An welchen Finger wird der Ehering in den USA gesteckt? Links, rechts und was mit dem Verlobungsring passiert
In den USA sitzen Ehering und Verlobungsring beide am linken Ringfinger, in Deutschland wandert der Ring zur Hochzeit traditionell nach rechts. Hier erfährst du, wie das am Hochzeitstag abläuft, woher die Zwei-Monatsgehälter-Regel kommt und wie du deine Ringgröße umrechnest.

In den USA wird der Ehering an den Ringfinger der linken Hand gesteckt, bei Frau und Mann. Der Verlobungsring sitzt ebenfalls links und wandert nach der Hochzeit über den Ehering. Wer wissen will, an welchen Finger der Ehering in den USA gesteckt wird, bekommt also eine klare Antwort: links, und zwar beide Ringe am selben Finger.
Für uns Deutsche ist das eine kleine Umstellung. Bei uns kommt der Ehering traditionell an die rechte Hand, und der Verlobungsring wird oft einfach zum Ehering, indem er bei der Trauung von links nach rechts wechselt. In Amerika bleibt der Verlobungsring ein eigener Ring, meist mit Stein, und der Ehering kommt dazu.
Das klingt nach einer Stilfrage, hat im Alltag aber Folgen. Ein Ring rechts wird in den USA oft gar nicht als Ehering gelesen. Und wer hier einen Ring kauft, trifft auf eigene Ringgrößen, Preise ohne Steuer und eine Erwartung an den Verlobungsring, die mit deutschen Gewohnheiten wenig zu tun hat.
An welchen Finger wird der Ehering in den USA gesteckt?
Der Ehering, auf Englisch Wedding Band oder Wedding Ring, gehört in den USA an den Ringfinger der linken Hand. Das gilt für Braut und Bräutigam gleichermaßen, und auch für gleichgeschlechtliche Paare ist links der Standard.
Der Verlobungsring, der Engagement Ring, sitzt am selben Finger. Die übliche Reihenfolge nach der Hochzeit: unten der Ehering, darüber der Verlobungsring. Die Begründung, die du in Amerika fast immer hörst, ist romantisch. Der Ehering soll näher am Herzen sitzen, weil er für das größere Versprechen steht.
Dahinter steckt eine alte Vorstellung aus der Antike. Die Römer glaubten an die Vena amoris, eine Ader, die vom Ringfinger der linken Hand direkt zum Herzen führen sollte. Anatomisch stimmt das nicht, jeder Finger ist ähnlich mit dem Kreislauf verbunden. Die Idee hat sich trotzdem gehalten und prägt die Tradition bis heute.
Dazu kommt ein ganz praktischer Grund. Die meisten Menschen sind Rechtshänder, und an der linken Hand wird der Ring beim Arbeiten weniger zerkratzt und stört weniger.
Links ist übrigens nicht nur in den USA üblich. Auch in Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und der Schweiz trägt man den Ehering links. Die rechte Hand ist eher eine mittel- und osteuropäische Tradition: Deutschland, Österreich, Polen, Russland und Norwegen gehören dazu.
Wie wandert der Verlobungsring am Hochzeitstag?
Die klassische amerikanische Choreografie hat drei Schritte, und wer zum ersten Mal auf einer US-Hochzeit ist, bekommt davon oft nur den mittleren mit.
- Am Morgen der Hochzeit steckt die Braut ihren Verlobungsring an den Ringfinger der rechten Hand. Der linke Ringfinger ist damit frei.
- Beim Ehegelübde, nach dem berühmten "I do", steckt der Bräutigam ihr den Ehering an den linken Ringfinger. Sie tut dasselbe bei ihm.
- Nach der Zeremonie wandert der Verlobungsring zurück nach links und sitzt ab jetzt über dem Ehering.
Pflicht ist das nicht. Viele Bräute lassen den Verlobungsring einfach links und bekommen den Ehering darüber gesteckt, andere tragen ihn am Hochzeitstag an einem anderen Finger der linken Hand. Wichtig ist nur, dass vorher klar ist, wohin der Ring kommt, damit der Bräutigam vor dem Altar nicht an einem besetzten Finger herumfummelt.
Manche Paare lassen beide Ringe nach der Hochzeit beim Juwelier fest miteinander verlöten, auf Englisch Soldering. Dann verrutscht nichts mehr, der Stein bleibt mittig und beide Ringe drehen sich nicht gegeneinander. Der Nachteil: Wer später nur einen Ring tragen will, etwa beim Sport, muss die Verbindung wieder lösen lassen. Im Handel gibt es außerdem fertig aufeinander abgestimmte Paare aus Verlobungs- und Ehering, die als Wedding Set oder Bridal Set verkauft werden.
Auch der Mann bekommt am Hochzeitstag einen Ring. Das war in den USA lange nicht selbstverständlich. Bis in die 1930er Jahre trugen vor allem Frauen einen Ehering. Erst im und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Double Ring Ceremony, bei der beide Partner einen Ring tauschen, zur Regel. Soldaten im Einsatz wollten etwas bei sich tragen, das sie mit ihrer Frau zu Hause verband, und Juweliere haben diese Entwicklung kräftig beworben.
