Deductible erklärt: Copay, Coinsurance und Out-of-Pocket-Maximum in der US-Krankenversicherung
Das Deductible ist die jährliche Selbstbeteiligung der US-Krankenversicherung. Hier steht, wie es mit Copay, Coinsurance und Out-of-Pocket-Maximum zusammenspielt und was du am Ende wirklich bezahlst.

Das Deductible ist der Betrag, den du pro Jahr selbst zahlst, bevor deine Krankenversicherung anteilig übernimmt. Am ehesten entspricht es einer jährlichen Selbstbeteiligung. Hat dein Plan ein Deductible von 2.000 Dollar, trägst du die ersten 2.000 Dollar an Behandlungskosten im Versicherungsjahr selbst. Danach teilst du die Kosten mit der Versicherung, bis eine Obergrenze erreicht ist.
Für uns Deutsche ist das ungewohnt. In der gesetzlichen Krankenversicherung zeigst du deine Karte, die Praxis rechnet mit der Kasse ab, und eine Rechnung siehst du fast nie. In den USA bekommst du nach einem Arztbesuch Post, und ob du 25 Dollar oder 2.500 Dollar zahlst, hängt von vier Begriffen ab: Deductible, Copay, Coinsurance und Out-of-Pocket-Maximum. Wer sie versteht, kann eine Rechnung nachvollziehen und Pläne vergleichen. Wer sie nicht versteht, schaut nur auf den Monatsbeitrag und erlebt im ersten Krankheitsfall eine teure Überraschung.
Was bedeuten Premium, Deductible, Copay und Coinsurance?
Die Begriffe tauchen in jedem Plan auf, in jeder Rechnung und in jedem Gespräch mit der Personalabteilung. Diese Tabelle ist dein Spickzettel:
| Begriff | Bedeutung | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| Premium | Monatlicher Beitrag für die Versicherung, fällig auch ohne Arztbesuch | Krankenkassenbeitrag |
| Deductible | Jährlicher Betrag, den du selbst zahlst, bevor die Versicherung anteilig übernimmt | Selbstbehalt, Selbstbeteiligung |
| Copay | Fester Betrag pro Leistung, zum Beispiel pro Arztbesuch oder Rezept | ähnlich der Zuzahlung in der Apotheke |
| Coinsurance | Prozentualer Anteil, den du nach Erreichen des Deductible trägst, etwa 20 Prozent | keine direkte Entsprechung |
| Out-of-Pocket-Maximum | Jährliche Obergrenze deiner Eigenkosten, danach zahlt die Versicherung 100 Prozent | ähnlich der Belastungsgrenze |
| In-Network | Ärzte und Kliniken mit Vertrag mit deiner Versicherung, zu ausgehandelten Preisen | Kassenarzt |
| Out-of-Network | Anbieter ohne Vertrag, deutlich teurer oder gar nicht gedeckt | Privatarzt ohne Erstattung |
| Explanation of Benefits (EOB) | Abrechnungsübersicht der Versicherung, keine Rechnung | Leistungsabrechnung |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Copay und Coinsurance. Der Copay ist ein fester Dollarbetrag, die Coinsurance ein Prozentsatz. Beim Copay weißt du vorher, was du zahlst. Bei der Coinsurance hängt es davon ab, wie teuer die Behandlung wird. Die Premium zählt übrigens bei keinem Plan zum Deductible oder zum Out-of-Pocket-Maximum. Sie ist der Eintrittspreis.
Was zahle ich am Ende selbst? Ein Rechenbeispiel mit 2.000 Dollar Deductible
Nehmen wir einen typischen Plan über den Arbeitgeber: Deductible 2.000 Dollar, Coinsurance 20 Prozent, Out-of-Pocket-Maximum 6.000 Dollar. Du hast einen Krankenhausaufenthalt, alle Anbieter sind In-Network.
Schritt 1: Die Klinik schickt ihre Rechnung an die Versicherung, sagen wir 28.000 Dollar. Die Versicherung kürzt auf den ausgehandelten Preis, den Allowed Amount, hier 15.000 Dollar. Nur dieser Betrag zählt.
