Ohio: Hauptstadt, Fakten, Steuern und Leben im Buckeye State
Ohio ist günstiger, deutscher und vielseitiger, als sein Ruf vermuten lässt. Hier findest du Hauptstadt, Fakten, Steuern, Wohnkosten und die besten Ziele im Buckeye State.

Ohio liegt zwischen dem Lake Erie im Norden und dem Ohio River im Süden. Die Hauptstadt ist Columbus, und Columbus ist zugleich die größte Stadt. Wer an Ohio denkt, hat oft Stahlwerke und Wahlabende im Kopf. Beides gehört dazu, erzählt aber nur die halbe Geschichte. Ohio hat einen der größten Uni-Campusse der USA, Konzernzentralen wie Procter & Gamble, einen Freizeitpark mit Weltruf für Achterbahnen und mehr deutsche Spuren als fast jeder andere Bundesstaat.
Für uns Deutsche ist Ohio noch aus einem anderen Grund interessant. In vielen Städten zahlst du Einkommensteuer nicht nur an Washington und an den Staat, sondern zusätzlich an die Kommune. Das kennt man aus Deutschland so nicht, und es steht selten in einer Stellenausschreibung. Dafür ist Wohnen deutlich günstiger als im US-Schnitt. Man unterschätzt diesen Staat leicht.
Ohio im Steckbrief: die wichtigsten Zahlen
| Merkmal | Ohio |
|---|---|
| Hauptstadt | Columbus |
| Größte Stadt | Columbus, gut 930.000 Einwohner (Census-Schätzung, Stand Juli 2024) |
| Einwohner | rund 11,9 Millionen (Census-Schätzung, Stand Juli 2024), Platz 7 unter den US-Staaten |
| Fläche | rund 116.000 km² inklusive Wasserfläche im Eriesee (44.825 Quadratmeilen, Census 2020) |
| Beitritt zur Union | 1. März 1803, als 17. Staat |
| Spitzname | Buckeye State |
| Zeitzone | Eastern Time (UTC−5, während der Sommerzeit UTC−4) |
| Höchster Punkt | Campbell Hill, 1.549 Fuß (472 Meter) |
Ohio Hauptstadt: Warum Columbus doppelt zählt
Anders als in vielen US-Staaten ist die Hauptstadt Ohios auch die größte Stadt. In Kalifornien, New York oder Florida sitzt die Regierung in einer vergleichsweise kleinen Stadt. Columbus dagegen ist politisches und wirtschaftliches Zentrum zugleich und wächst seit Jahren schneller als Cleveland und Cincinnati.
Columbus liegt fast genau in der Mitte des Staates. Nach Cleveland sind es rund 140 Meilen (225 km), nach Cincinnati rund 105 Meilen (170 km). Diese Lage macht die Stadt zum Verkehrsknoten, und die Logistikbranche hat das längst entdeckt. Die Ohio State University mit mehr als 60.000 Studierenden auf dem Hauptcampus prägt die Stadt genauso wie das State House.
Wer nach Ohio zieht, landet wegen der Jobs häufig in der Region Columbus. Mein Rat: Schau dir neben der Stadt selbst auch Vororte wie Dublin, Westerville oder New Albany an. Dort unterscheiden sich Schulbezirke und Steuersätze teils deutlich.
Warum heißt Ohio Ohio und was ist der Buckeye State?
Der Name stammt aus der Sprache der Seneca, die zur Irokesen-Familie gehört. "Ohi:yo'" bedeutet so viel wie großer Fluss oder guter Fluss, gemeint ist der Ohio River. Ohio hat seinen Namen also vom Wasser, das seine gesamte Südgrenze bildet.
Der Spitzname Buckeye State geht auf die Ohio-Rosskastanie zurück, auf Englisch Ohio Buckeye. Die glänzend braunen Samen sehen aus wie das Auge eines Hirschs, eines "buck". Für uns sieht das schlicht aus wie eine Kastanie, und botanisch ist sie mit der heimischen Rosskastanie eng verwandt. Achtung: Die Samen sind giftig, auch wenn sie in Ohio gern als Glücksbringer in der Hosentasche landen.
Buckeyes heißen auch die Menschen aus Ohio, die Sportteams der Ohio State und eine Süßigkeit: Erdnussbutterkugeln, die zum Teil in Schokolade getaucht werden, sodass oben ein heller Kreis frei bleibt. Ein früherer Werbeslogan des Buckeye State lautete "Ohio, the Heart of It All", eine Anspielung auf die Herzform des Staates auf der Karte.
