Vermont: Hauptstadt, Fakten, Steuern und Leben im Green Mountain State
Montpelier ist die kleinste Hauptstadt der USA, Burlington die größte Stadt. Hier erfährst du, was Vermont mit Ahornsirup, Herbstlaub, langen Wintern und der Familie von Trapp verbindet.

Die Hauptstadt von Vermont ist Montpelier, eine Kleinstadt mit rund 8.000 Einwohnern. Die größte Stadt ist Burlington am Ufer des Lake Champlain. Vermont liegt im Nordosten der USA und gehört zu Neuengland. Der Bundesstaat ist bekannt für Ahornsirup, Herbstfarben, Skigebiete und eine Politik, die selbst für amerikanische Verhältnisse eigenwillig ist.
Für uns Deutsche wirkt Vermont auf den ersten Blick vertraut: Fachwerk gibt es zwar keines, aber Holzhäuser, Dorfkirchen, Milchkühe und Berge ergeben ein Bild, das eher an das Allgäu erinnert als an Hollywood. Der Unterschied steckt im Detail. Hier gibt es kaum öffentlichen Nahverkehr, die Winter dauern fast ein halbes Jahr und auf die Bundessteuer kommt eine der höchsten Einkommensteuern auf Staatsebene obendrauf.
Steckbrief: Vermont in Zahlen
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Hauptstadt | Montpelier, rund 8.100 Einwohner (Zensus 2020) |
| Größte Stadt | Burlington, rund 44.700 Einwohner (Zensus 2020) |
| Einwohner | rund 643.000 (Zensus 2020), Schätzung 2024 knapp 650.000 |
| Fläche | 24.906 km² (9.616 Quadratmeilen) |
| Beitritt zur Union | 4. März 1791, als 14. Bundesstaat |
| Spitzname | Green Mountain State |
| Zeitzone | Eastern Time (wie New York) |
Zum Vergleich: Vermont ist etwas kleiner als Brandenburg und hat weniger Einwohner als Frankfurt am Main. Nur Wyoming hat noch weniger Menschen.
Was macht Montpelier als Hauptstadt von Vermont besonders?
Montpelier ist nach Einwohnern die kleinste Hauptstadt der USA. Der Ort liegt im Washington County, im Tal des Winooski River, umgeben von bewaldeten Hügeln. Das State House mit seiner vergoldeten Kuppel ist das auffälligste Gebäude der Stadt, und du kannst es kostenlos besichtigen.
Die berühmteste Kuriosität: Montpelier ist die einzige Landeshauptstadt ohne McDonald's. Stattdessen gibt es Cafés, eine Bäckerei mit langer Schlange am Samstag und unabhängige Restaurants rund um die Main Street. Wer aus Deutschland kommt und sich unter einer Hauptstadt Regierungsviertel und Stau vorstellt, erlebt hier eher eine Kreisstadt.
Burlington ist dagegen das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Staates. Die University of Vermont, der Flughafen und die Fußgängerzone Church Street liegen hier. Wer in Vermont einen Job sucht, sucht meist zuerst in Burlington und Umgebung.
Wie sieht die Landschaft zwischen Green Mountains und Lake Champlain aus?
Die Green Mountains ziehen sich von Süden nach Norden durch den ganzen Bundesstaat. Der höchste Gipfel ist der Mount Mansfield mit 4.393 Fuß (1.339 Meter). Im Westen bildet der Lake Champlain auf rund 120 Meilen (193 Kilometer) Länge die Grenze zu New York und reicht bis nach Kanada.
Vermont ist der einzige Staat Neuenglands ohne Meeresküste. Wasser gibt es trotzdem reichlich: unzählige Seen, Flüsse und Bäche, die im Sommer zum Baden, Kajakfahren und für Wassersport genutzt werden. Im Osten grenzt New Hampshire an, im Süden Massachusetts, im Norden die kanadische Provinz Québec.
Der Name kommt übrigens genau von dieser Landschaft. Er geht auf das französische "vert mont" zurück, grüner Berg. Daher auch der Spitzname Green Mountain State.
Wie kalt wird der Winter in Vermont?
Sehr kalt, und vor allem lange. In Burlington liegt die Durchschnittstemperatur im Januar um 19 °F (minus 7 °C), in den Bergen und im Nordosten deutlich darunter. Schnee fällt meist von November bis in den April.
Danach kommt die Jahreszeit, über die kaum ein Reiseführer spricht: die Mud Season, die Schlammsaison. Wenn der Boden im Frühling auftaut, verwandeln sich viele unbefestigte Straßen in Matsch. In Vermont ist ein großer Teil der Gemeindestraßen nicht asphaltiert. Wer hier wohnt, braucht ein Auto mit Allradantrieb und Winterreifen, nicht als Luxus, sondern als Grundausstattung.
Wann ist die Herbstfärbung am schönsten?
Die Herbstfärbung, auf Englisch Fall Foliage, ist der Grund, warum viele Reisende überhaupt nach Vermont kommen. Ahornbäume leuchten rot, Birken gelb, dazwischen Orange in allen Schattierungen.