Schritt 2: Die ersten 2.000 Dollar zahlst du selbst. Damit ist dein Deductible für das Jahr erfüllt.
Schritt 3: Von den restlichen 13.000 Dollar zahlst du 20 Prozent Coinsurance, also 2.600 Dollar. Die Versicherung trägt 10.400 Dollar.
Schritt 4: Deine Eigenkosten betragen 4.600 Dollar. Das liegt unter dem Out-of-Pocket-Maximum von 6.000 Dollar.
Schritt 5: Kommt im selben Jahr noch eine Operation dazu, zählst du weiter. Sobald deine Zahlungen für Deductible, Copays und Coinsurance zusammen 6.000 Dollar erreichen, übernimmt die Versicherung bis zum Ende des Versicherungsjahres alles Weitere zu 100 Prozent, solange du im Netzwerk bleibst.
Wäre der Allowed Amount 40.000 Dollar gewesen, hättest du rechnerisch 2.000 plus 7.600 Dollar Coinsurance getragen. Gedeckelt bist du aber bei 6.000 Dollar. Genau dafür existiert das Out-of-Pocket-Maximum. Am 1. Januar, oder zum Beginn deines Planjahres, startet alles wieder bei null.
Eine Ausnahme vom Deductible gibt es: Vorsorgeleistungen. Unter dem Affordable Care Act sind viele Präventionsleistungen bei In-Network-Anbietern ohne Zuzahlung abgedeckt, etwa der jährliche Check-up, empfohlene Impfungen und bestimmte Krebsvorsorgen. Aber Vorsicht: Spricht der Arzt beim Check-up ein konkretes Beschwerdebild an, kann daraus ein zusätzlicher, kostenpflichtiger Termin auf der Rechnung werden.
Copay: Was zahlst du beim Arztbesuch, und zählt er zum Deductible?
Der Copay ist das, was du direkt am Empfang bezahlst, oft schon bevor du den Arzt siehst. Typische Plantabellen nennen getrennte Beträge für den Hausarzt, den Facharzt, die Urgent Care (eine Notfallpraxis ohne Termin für nicht lebensbedrohliche Fälle) und die Emergency Room, die Notaufnahme im Krankenhaus. Die Notaufnahme liegt dabei fast immer deutlich höher als die Hausarztpraxis.
Ob der Copay zum Deductible zählt, ist die häufigste Nebenfrage. Die Antwort: meistens nicht. Bei vielen Plänen gelten Copays sofort, unabhängig davon, ob dein Deductible schon erreicht ist, und sie laufen am Deductible vorbei. Zum Out-of-Pocket-Maximum zählen sie bei ACA-konformen Plänen aber in aller Regel dazu. Ganz einheitlich ist das nicht. Die verbindliche Antwort steht in der Summary of Benefits and Coverage (SBC), einer standardisierten Leistungsübersicht, die dir jede Versicherung aushändigen muss.
Bei High-Deductible-Plänen gibt es oft gar keinen Copay. Dort zahlst du bis zum Deductible den vollen ausgehandelten Preis, danach Coinsurance.
Was ist ein Family Deductible?
Bist du mit Partner oder Kindern versichert, hat dein Plan meist zwei Werte: ein Individual Deductible pro Person und ein Family Deductible für alle zusammen. Entscheidend ist, wie die beiden zusammenspielen.
Embedded Deductible
Beim Embedded Deductible hat jedes Familienmitglied sein eigenes Deductible innerhalb des Familienbetrags. Beispiel: 2.000 Dollar pro Person, 4.000 Dollar für die Familie. Bricht sich dein Kind den Arm, übernimmt die Versicherung nach 2.000 Dollar anteilig für dieses Kind, auch wenn sonst niemand krank war. Ist der Familienbetrag von 4.000 Dollar über mehrere Personen erreicht, gilt das Deductible für alle als erfüllt.