Wo liegt Ohio? Lage zwischen Lake Erie und Ohio River
Ohio gehört zum Mittleren Westen, liegt aber an seinem östlichen Rand. Nachbarn sind Pennsylvania im Osten, West Virginia im Südosten, Kentucky im Süden, Indiana im Westen und Michigan im Nordwesten. Im Eriesee grenzt Ohio an Kanada.
Mit gut 116.000 km² hat Ohio etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, bei einer Bevölkerung von knapp zwölf Millionen. Das Land ist überwiegend flach bis hügelig. Der höchste Punkt, Campbell Hill bei Bellefontaine, erreicht gerade einmal 472 Meter Höhe. Wer Alpen erwartet, ist hier falsch.
Der Norden am Eriesee
Der Norden und der Nordosten hängen am Lake Erie. Ohio hat dort rund 312 Meilen (502 km) Küste, mit Stränden, Inseln wie Put-in-Bay und Häfen in Cleveland, Sandusky und Toledo. In Toledo mündet der Maumee River in den See. Kein anderer Zufluss der Großen Seen hat ein größeres Einzugsgebiet, und genau deshalb spielt der Maumee River eine große Rolle bei den Algenblüten im westlichen Eriesee. Im Sommer 2014 musste Toledo deshalb für mehrere Tage das Leitungswasser sperren.
Der Süden am Ohio River
Der Süden ist hügeliger, waldreicher und kulturell näher an Kentucky und West Virginia. Der Ohio River trennt Ohio auf gut 450 Meilen (rund 725 km) von seinen südlichen Nachbarn. Cincinnati liegt direkt am Ufer, ebenso kleinere Flussstädte wie Marietta, die älteste Siedlung des Staates. Im Südosten beginnt die Region Appalachia, die zu den ärmsten Gegenden Ohios gehört.
Wie ist das Klima in Ohio?
Ohio hat ein feuchtes Kontinentalklima mit vier deutlichen Jahreszeiten. Die Sommer sind warm und schwül, in Columbus liegen die Höchstwerte im Juli im Schnitt bei etwa 85 °F (29 °C). Die Winter sind kalt, im Januar fallen die Nächte regelmäßig unter 20 °F (−7 °C).
Was wir Deutschen unterschätzen, sind die Sprünge. Wenn die Anzeige deiner Wetter-App im März 70 °F (21 °C) meldet, kann zwei Tage später Schneeregen fallen. Im Frühjahr ziehen Gewitter und gelegentlich Tornados durch, vor allem im Westen und in der Mitte des Staates. Die Sirenen, die viele Gemeinden mittags zur Probe heulen lassen, sind ernst gemeint.
Im Nordosten östlich von Cleveland liegt der sogenannte Snowbelt. Dort sorgt Lake-Effect Snow, also Schnee, der entsteht, wenn kalte Luft über den noch warmen See zieht, für Wintermengen, die in einzelnen Orten oft über 100 Inches (rund 2,5 Meter) erreichen. Im Süden fällt deutlich weniger. Ein Allradauto ist im Norden kein Luxus.
Wiege der Präsidenten und Brüder Wright: Ohios Geschichte kurz
Ohio war um 1800 Teil des Westens, das erste Gebiet aus dem Northwest Territory, das 1803 Bundesstaat wurde. Siedler kamen über den Ohio River, viele davon aus Deutschland. Die ursprünglichen Bewohner, darunter Shawnee, Miami und Delaware, wurden in Kriegen und Verträgen verdrängt.
Vor dem Bürgerkrieg war Ohio ein Zentrum der Underground Railroad, des Fluchtnetzes für versklavte Menschen aus dem Süden. Wer den Fluss überquerte, war rechtlich noch nicht in Sicherheit, fand aber Helfer. Das National Underground Railroad Freedom Center in Cincinnati erzählt diesen Kampf um Freiheit und Rechte eindrucksvoll.
Ohio heißt auch "Mother of Presidents". Sieben Präsidenten wurden hier geboren: Grant, Hayes, Garfield, Benjamin Harrison, McKinley, Taft und Harding. Dazu kommen die Brüder Wright aus Dayton, die in ihrer Fahrradwerkstatt das erste Motorflugzeug bauten und 1903 in North Carolina abhoben. Mit Neil Armstrong und John Glenn stammen außerdem zwei Raumfahrtlegenden aus Ohio. Das National Museum of the US Air Force in Dayton ist eines der größten Luftfahrtmuseen der Welt, und der Eintritt ist frei.
