Fern der Heimat und doch Zuhause?

Mein Beitrag zur Blogparade „Fern der Heimat und doch Zuhause

Vor einiger Zeit hatte ich die Blog Parade zu dem Thema „Fern der Heimat und doch Zuhause?“ gestartet.

Ich muss aber gestehen, ich habe mich selber um das schreiben, eines Artikels gedrückt. Das liegt einfach daran, das dies wohl ein sehr persönlicher Blogpost wird. In diesem Bericht wird es auch um den Preis gehen, den man für ein Leben in der Ferne zahlt.

Es gibt verschiedene Gründe, die einem in die USA auswandern lassen. Viele leben in den USA wegen der Karriere, oder weil die USA für sie schon immer ein Traum war.

Auswandern in die USA und Leben in den USA

Ich persönlich bin hier, weil ich mich in einen Amerikaner verliebt und geheiratet habe. Bevor unserer Verlobung, hatte ich nie ernsthaft ans Auswandern gedacht.  Als ich den Visumsantrag stellte, war ich über 40 Jahre alt und hatte nie außerhalb Bayerns gewohnt. Mein Englisch war nicht besonders gut.

Ich bereue das Auswandern in die USA nicht! Ich hatte einen guten Grund, ich liebe meinen Mann und wo wir zusammen sein können, ist zu Hause, aber…..

… das Leben in einem anderen Land / auf einem anderen Kontinent bringt auch ungewohntes und Probleme.

Ich schreibe das nicht, um dieses Land schlecht zu machen, oder jemandem den Traum vom Auswandern in die USA zu vermiesen. Aber man sollte den Preis kennen.

Ich lebe seit 5 Jahren in den USA. Am Anfang hatte ich große Probleme mich einzugewöhnen. Mein Englisch war nicht so gut und mit meinem Alter war ich schon etwas in bestimmte Abläufe gewöhnt. Wenn man beispielsweise über 40 Jahre bei einem Preis ein Komma gemacht hat, ist es schwer, sich nun an einen Punkt zu gewöhnen.

 

Die Problemchen fern der Heimat

Natürlich gibt es hier auch kulturelle Unterschiede, an die man sich auch erst einmal gewöhnen muss.

Die Menschen sind hier unglaublich höflich, sogar wenn sie dir etwas Negatives sagen wollen. Es ist wirklich toll, das Amerikaner so höflich und nett sind, aber manchmal wünsche ich mir wirklich, sie würden mal endlich direkt sagen, was sie wollen. Ich bin einfach an bayerische Direktheit gewöhnt, mit diesem subtilen zwischen den Zeilen lesen, habe ich so meine Probleme.

In vielen Dingen hat man in den USA komplett umzulernen, beispielsweise gibt es hier nicht das metrische System, Nummern werden anders geschrieben und auch das Datum wird verdreht.

Einige Dinge an die man aus Deutschland gewohnt ist, gibt es in den USA nicht, oder sind sehr teuer. Oft sind es einfache Dinge wie Brot oder Döner, aber auch das schlendern in der Fußgängerzone, das gemütliche beisammensitzen im Biergarten oder der Kaffeeklatsch mit Freundinnen.

Nach dem Auswandern gibt es viele erste Male, das erste mal Tanken an einer amerikanischen Tankstelle, das erste mal am Highway fahren, das erste Mal einkaufen in den USA und viele andere erste Male. Man muss sich auch an neue Produkte gewöhnen.

Dies sind nur einige Beispiele meiner anfänglichen Problemchen. Ich habe mich inzwischen schon an vieles gewöhnt und würde einiges davon in Deutschland vermissen.
Die Amerikaner sind (so sind zu mindestens meine Erfahrungen) sehr tolerant und hilfsbereit, dies hat vieles einfacher gemacht.


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Kommen wir nun von den Problemchen zu den Problemen!