Warum stecken Deutsche den Ehering an die rechte Hand?
In Deutschland gilt traditionell: Verlobt ist links, verheiratet ist rechts. Der Verlobungsring wird an den linken Ringfinger gesteckt, und bei der Trauung steckt der Partner ihn an den Ringfinger der rechten Hand. Aus dem Verlobungsring wird so der Ehering, ein zweiter Ring ist dafür nicht nötig.
Der größte Unterschied zu den USA liegt beim Verlobungsring selbst. Bei uns war der klassische Verlobungsring ein schlichter Partnerring, den beide Verlobten trugen. In Amerika trägt traditionell nur die Frau einen Verlobungsring, und der ist fast immer ein Ring mit Stein. Ringe für Männer zur Verlobung gibt es zwar, sie sind aber nach wie vor die Ausnahme.
Die rechte Hand hat in Deutschland historische und religiöse Wurzeln. Die rechte Hand ist die Schwurhand, mit ihr werden Versprechen und Eide geleistet. Österreich, Polen und große Teile Osteuropas haben dieselbe Tradition.
Allerdings bewegt sich auch bei uns etwas. Seit ein paar Jahren hat sich auch in Deutschland der Antrag mit Solitärring nach amerikanischem Vorbild verbreitet, und immer mehr Paare tragen ihre Eheringe links. Gesetzlich vorgeschrieben ist weder in Deutschland noch in den USA irgendetwas. Es gibt Paare, die statt Ringen passende Tattoos tragen, und auch das ist eine Ehe wie jede andere. Am Ende ist der Ring ein Symbol für das Versprechen, nicht das Versprechen selbst.
Was kostet ein Verlobungsring in den USA?
Wer amerikanische Filme kennt, kennt die Szene: Die Heldin hält die linke Hand hoch, die Freundinnen beugen sich über den Stein. Das ist keine Übertreibung Hollywoods. Der Verlobungsring ist in den USA ein Statussymbol, und für den europäischen Geschmack fällt er oft ziemlich auffällig aus.
Die bekannteste Faustregel lautet, dass der Ring zwei Monatsgehälter kosten soll. Du hörst sie bis heute, sie ist aber keine alte Tradition, sondern Werbung. Der Diamantkonzern De Beers hat in den 1930er Jahren ein Monatsgehalt als Richtwert in Umlauf gebracht und in den 1980er Jahren auf zwei Monatsgehälter erhöht. Mein Rat: Behandle die Regel als das, was sie ist, ein Werbespruch mit erstaunlich langer Lebensdauer.
Die tatsächlichen Ausgaben liegen deutlich darunter. Laut der jährlichen Umfrage der Hochzeitsplattform The Knot geben amerikanische Paare für den Verlobungsring im Schnitt rund 5.000 Dollar aus (Stand der zuletzt veröffentlichten Studie). Diamanten bleiben der häufigste Stein. Mehr als die Hälfte der Steine in neu gekauften Verlobungsringen ist inzwischen allerdings im Labor gezüchtet, auf Englisch Lab-grown Diamond. Die sind chemisch echte Diamanten und deutlich günstiger als geschürfte.
Dass ein teurer Ring keine bessere Ehe garantiert, haben die Ökonomen Andrew Francis und Hugo Mialon von der Emory University in Atlanta untersucht. In ihrer Befragung hatten Paare, bei denen der Ring zwischen 2.000 und 4.000 Dollar kostete, ein höheres Scheidungsrisiko als Paare mit einem Ring zwischen 500 und 2.000 Dollar. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis. Ein schönes Argument gegen den Druck der Zwei-Monatsgehälter-Regel ist es trotzdem.
Eine Falle für Deutsche lauert an der Kasse. Der Preis im Schaufenster ist in den USA der Preis ohne Steuer. Je nach Staat und Ort kommt eine Sales Tax, die Umsatzsteuer, zwischen null und gut zehn Prozent dazu. Bei einem Ring für 5.000 Dollar ist das schnell ein dreistelliger Betrag, mit dem du nicht gerechnet hast.
Wie lösen deutsch-amerikanische Paare die Ringfrage?
Wenn ein Partner aus Deutschland kommt und der andere aus den USA, gibt es keine richtige oder falsche Hand. Ihr habt die Wahl zwischen der deutschen Tradition, der amerikanischen oder einer Mischung. Auch in Sachen Ringe ist Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Die drei Varianten, die du bei gemischten Paaren findest:
- Beide tragen links, nach amerikanischer Art. Das ist im amerikanischen Alltag am unauffälligsten.
- Beide tragen rechts, nach deutscher Art. Das fühlt sich für den deutschen Partner vertraut an, sorgt in den USA aber gelegentlich für Nachfragen.
- Jeder trägt den Ring dort, wo er es von zu Hause kennt. Er links, sie rechts oder umgekehrt.