Rust Belt: Was ist aus Cleveland, Toledo und Youngstown geworden?
Rust Belt, der Rostgürtel, bezeichnet die alte Industrieregion zwischen den Großen Seen und den Appalachen. Ohio steckt mittendrin. Cleveland war um 1900 eine der reichsten Städte der USA: Hier gründete John D. Rockefeller 1870 Standard Oil, hier wurde Stahl gegossen und Erz von den Seen verladen. Toledo machte sich als Glass City einen Namen, Youngstown lebte vom Stahl.
Der Absturz kam ab den 1970ern. In Youngstown ist der 19. September 1977 als Black Monday bekannt, der Tag, an dem Youngstown Sheet and Tube die Schließung ankündigte und auf einen Schlag Tausende Jobs verschwanden. Cleveland verlor seit 1950 mehr als die Hälfte seiner Einwohner. 1969 brannte der verschmutzte Cuyahoga River, ein Bild, das in den Nachrichten um die Welt ging und die Umweltgesetze der USA mit anstieß.
Heute ist das Bild gemischt. Cleveland setzt auf Medizin, die Cleveland Clinic gehört zu den größten Arbeitgebern des Staates, und auf eine lebendige Kunstszene. Toledo baut weiter Autos, der Jeep Wrangler läuft dort vom Band. Youngstown kämpft noch. Das Unbequeme: In Teilen dieser Städte stehen ganze Straßenzüge leer, und die günstigen Hauspreise haben dort einen Grund.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt: Welche Unternehmen in Ohio Jobs bieten
Ohios Wirtschaft ist breiter, als der Rust-Belt-Ruf vermuten lässt. Neben Industrie spielen Gesundheit, Logistik, Versicherungen und Konsumgüter eine große Rolle. Die wichtigsten Unternehmen und Standorte:
- Procter & Gamble hat seine Zentrale seit der Gründung 1837 in Cincinnati, dort sitzt auch die Supermarktkette Kroger.
- Honda baut seit 1982 in Marysville nordwestlich von Columbus Autos, als erster japanischer Hersteller mit Pkw-Produktion in den USA.
- Intel baut in New Albany östlich von Columbus eine Chipfabrik. Nach mehreren Verschiebungen nennt Intel einen Produktionsstart frühestens Anfang der 2030er-Jahre (Stand Oktober 2026).
- Die Ohio State University ist einer der größten Arbeitgeber der Region Columbus, ebenso ihre Kliniken.
- Nationwide, Wendy's und Cardinal Health haben ihren Sitz in der Region Columbus.
Für Deutsche wichtig: In Ohio arbeiten zahlreiche deutsche Unternehmen, viele davon Zulieferer der Auto- und Maschinenbaubranche. Wer mit einem Arbeitsvisum kommt, landet oft in einer Kleinstadt in der Nähe eines Werks und nicht in einer Großstadt. Das bedeutet kurze Wege, aber auch, dass ohne Auto praktisch nichts geht. Busse und Bahnen sind selbst in Columbus dünn, eine Infrastruktur wie in deutschen Großstädten gibt es nicht.
Steuern in Ohio: Staat, Stadt und Sales Tax
In Deutschland gibt es eine Einkommensteuer, die der Arbeitgeber abführt, und fertig. In Ohio sind es bis zu vier Ebenen. Die folgenden Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine Steuerberatung.
Die Staatseinkommensteuer wurde in den vergangenen Jahren mehrfach gesenkt. Mit dem Haushaltsgesetz von 2025 gilt ab dem Steuerjahr 2026 ein einheitlicher Satz von 2,75 Prozent auf Einkommen oberhalb eines Freibetrags von rund 26.000 Dollar. Darunter fällt keine Staatseinkommensteuer an.
Dazu kommt die Municipal Income Tax, die städtische Einkommensteuer. Die meisten Städte und Gemeinden erheben sie, meist zwischen 1 und 2,5 Prozent, vereinzelt etwas mehr. Columbus und Cleveland verlangen 2,5 Prozent, Cincinnati 1,8 Prozent (Stand 2026). Sie fällt in der Regel dort an, wo du arbeitest. Wohnst du woanders, kann dein Wohnort einen Teil zusätzlich verlangen. Manche Schulbezirke erheben obendrein eine eigene School District Income Tax.