Im Norden und in den höheren Lagen beginnt die Färbung meist Ende September, im Süden und in den Tälern liegt der Höhepunkt eher in der ersten Oktoberhälfte. Der Staat veröffentlicht in der Saison einen Foliage-Bericht, der dir zeigt, wo die Farben gerade am kräftigsten sind. Rechne in diesen Wochen mit vollen Unterkünften und höheren Preisen, gerade an Wochenenden und rund um den Columbus Day.
Warum wurde Montpelier 2023 überflutet?
So friedlich die Landschaft wirkt: Vermont hat eine lange Geschichte von Überschwemmungen. Die große Flut von 1927 und der Tropensturm Irene 2011 sind bis heute im Gedächtnis.
Im Juli 2023 brachten tagelange Regenfälle die nächsten schweren Verwüstungen. In Montpelier stand die Innenstadt unter Wasser, Läden und Restaurants mussten monatelang schließen. Oberhalb der Stadt stieg der Stausee am Wrightsville Damm so stark an, dass die Behörden vor einem Überlaufen warnten. Der Damm hielt. Gouverneur Phil Scott sprach von einer historischen Katastrophe, Präsident Joe Biden erklärte den Katastrophenfall, und damit flossen Bundesmittel für Hilfsmaßnahmen über die Katastrophenschutzbehörde FEMA. Im Juli 2024 trafen erneut schwere Überschwemmungen den Staat, diesmal vor allem den Nordosten.
Das ist der unbequeme Teil für alle, die hier ein Haus suchen. Viele Häuser stehen in Flusstälern. Eine Hochwasserversicherung ist in den USA nicht Teil der normalen Gebäudeversicherung und muss separat abgeschlossen werden. Prüfe vor dem Kauf die Flood Maps, die Hochwasserkarten der FEMA, und lass dich im Einzelfall von einem Versicherungsfachmann beraten.
Warum war Vermont einmal ein eigenes Land?
Von 1777 bis 1791 war Vermont eine unabhängige Republik mit eigener Verfassung und eigener Währung. New York und New Hampshire stritten um das Gebiet, die Siedler wollten zu keinem der beiden gehören. Ihre Milizen, die Green Mountain Boys unter Ethan Allen, kämpften auch im Unabhängigkeitskrieg.
Die Verfassung von 1777 verbot als erste auf dem Gebiet der späteren USA die Sklaverei für Erwachsene. Erst 1791 trat Vermont als 14. Bundesstaat der Union bei. Dieser Eigensinn prägt das Selbstbild bis heute.
Wovon lebt Vermont?
Die Wirtschaft ist kleinteilig. Tourismus, Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Bildung und eine Reihe von Manufakturen tragen den Arbeitsmarkt. Große Konzernzentralen gibt es kaum.
Ahornsirup und die Sugaring Season
Vermont ist der größte Produzent von Ahornsirup in den USA und erzeugt rund die Hälfte der amerikanischen Menge. Geerntet wird in der Sugaring Season, meist von Februar bis April. Dann frieren die Nächte noch, tagsüber taut es, und der Saft steigt in den Bäumen. In den Sugar Houses wird er eingekocht, ungefähr 40 Liter Saft ergeben einen Liter Sirup. Beim Maple Open House Weekend im Frühling öffnen viele Betriebe ihre Türen für einen Besuch.
Ben & Jerry's, Cheddar und Milchkühe
Ben & Jerry's wurde 1978 in einer ehemaligen Tankstelle in Burlington gegründet. Die Fabrik in Waterbury bietet Führungen an, samt Flavor Graveyard, dem Friedhof für ausgemusterte Eissorten. Kinder lieben das Erlebnis. Dazu kommt Cheddar Käse, vor allem von der Genossenschaft Cabot, und eine Milchwirtschaft, die das Land sichtbar prägt.
Was kostet das Leben in Vermont und wie hoch sind die Steuern?
Vermont ist kein billiger Bundesstaat. Wohnraum ist knapp, besonders rund um Burlington und in Skiorten wie Stowe. Dazu kommen hohe Heizkosten, denn viele Häuser heizen mit Heizöl oder Propan, und der Winter ist lang.
Bei den Steuern gilt, was uns Deutsche oft überrascht: In den USA zahlst du neben der Bundessteuer meist zusätzlich eine Einkommensteuer an deinen Staat. In Vermont liegen die Sätze laut Vermont Department of Taxes zwischen 3,35 und 8,75 Prozent (Stand Oktober 2026). Die Sales Tax beträgt 6 Prozent, manche Gemeinden schlagen ein weiteres Prozent auf. Auf Restaurantbesuche und Übernachtungen wird eine eigene, höhere Steuer fällig. Steuersätze ändern sich, die aktuellen Werte stehen auf tax.vermont.gov. Für deine persönliche Lage ist ein Steuerberater die richtige Adresse.
Wie tickt Vermont politisch?
