemaquid Point Light auf einer der schönsten Halbinseln der mittleren Küste.
Im Landesinneren ist der Moosehead Lake rund um Greenville das Ziel für Kanu-Abenteuer und Wasserflugzeug-Rundflüge. Wer es einfacher mag, findet in den State Parks entlang der Küste gute Badestellen und Picknickplätze, etwa im Popham Beach State Park oder im Camden Hills State Park mit Blick über die Penobscot Bay. Der Eintritt in einen State Park kostet nur wenige Dollar pro Person, für Nicht-Einwohner etwas mehr.
Wie nah liegt Kanada und was musst du an der Grenze beachten?
Kanada ist in Maine nie weit. Von Bangor bis zum Grenzübergang Calais/St. Stephen nach New Brunswick sind es rund 95 Meilen (gut 150 km), knapp zwei Stunden Fahrt. Ganz im Osten, in Lubec, führt eine Brücke direkt nach Campobello Island, wo Franklin D. Roosevelt seine Sommer verbrachte. Nach Québec führen mehrere Übergänge im Westen und Norden, die Fahrt von Portland nach Québec City dauert rund fünf Stunden.
Wir Deutschen sind an Schengen gewöhnt und vergessen schnell, dass das hier eine echte Außengrenze ist. Du brauchst einen Reisepass, und als Deutscher für die Einreise nach Kanada auf dem Landweg kein eTA, auf dem Luftweg aber schon. Wichtiger ist der Rückweg: Wer mit Visum oder ESTA in den USA ist, sollte vor einem Abstecher klären, ob die Wiedereinreise problemlos möglich ist. Bei einer Greencard ist das in der Regel unkompliziert, die Karte gehört trotzdem mit ins Handschuhfach. Plane bei kleinen Grenzübergängen die Öffnungszeiten ein, manche sind nachts geschlossen.
Insidertipp
Fahr im Herbst nicht nur an die Küste. Wenn an der Route 1 zwischen Kittery und Bar Harbor im Oktober Stoßstange an Stoßstange gefahren wird, ist das Landesinnere oft still. Die Strecke von Greenville am Moosehead Lake nach Norden Richtung Kokadjo und die Straßen rund um Rangeley im Westen zeigen den Indian Summer in voller Farbe, mit Seen statt Parkplatzsuche. Tank vorher voll, denn zwischen zwei Tankstellen können dort gut 50 Meilen (80 km) liegen. Und kauf Hummer nicht im Touristenrestaurant, sondern an einem Lobster Pound direkt am Hafen, wo du dein Tier im Becken aussuchst und an Holztischen am Wasser isst. Im Juni, bevor die Sommersaison voll anläuft, hast du die Küste mit etwas Glück fast für dich, nur die Black Flies, kleine stechende Mücken, fordern ihren Tribut. Mückenschutz gehört dann in jede Tasche.
Häufige Fragen zu Maine
Was ist die Hauptstadt von Maine?
Die Hauptstadt ist Augusta am Kennebec River, seit 1827 Sitz der Regierung. Die größte Stadt ist Portland an der Küste, die mit Abstand die meisten Einwohner hat und das wirtschaftliche Zentrum des Staates ist.
Was ist besonders an Maine?
Maine verbindet eine felsige, zerklüftete Küste mit über 60 Leuchttürmen mit einem Hinterland, das zu fast neun Zehnteln bewaldet ist. Kein anderer Bundesstaat grenzt nur an einen einzigen Nachbarstaat, und keiner hat ein höheres Medianalter. Dazu kommen Hummer als Markenzeichen, der einzige National Park Neuenglands und eine Ruhe, die man an der übrigen Ostküste selten findet.
Welche Sprache spricht man in Maine?
Die Alltagssprache ist Englisch. Ein Teil der Bevölkerung hat franko-kanadische Wurzeln, besonders in Lewiston und im St. John Valley an der Grenze zu Kanada. Dort hörst du auf der Straße und in Familien bis heute Französisch. Dazu kommen die Sprachen der Wabanaki-Völker, die in den Gemeinschaften gepflegt und wiederbelebt werden.
Was bedeutet Maine auf Deutsch?
Der Name lässt sich nicht eindeutig übersetzen, seine Herkunft ist umstritten. Eine Erklärung führt ihn auf die französische Provinz Maine zurück, eine andere auf das englische "main land", mit dem Seefahrer das Festland von den vielen vorgelagerten Inseln unterschieden. Eine einfache deutsche Entsprechung gibt es also nicht.
Wie ist das Klima in Maine?
Kontinental mit vier klaren Jahreszeiten: lange, schneereiche Winter mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, ein schlammiges Frühjahr, ein kurzer, milder Sommer und ein farbenprächtiger Herbst. Im Norden ist es spürbar kälter als an der Küste, und das Meer bleibt auch im Hochsommer frisch.
Wann ist die beste Reisezeit für Maine?
Für Strand, Wandern und Hummer sind Juli und August am besten, dann ist es aber auch am vollsten. Für die Laubfärbung sind Ende September bis Mitte Oktober ideal. Wer Ruhe sucht, nimmt den Juni oder die zweite Septemberhälfte.
Maine ist kein Staat für Eilige, aber einer, der Naturliebhaber und Menschen mit Sinn für Abgeschiedenheit belohnt. Wer hier leben will, sollte einen Winter ernst nehmen, bevor er den ersten Sommer genießt, und die Heizkosten so genau prüfen wie die Miete. Wer nur zu Besuch kommt, nimmt sich besser zwei Wochen statt einer, denn die Entfernungen sind größer, als die Karte vermuten lässt. Ich wünsche dir klare Herbsttage, einen guten Lobster Roll und am Cadillac Mountain einen Sonnenaufgang ohne Nebel.