Wenn du deine Heimat verlässt, lässt du auch ein Sicherheitsnetz hinter dir. In Deutschland ist man für den Notfall ziemlich gut abgesichert. Wenn alle Stricke reißen, kann man immer noch Harz 4 beantragen. Man muss bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder anderen Katastrophen nicht Angst haben auf der Straße zu landen. Diese Sicherheit fällt in den USA weg, es sei denn, man kann sich selber versichern, was sehr teuer ist. Hilfen für in Not geratene gelten oft nicht für Ausländer, die noch keine 5 Jahre in den USA leben.
Zusätzlich fällt auch noch das soziale Netz an Freunden und Verwandten weg.

 

Aber das Schwerste für mich, fern der Heimat, sind vermisste Umarmungen

Wer mich kennt, weiß ich bin kein Fan von Umarmungen. Aber es gibt Situationen, da hilft ein Chat auf Facebook oder Skype nichts, da wäre die einzig angebrachte Reaktion eine Umarmung.
Bei unserer Hochzeit war von meiner Seite nur meine Tochter, die mich netterweise zum Justis of Peace geführt hat. Diesen besonderen Tag hätte ich gerne mit meiner Familie geteilt. Leider konnte der Rest der Familie nicht anreisen.
Mein Mann und ich hatten ein Baby verloren und keiner meiner Freunde oder Familie konnte mich umarmen.

In den 5 Jahren, seit ich hier lebe, sind 3 Verwandte in Europa gestorben. Ich konnte mich nicht verabschieden, nicht zur Beerdigung und nicht die Hinterbliebenen umarmen.

Diese vermissten Umarmungen sind der Preis, den ich zahle, um mit meinem Mann glücklich zu sein.

Ich habe Glück mein Mann ist diesen Preis wert. Könnte ich die Zeit zurückdrehen und noch einmal entscheiden, ich würde wieder in die USA zu meinem Mann ziehen. Ich bin hier mit meinem Mann zu Hause, aber fern der Heimat.

 

Ich schreibe diesen Artikel nicht für Beileidsbekundungen. Viele sehen von mir (und anderen Auswanderern) nur die glücklichen Bilder die wir auf Facebook &Co posten. Und diese glücklichen Bilder sind wahr und echt. Aber es gibt eben auch die traurigen Augenblicke, die man nicht in Bildern festhält und nicht auf Facebook postet. Diesen Augenblicken habe ich diesen Beitrag gewidmet.

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Der Preis des auswanderns - Fern der Heimat

Beitrag überarbeitet am 25. Mai 2017

Über

Der Liebe wegen bin ich 2012 von Bayern nach Connecticut in die USA gezogen. Mit 2 Koffern und wenig Wissen über Amerika bin ich damals in ein neues Leben geflogen. Seit dieser Zeit, habe ich viel neues über das Leben in den USA gelernt. Es gibt einige Tricks, die das Leben in den USA einfacher und billiger machen. Ich teile meine Tricks und Tipps gerne meinen Lesern.

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12 Kommentare zu “Fern der Heimat und doch Zuhause?
  1. Anonymous sagt:

    Hallo Stefanie,
    das ist wirklich eine tolle Geschichte und ich wünche dir noch alles Gute in den USA. Für mich persönlich, glaub´ ich, wäre Auswandern nichts, ich könnte mir höchstens vorstellen, in den Staaten mal Urlaub zu machen. Das würde mir schon reichen. Grüße aus Bayern von Geri.

  2. Stefanie sagt:

    Danke für den Kommentar. Ich konnte mir das auch nicht vorstellen, das hat sich für mich wirklich sehr plötzlich und schnell entschieden. Gruß zurück an die Heimat.

  3. Anonymous sagt:

    War auch schon weit über 40 als ich in die USA kam und konnte so gut wie gar kein Englisch ..eigentlich mehr verstehen als sprechen am Anfang.
    Hatte eine sehr liebe Nachbarin ,mit der ich noch heute befreundet bin, von ihr habe ich sehr viel gelernt und nicht nur sprachlich sondern auch kulturell und was,wie, wo so gehandhabt wird.
    Gruß aus Florida !