Die Sales Tax liegt auf Staatsebene bei 5,75 Prozent, plus Aufschlag des County. Insgesamt zahlst du meist zwischen 6,5 und 8 Prozent, in Columbus 7,5 Prozent. Der Preis in der Anzeige am Regal ist immer ohne Steuer, Lebensmittel für zu Hause sind aber steuerfrei.
Die aktuellen Sätze findest du auf der Website des Ohio Department of Taxation unter tax.ohio.gov. Fragen zur Stadtsteuer beantworten die Steuerämter der Städte oder Sammelstellen wie RITA meist auch per E-Mail. Im Einzelfall, etwa bei Homeoffice über Stadtgrenzen hinweg, lohnt ein Gespräch mit einem Steuerberater.
Wie günstig ist Wohnen in Ohio im Vergleich zum US-Durchschnitt?
Ohio gehört zu den günstigeren Staaten der USA. Die Lebenshaltungskosten liegen insgesamt spürbar unter dem US-Schnitt, beim Wohnen ist der Abstand am größten. Laut Zillow-Index liegen typische Hauswerte in Ohio grob ein Drittel unter dem nationalen Wert (Stand 2026). In Columbus sind die Preise in den letzten Jahren kräftig gestiegen, in Cleveland, Toledo oder Dayton bekommst du noch viel Haus für dein Geld.
Der Haken ist die Property Tax, die Grundsteuer. Sie ist in Ohio höher als in vielen Nachbarstaaten und finanziert vor allem die Schulen. Rechne grob mit mehr als einem Prozent des Marktwerts pro Jahr, je nach County und Schulbezirk deutlich mehr. Nach Neubewertungen sind die Rechnungen zuletzt vielerorts stark gestiegen.
Mein Rat: Wenn du eine Anzeige für ein Haus siehst, schau sofort auf der Website des County Auditor nach, was der Vorbesitzer an Steuern gezahlt hat. Diese Zahl ist öffentlich und verrät mehr über die monatliche Belastung als der Kaufpreis. Bei Mietwohnungen steht in jeder Anzeige die Kaltmiete ohne Utilities, also Strom, Gas, Wasser und Müll.
Mentalität: Gastfreundschaft im Mittleren Westen
Ohio ist bodenständig, freundlich und weniger laut als die Küsten. Die Gastfreundschaft des Mittleren Westens heißt "Midwest Nice": Man hält Türen auf, plaudert an der Kasse und bringt neuen Nachbarn auch mal einen Kuchen vorbei. Wenn Einheimische jemanden mögen, sagen sie schlicht: "They're good people."
Für uns Deutsche ist das manchmal irritierend, weil die Freundlichkeit nicht gleich Freundschaft bedeutet. Und direkte Kritik kommt selten direkt. Wer im Büro so offen widerspricht, wie wir es gewohnt sind, wirkt schnell schroff, selbst wenn die Sache stimmt. Good people sind hier die, die freundlich bleiben, auch wenn sie anderer Meinung sind.
College Football ist in Ohio fast Religion. An Spieltagen der Ohio State steht Columbus still, und das Spiel gegen Michigan Ende November ist ein Pflichttermin. Ruft dir jemand "O-H!" zu, antwortest du "I-O!". Gesprochen wird fast überall Englisch. Andere Sprachen hörst du vor allem in Columbus mit seiner großen somalischen Gemeinde und im Amish Country um Holmes County. Dort lebt eine der größten Amish-G emeinschaften der Welt, und viele ihrer Mitglieder sprechen untereinander bis heute Pennsylvania Dutch, einen Dialekt mit pfälzischen Wurzeln. Wenn du genau hinhörst, verstehst du mehr, als du erwartest.
Deutsche Spuren in Ohio: Over-the-Rhine, Zinzinnati und German Village
Kaum ein Bundesstaat ist so deutsch geprägt wie Ohio. Im 19. Jahrhundert kamen Zehntausende Einwanderer über den Ohio River, und bis heute ist Deutsch die am häufigsten genannte Abstammung der Bevölkerung. Man sieht es an Straßennamen, Kirchen, Brauereien und an der Liebe zu Bratwurst, die hier allerdings oft "Brat" heißt und auf dem Grill landet.
Over-the-Rhine in Cincinnati
Der Name des Viertels ist ein Augenzwinkern der Einwanderer. Der Miami-and-Erie-Kanal trennte das Viertel vom Stadtzentrum, und die Deutschen nannten ihn scherzhaft "den Rhein". Wer ihn überquerte, war "over the Rhine". Heute ist der Kanal zugeschüttet, aber das Viertel hat eine der größten zusammenhängenden Sammlungen von Gebäuden im italienischen Stil des 19. Jahrhunderts in den USA.