Non-embedded Deductible
Beim Non-embedded Deductible zählt nur der Familienbetrag. Erst wenn die ganze Familie zusammen beispielsweise 4.000 Dollar gezahlt hat, beginnt die Versicherung zu teilen. Das ist bei High-Deductible-Plänen verbreitet. Ein Trost: Für das Out-of-Pocket-Maximum schreibt der ACA vor, dass keine Einzelperson in einem Familienplan mehr als die gesetzliche Einzelgrenze tragen muss, für 2026 sind das 10.600 Dollar (Stand Oktober 2026).
Warum In-Network über die Rechnung entscheidet
In Deutschland ist fast jeder niedergelassene Arzt Kassenarzt. In den USA hat jede Versicherung ihr eigenes Netzwerk, und das kann die Praxis um die Ecke ausschließen. Out-of-Network zahlt deine Versicherung je nach Plan weniger oder gar nichts. Viele Pläne haben dafür ein eigenes, höheres Deductible, und was du dort zahlst, zählt nicht zum In-Network-Maximum.
Dazu kommt das Balance Billing: Ein Anbieter ohne Vertrag darf dir grundsätzlich die Differenz zwischen seinem Preis und dem, was die Versicherung zahlt, in Rechnung stellen. Dagegen schützt dich seit 2022 der No Surprises Act, allerdings nur in bestimmten Fällen: bei Notfällen und wenn du in einer In-Network-Klinik von einem Arzt behandelt wirst, den du dir nicht aussuchen konntest, zum Beispiel dem Anästhesisten. Bei geplanten Behandlungen bei einem Anbieter außerhalb des Netzwerks greift der Schutz nicht automatisch.
Ruf deshalb vor jedem neuen Arzt bei der Praxis an und frag wörtlich: "Are you in-network with my plan?" Nenn dabei den genauen Plannamen, nicht nur den Versicherer. Gleiche die Antwort zusätzlich mit dem Provider Directory auf der Webseite deiner Versicherung ab, denn eine Praxis kann mit einem Plan des Versicherers Vertrag haben und mit dem nächsten nicht.
High Deductible Health Plan und HSA: Warum Beiträge tax deductible sind
Ein High Deductible Health Plan (HDHP) hat eine niedrigere Premium und ein höheres Deductible. Für 2026 gilt ein Plan als HDHP, wenn das Deductible mindestens 1.700 Dollar für Einzelpersonen und 3.400 Dollar für Familien beträgt. Die Out-of-Pocket-Grenze darf 8.500 beziehungsweise 17.000 Dollar nicht überschreiten (Stand Oktober 2026). Seit 2026 gelten außerdem Bronze- und Catastrophic-Pläne aus dem Marketplace als HSA-fähig.
Wer einen HDHP hat, darf ein Health Savings Account (HSA) eröffnen, ein Gesundheitssparkonto. Hier kommt die Steuer ins Spiel: Einzahlungen sind tax deductible, also von der Steuer absetzbar, oder sie laufen beim Arbeitgeber direkt vor Steuern vom Gehalt ab und senken so dein taxable income, das zu versteuernde Einkommen. Erträge auf dem Konto bleiben steuerfrei, und Auszahlungen für anerkannte medizinische Ausgaben (qualified medical expenses) ebenfalls. Das Geld verfällt nicht, es bleibt dir auch beim Jobwechsel.
Die Höchstbeträge für 2026 laut IRS: 4.400 Dollar für Einzelpersonen, 8.750 Dollar für Familien, ab 55 Jahren 1.000 Dollar zusätzlich. Die Werte für 2027 veröffentlicht der IRS jeweils im Frühjahr, aktuell stehen sie auf irs.gov.
Die Flexible Spending Account (FSA) ist das kleinere Geschwisterkind. Sie läuft immer über den Arbeitgeber, braucht keinen HDHP, und die Einzahlungen sind ebenfalls steuerfrei. Für 2026 liegt das Limit bei 3.400 Dollar. Der Haken: Geld, das du bis zum Ende des Planjahres nicht ausgibst, verfällt grundsätzlich. Manche Arbeitgeber erlauben einen kleinen Übertrag von bis zu 680 Dollar oder eine Nachfrist von zweieinhalb Monaten, aber nicht beide Varianten. Ob sich HSA oder FSA für deine Situation lohnt, ist eine steuerliche Frage. Lass das im Einzelfall von einem Steuerberater mit US-Erfahrung prüfen, besonders wenn du auch in Deutschland steuerpflichtig bist, denn Deutschland erkennt den Steuervorteil der HSA nicht automatisch an.