  4. Stefanie sagt:

    Danke für das Kommentar. Das ist schön wen man jemanden hat, der einen hilft.

  5. Elisabeth Mestlin sagt:

    Ach ja bei mir ist es schon 47 Jahre her ,all meine Kinder ,Enkel und sogar Urenkel sind hier . Noch hab ich Geschwister in Deutschland .solange ich noch lebe werde ich in 2 Ländern meine Heimat haben .is so .

  6. Stefanie sagt:

    Danke für dein Kommentar Elisabeth. Ich glaube die Heimat vergisst man nie.

  7. Monika Wilson sagt:

    Hallo Stefanie, Ich lebe seit 1990 in SW Florida und fuehle mich nach wie vor sehr wohl hier. Von Deutschland vermisse ich wenig und m ein zuHause ist hier. Natuerlich ist 27 Jahre eine lange Zeit und obwohl ich jedes Jahr nach Deutschland fliege (in Urlaub) ist mir in Deutschland einiges fremd. Also entweder habe ich mich geaendert oder aber Deutschland hat sich veraendert. Ich glaube auch – ich wuerde mich mit einem Leben in Deutschland nicht mehr zurecht finden. Was Du allerdings schreibst bezueglich Familie ist absolut richtig. Meine Eltern werden aelter und moechten nicht mehr so weit reisen. Ich habe meine Grossmutter verloren und 1 Tante und 1 Onkel und koennte halt nicht mal schnell nach Deutschland, um mich von ihnen zu verabschieden. Dass ist traurig. Jedenfalls wuensche ich dir viel Erfolg und Glueck in deiner neuen Heimat
    Monika

  8. Stefanie sagt:

    Vielen Dank für das nette Kommentar Monika.

  9. Elke Kelly sagt:

    Hallo Steffanie, ich lebe hier seit 6 Jahren und ich wusste nicht viel ueber Amerika. Hatte einigermassen gute Englischkenntnisse zu bloed, dass sie hier amerikanischen slang reden. Musste mich auch umgewoehnen, besonders an das Wetter in Georgia, das andere Essen und dass mich eine Serviererin „Suesse“ auf englisch nennt. Nur einen Monat nach dem ich hier hingezogen bin, ist meine Mutter gestorben. Ich hatte versucht mich vorher von ihr zu verabschieden. Manche Dinge gehen eben nicht. Auch ich vermisse meine deutschen Familienmitglieder. Mein Mann war es mir wert hier her zu ziehen und ich bereue es nicht. Ausserdem habe ich auf Facebook viele Deutsche Frauen getroffen, denen es so aehnlich geht wie mir. Das hilft etwas und ich versuche nun hier in den USA Zuhause zu sein. Gehe zum Sprachkurs oder zu anderen Veranstaltungen um Amerikaner kennen zu lernen. Das heisst ich veruche daraus das Beste zu machen. Zuhause ist, wo das Herz ist.

    Elke

  10. Stefanie sagt:

    Danke Elke für dein nettes Kommentar. Es ist gut zu hören, das es nicht nur mir so geht. Das mit deiner Mutter tut mir leid. Aber es ist auch schön, dass du mit deinem Mann die richtige Wahl getroffen hast.

  11. Elke Kelly sagt:

    Hallo Stefanie, meine Mutter war schon 92 Jahre alt und sie war bereit zum Steben. Das hat sie mir des oefteren gesagt, da sie mehrere gesundheutliche Beschwerden hatte. Bevor sie gestorben ist, hat man sie noch am Darm operiert. Darmblutungen, bei der Operation haben die Aerzte einen Tumor entdeckt. Sie ist dann den naechsten Tag einfach nicht mehr aufgewacht. Ich denke dort, wo sie ist geht es ihr nun besser. Es kommt immer darauf an, wie man die Dinge sieht. Yesterday is History, Tomorrow a Mystery, Today is a Gift, Thats why it’s called the Present“. (:

  12. Stefanie sagt:

    Hallo Elke, vielen Dank für das nette Kommentar und mein Beileid.

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