Over-the-Rhine war lange heruntergekommen und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt, mit Restaurants, Brauereien und dem Findlay Market, dem ältesten durchgehend betriebenen öffentlichen Markt Ohios. Unter den Straßen liegen alte Lagerkeller der Brauereien, die man bei Führungen besichtigen kann. Die Kehrseite: Die Aufwertung hat viele frühere Bewohner verdrängt, und Mieten sind dort heute weit über dem Stadtschnitt.
Oktoberfest Zinzinnati
Cincinnati nennt sich zu diesem Anlass gern "Zinzinnati", und das Oktoberfest Zinzinnati gilt als größtes Oktoberfest der USA. Es findet im September in der Innenstadt statt, mit Bier, Würstchen, Blasmusik und dem traditionellen Ententanz, dem Chicken Dance. Mit dem Original in München hat es so viel zu tun wie ein Pancake mit einem Pfannkuchen: verwandt, aber eigenständig. Mehr zu den Oktoberfesten in den USA allgemein lohnt einen eigenen Blick, hier reicht der Hinweis: Wer im September in Ohio ist, sollte Cincinnati einplanen.
German Village in Columbus
Südlich der Innenstadt von Columbus liegt German Village, ein Viertel aus roten Backsteinhäusern und Kopfsteinpflaster, das deutsche Einwanderer im 19. Jahrhundert gebaut haben. Im Ersten Weltkrieg wurden deutsche Straßennamen umbenannt, später sollte ein Teil abgerissen werden. Bürger retteten das Viertel, heute steht es unter Denkmalschutz.
Zwei Adressen kennt dort jeder: Schmidt's Sausage Haus mit dem Riesen-Windbeutel, dem "Bahama Mama" und den Würsten, und die Buchhandlung The Book Loft, deren Räume sich wie ein Labyrinth durch mehrere Altbauten ziehen. Für Deutsche ist der Spaziergang ein seltsamer Moment, weil vieles vertraut aussieht und doch ganz amerikanisch ist.
Ist Ohio ein Swing State?
Lange war Ohio der Swing State schlechthin. Von 1964 bis 2016 stimmte der Staat bei jeder Präsidentschaftswahl für den späteren Sieger. Daher stammt der Spruch "As Ohio goes, so goes the nation". Wahlabende in den Nachrichten drehten sich stundenlang um Ohio.
Das hat sich verschoben. Seit 2016 gewinnen die Republikaner Ohio bei Präsidentschaftswahlen deutlich, 2024 mit einem Vorsprung von rund elf Prozentpunkten. Die Städte Columbus, Cleveland und Cincinnati wählen mehrheitlich demokratisch, ländliche Regionen und der Südosten republikanisch. Politisch gilt Ohio heute eher als republikanisch geprägt, Kampagnen investieren dort deutlich weniger als früher.
Sehenswürdigkeiten und Outdoor Aktivitäten in Ohio
Ohio ist kein klassisches Urlaubsziel, und gerade das macht eine Reise dorthin angenehm. Die Highlights sind überschaubar, nah beieinander und selten überlaufen. Die wichtigsten Ziele knapp:
- Cedar Point in Sandusky am Lake Erie nennt sich "Roller Coaster Capital of the World" und hat mehr als ein Dutzend Achterbahnen. Der Park öffnet saisonal von etwa Mai bis in den Herbst, der Preis schwankt je nach Datum, online gekaufte Tickets sind meist günstiger. Auf der Website stehen Videos aus Fahrersicht für jede Bahn, falls du vorher wissen willst, worauf du dich einlässt.
- Die Rock & Roll Hall of Fame in Cleveland direkt am Eriesee ist das bekannteste Museum des Staates.
- Das National Museum of the US Air Force in Dayton, kostenlos und riesig.
- Die Pro Football Hall of Fame in Canton, das Museum des American Football.
- Der Cuyahoga Valley National Park zwischen Cleveland und Akron, der einzige Nationalpark in Ohio, mit Wasserfällen, Radwegen und einer historischen Bahn.
- Hocking Hills im Südosten mit Schluchten, Höhlen und Wanderwegen, im Herbst besonders schön.
- Die Lake Erie Islands mit Put-in-Bay, im Sommer per Fähre erreichbar.