Vermont gilt als einer der progressivsten Staaten der USA. Der bekannteste Politiker ist Bernie Sanders, früher Bürgermeister von Burlington und seit 2007 parteiloser Senator in Washington. Gleichzeitig regiert mit Phil Scott seit 2017 ein moderater Republikaner als Gouverneur. Gewählt wird der Gouverneur hier alle zwei Jahre, die nächste Wahl ist am 3. November 2026.
Eine Eigenheit, die dir sofort auffällt: Werbetafeln an Straßen sind seit 1968 verboten. Keine Billboards, nur Landschaft. Wer andere Staaten der USA kennt, merkt erst hier, wie sehr die riesigen Plakate dort das Bild prägen.
Die Mentalität ist zurückhaltend, praktisch und stolz auf das Lokale. Man kauft beim Farmer, trifft sich bei der Town Meeting, der jährlichen Gemeindeversammlung im März, und ist misstrauisch gegenüber allem, was nach Kette aussieht.
Wo findest du deutsche Spuren in Vermont?
Die bekannteste deutschsprachige Verbindung ist die österreichische Familie von Trapp, deren Geschichte in "The Sound of Music" verfilmt wurde. Die Familie ließ sich 1942 in Stowe nieder, weil die Gegend sie an ihre Heimat erinnerte. Daraus entstand die Trapp Family Lodge, ein Hotel im Stil eines Alpenhofs mit Langlaufloipen, Wanderwegen und einer eigenen Brauerei, die Bier nach österreichischer Art braut. Maria von Trapp ist auf dem Familienfriedhof dort begraben.
Für Deutsche ist das ein seltsames Gefühl: Apfelstrudel, Lagerbier und Dirndl mitten in Neuengland. Ein Besuch lohnt sich, auch wenn du nur zum Essen kommst.
Welche Sehenswürdigkeiten lohnen sich in Vermont?
Statt einer langen Liste hier die Klassiker, die wirklich etwas zeigen:
- Long Trail: der älteste Fernwanderweg der USA, rund 272 Meilen (438 Kilometer) von Massachusetts bis Kanada über die Green Mountains. Für Tageswanderungen reichen einzelne Etappen.
- Überdachte Brücken: Vermont hat mehr als 100 Covered Bridges, hölzerne Brücken mit Dach, viele davon über 150 Jahre alt.
- Skigebiete: Stowe, Killington, Sugarbush und Jay Peak gehören zu den bekanntesten im Osten der USA.
- Lake Champlain: Bootstouren, Radweg auf dem Damm der alten Bahnstrecke bei Burlington, Sonnenuntergänge über den Adirondacks.
- Shelburne Farms und Shelburne Museum: Landwirtschaft, Kunst und Geschichte südlich von Burlington, gut mit Kindern.
Outdoor Aktivitäten bestimmen die Freizeit hier fast das ganze Jahr: Wandern im Sommer, Laubschauen im Herbst, Ski im Winter. Nur die Mud Season ist für Aktivitäten im Freien eher verloren.
Insidertipp
Fahr die Route 100, die sich von Süden nach Norden durch die Green Mountains zieht, vor allem im Herbst. Sie verbindet viele kleine Orte, Farmläden und Skigebiete. Starte früh am Morgen, dann hast du die Straßen fast für dich und das Licht über den Hängen ist am schönsten. Und kauf deinen Ahornsirup direkt im Sugar House, nicht im Souvenirladen am Highway.
FAQ zu Vermont
Ist Vermont ein Bundesstaat der USA?
Ja. Vermont ist seit dem 4. März 1791 der 14. Bundesstaat der USA. Davor war es 14 Jahre lang eine unabhängige Republik.
Welche ist die kleinste Hauptstadt der USA?
Montpelier, die Hauptstadt von Vermont, mit rund 8.000 Einwohnern. Sie ist auch die einzige Landeshauptstadt ohne McDonald's.
Hat Vermont nach Wyoming die wenigsten Einwohner?
Ja. Mit knapp 650.000 Menschen ist Vermont der Staat mit den zweitwenigsten Einwohnern, nur Wyoming hat weniger.
Wann ist die beste Reisezeit für Vermont?
Für die Herbstfarben Ende September bis Mitte Oktober, für Ski Dezember bis März, für Wandern und Seen Juni bis August. Den April meidest du besser wegen der Schlammsaison.
Wie kam Vermont zu seinem Namen?
Der Name stammt vom französischen "vert mont", grüner Berg, und bezieht sich auf die Green Mountains. Daher auch der Spitzname Green Mountain State.
Vermont ist kein Ort, an dem man zufällig landet. Wer hierher zieht oder reist, sucht meist genau das, was den Staat ausmacht: Ruhe, Natur und Gemeinden, in denen man sich noch kennt. Plane die Winter ehrlich ein und schau dir die Hochwasserkarten an, bevor du etwas mietest oder kaufst. Dann wartet ein Stück USA auf dich, das sich angenehm unamerikanisch anfühlt. Viel Freude beim Entdecken.