Was Deutsche bei der US-Krankenversicherung falsch einschätzen
Der Vergleich zu Hause hilft, die Fallen zu sehen. In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du beim Arzt nichts, in der Apotheke zehn Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Medikament, und im Krankenhaus 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage. Über allem liegt die Belastungsgrenze von zwei Prozent des Bruttoeinkommens. Ein vierstelliger Eigenanteil ist praktisch ausgeschlossen. In den USA ist er bei einem einzigen Krankenhausaufenthalt der Normalfall.
Daraus ergeben sich drei typische Fehler:
- Nur auf die Premium schauen. Ein Plan mit 150 Dollar weniger Monatsbeitrag spart 1.800 Dollar im Jahr. Ist sein Deductible dafür 4.000 Dollar höher, reicht ein einziger Unfall, damit die Rechnung kippt.
- Das Netzwerk ignorieren. Der beste Plan nützt nichts, wenn dein Kinderarzt nicht drin ist.
- Rechnungen ungeprüft zahlen. Fehlerhafte Abrechnungen, doppelt berechnete Leistungen und falsche Codes kommen häufig vor.
Unbequem, aber wahr: Selbst mit guter Versicherung ist ein Out-of-Pocket-Maximum von mehreren Tausend Dollar realistisch erreichbar. Plane diesen Betrag als Notreserve ein, nicht als theoretischen Wert.
Insidertipp: Erst die Explanation of Benefits, dann die Rechnung
Zahl keine Arztrechnung, bevor die Explanation of Benefits deiner Versicherung da ist. Die EOB kommt per Post oder ins Online-Portal und zeigt, was der Anbieter verlangt hat, welchen Allowed Amount die Versicherung anerkennt, was sie zahlt und was auf dich entfällt. Oben steht meist "This is not a bill".
Lege beides nebeneinander. Verlangt die Praxis mehr als die Zeile "Patient Responsibility" in der EOB, ruf an. Oft wurde die Rechnung vor der Abrechnung mit der Versicherung verschickt. Stimmt etwas nicht, verlange eine itemized bill, eine Einzelaufstellung. Viele Krankenhäuser bieten außerdem zinslose Ratenzahlung an, wenn du direkt danach fragst.
FAQ
Was heißt deductible auf Deutsch?
Wörtlich "abziehbar". Bei der Krankenversicherung bedeutet es Selbstbehalt oder Selbstbeteiligung. Im Steuerkontext heißt "deductible" dagegen absetzbar.
Was bedeutet deducting?
"Deducting" heißt abziehen. Bei der Steuer meint es, Ausgaben vom Einkommen abzusetzen. Auf einer Lohnabrechnung stehen unter "Deductions" alle Beträge, die vom Bruttolohn abgehen, etwa Krankenversicherungsbeiträge oder 401(k)-Einzahlungen.
Was bedeutet "tax deducted"?
"Tax deducted" bedeutet, dass Steuer bereits einbehalten wurde, zum Beispiel vom Arbeitgeber auf dein Gehalt. Nicht verwechseln mit "tax deductible": Das beschreibt Ausgaben, die du steuerlich absetzen kannst.
Gibt es auch Pläne ohne Deductible?
Ja, vor allem bei manchen Arbeitgeber-Plänen und HMOs. Dafür ist die Premium meist deutlich höher.
Wann setzt sich das Deductible zurück?
Zum Beginn des Planjahres, meist am 1. Januar. Manche Arbeitgeber-Pläne laufen auf einem abweichenden Jahr, das steht in deinen Planunterlagen.
Für alle Begriffe gibt es ein amtliches Glossar auf healthcare.gov, und deine Versicherung muss dir die Summary of Benefits and Coverage auf Anfrage zuschicken. Leg dir beides einmal hin, bevor du krank wirst, nicht danach. Dann bleibt die Post vom Krankenhaus eine Rechnung und kein Schock. Bleib gesund.