Für Outdoor Aktivitäten sind die State Parks die beste Adresse. Ohio hat über 70 davon, dazu Metro Parks rund um die Städte. Die meisten State Parks verlangen keinen Eintritt, anders als viele State Parks in anderen Staaten. Kajakfahren auf dem Ohio River, Angeln am Eriesee, Radeln auf alten Bahntrassen: Die Aktivitäten sind unspektakulär im besten Sinn. Die Anreise erfolgt fast immer mit dem Auto, die großen Flughäfen liegen in Columbus, Cleveland und bei Cincinnati, Letzterer allerdings auf der Kentucky-Seite des Flusses.
Insidertipp
Wenn du Ohio Ohio sein lassen willst, ohne Touristenprogramm, dann fahr im Oktober nach Holmes County ins Amish Country. Die Laubfärbung ist dort meist um die Monatsmitte am stärksten, die Käsereien und Bäckereien haben noch geöffnet, und du siehst Pferdekutschen neben Pick-ups auf der Landstraße. Kauf dir dort einen Stück Swiss Cheese und ein Glas Apple Butter, beides bekommst du in dieser Qualität kaum im Supermarkt.
Wichtig: Amish lassen sich ungern fotografieren. Frag nicht, sondern lass es einfach. Und viele Läden haben sonntags geschlossen, plane deinen Ausflug deshalb auf einen Samstag.
Noch ein Tipp für den Alltag: Beim Umzug nach Ohio rufst du die Sammelstelle für die Stadtsteuer deines neuen Arbeitsorts an oder schreibst eine E-Mail, bevor die erste Gehaltsabrechnung kommt. So siehst du sofort, ob dein Arbeitgeber die richtige Kommune einträgt. Wer das erst bei der Steuererklärung bemerkt, muss oft Erstattungen bei einer Stadt beantragen und bei einer anderen nachzahlen.
FAQ zu Ohio
Was ist die Hauptstadt von Ohio?
Die Hauptstadt Ohios ist Columbus. Sie ist zugleich die größte Stadt des Staates und liegt fast genau in seiner Mitte. Regierungssitz ist das Ohio Statehouse im Zentrum, das du kostenlos besichtigen kannst.
Wie heißt die größte Stadt in Ohio?
Auch hier lautet die Antwort Columbus, mit gut 930.000 Einwohnern (Census-Schätzung, Stand Juli 2024). Cleveland und Cincinnati folgen mit deutlich weniger Menschen in der Kernstadt, haben aber große Ballungsräume. Gemessen an der Metropolregion liegen alle drei näher beieinander, als die Einwohnerzahl der Städte vermuten lässt.
Warum ist Ohio so bekannt?
Ohio ist bekannt als Wiege der Präsidenten und der Luftfahrt, als früherer Swing State, als Herz der amerikanischen Industrie und für College Football. Dazu kommen Cedar Point mit seinen Achterbahnen, die Rock & Roll Hall of Fame und Marken wie Procter & Gamble, Kroger und Wendy's.
Wie groß ist Ohio im Vergleich zu Deutschland?
Ohio hat mit rund 116.000 km² etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen plus etwas mehr. In der Anzahl der Einwohner liegt Ohio mit knapp zwölf Millionen etwa bei Baden-Württemberg. Die Bevölkerung verteilt sich weniger dicht als in Deutschland, vor allem im Süden.
Wie ist das Klima in Ohio?
Es gibt vier deutliche Jahreszeiten mit schwülen Sommern um 85 °F (29 °C) und kalten Wintern. Im Nordosten fällt durch den Eriesee deutlich mehr Schnee als im Süden, im Frühjahr sind Gewitter und Tornados möglich. Herbst und spätes Frühjahr sind die angenehmsten Reisezeiten.
Was ist ein Buckeye?
Ein Buckeye ist die Ohio-Rosskastanie, nach der der Buckeye State benannt ist. Gleichzeitig heißen so die Einwohner, die Sportteams der Ohio State und eine Süßigkeit aus Erdnussbutter und Schokolade. Die echten Samen sind giftig, die Süßigkeit nicht.
Ohio ist kein Staat, den man auf den ersten Blick liebt, aber einer, in dem viele Deutsche überraschend schnell ankommen. Die Wohnkosten sind fair, die Menschen freundlich, und deutsche Wurzeln findest du an jeder zweiten Ecke. Prüf vor dem Umzug die Steuern deiner künftigen Stadt und die Grundsteuer im County, dann gibt es später keine Überraschung auf dem Gehaltszettel. Und falls du im September dort bist: Zinzinnati ruft. Viel Freude im Buckeye State.