Die dritte Variante ist pragmatischer, als sie klingt. Wer seit der Kindheit gesehen hat, dass Eltern und Großeltern den Ehering rechts tragen, empfindet die rechte Hand schlicht als richtig. Daran muss sich nach der Hochzeit niemand umgewöhnen.
Bedenke nur, was das im Alltag bedeutet. Amerikaner schauen beim Kennenlernen oft unbewusst auf die linke Hand. Ein Ring rechts wird hier häufig als Schmuckring gelesen, als sogenannter Right Hand Ring, den sich Frauen auch selbst kaufen. Dass du verheiratet bist, erkennt man dann nicht auf den ersten Blick. Das ist kein Problem, aber gut zu wissen.
Ehe und Ringtausch sind übrigens nur ein Punkt von vielen, an denen Deutsche und Amerikaner unterschiedlich ticken. Mehr dazu, worüber gemischte Paare und Neuankömmlinge sonst noch stolpern, liest du in unseren 10 Dingen, die in den USA anders sind.
Welche Ringgröße habe ich in den USA?
Hier liegt die Stolperfalle, die beim Ringkauf in Amerika am meisten Ärger macht. In Deutschland entspricht die Ringgröße dem Innenumfang in Millimetern, Größe 54 heißt also 54 Millimeter Umfang. In den USA gibt es eine eigene Skala mit Zahlen von etwa 3 bis 15, dazu halbe und Viertelgrößen.
Beim Juwelier kannst du deinen Finger in der Regel kostenlos ausmessen lassen. Frag einfach: "Can you size my ring finger, please?" Wer online bestellt, braucht die Umrechnung.
| US-Größe | Innenumfang in mm (deutsche Größe) | Innendurchmesser in mm |
|---|---|---|
| 4 | 46,8 | 14,9 |
| 5 | 49,3 | 15,7 |
| 6 | 51,9 | 16,5 |
| 7 | 54,4 | 17,3 |
| 8 | 57,0 | 18,1 |
| 9 | 59,5 | 19,0 |
| 10 | 62,1 | 19,8 |
| 11 | 64,6 | 20,6 |
| 12 | 67,2 | 21,4 |
| 13 | 69,7 | 22,2 |
Eine halbe US-Größe entspricht etwa 1,3 Millimetern Umfang. Liegt deine deutsche Größe zwischen zwei Werten, nimm im Zweifel die größere. Ein Ring, der etwas locker sitzt, ist im Alltag angenehmer als einer, der im Sommer nicht mehr über den Knöchel will.
Denk auch daran, dass Finger schwanken. Morgens und bei Kälte sind sie dünner, abends und bei Hitze dicker. Wer im Sommer in Texas oder Florida lebt, merkt bei Temperaturen um 95 Grad Fahrenheit (35 Grad Celsius), dass der Ring plötzlich enger sitzt.
Häufige Fragen zum Ehering in den USA
Darf ich meinen Ehering in den USA an der rechten Hand tragen?
Ja. Es gibt kein Gesetz und keine Behörde, die sich dafür interessiert. Rechne nur damit, dass Amerikaner den Ring nicht automatisch als Ehering erkennen und dich vielleicht fragen, ob du verheiratet bist.
Was ist ein Promise Ring?
Ein Promise Ring ist ein Versprechensring, der vor der Verlobung verschenkt wird. Er steht für eine feste Beziehung und oft für das Versprechen, sich später zu verloben. Getragen wird er meist am Ringfinger, je nach Paar links oder rechts. Mit einem Verlobungsring sollte man ihn nicht verwechseln, das sorgt sonst für sehr unangenehme Missverständnisse.
Was tragen Amerikaner beim Sport oder bei der Arbeit?
Viele Amerikaner tragen beim Sport, im Handwerk oder im Krankenhaus einen günstigen Ring aus Silikon statt des Eherings. Er reißt im Notfall, bevor er den Finger verletzt, und schützt den echten Ring vor Kratzern. Silikonringe kosten im Handel meist einen niedrigen zweistelligen Dollarbetrag und gehören in den USA zum Alltag.
Was mache ich mit dem Verlobungsring, wenn ich ihn nicht täglich tragen will?
Das ist ganz normal. Viele Frauen tragen im Alltag nur den schlichten Ehering und den Verlobungsring zu besonderen Anlässen. Nach der Hochzeit muss der Verlobungsring nicht dauerhaft am Finger sitzen.
Gibt es Verlobungsringe für Männer?
Ja, sie werden auch in den USA häufiger, sind aber nach wie vor die Ausnahme. Wer seinem Partner einen Ring schenken will, ist damit völlig im Rahmen.
Insidertipp: Kauf den Ehering passend zum Verlobungsring
Das unterschätzen viele Paare, und es zeigt sich erst, wenn beide Ringe zusammen am Finger sitzen. Ist der Stein am Verlobungsring tief gefasst, liegt ein gerader Ehering nicht bündig an. Zwischen beiden Ringen bleibt dann eine sichtbare Lücke, und die Ringe verdrehen sich ständig.
Die Lösung heißt in den USA Contour Band oder Curved Band. Das ist ein Ehering mit einer kleinen Aussparung oder einem Bogen, der sich um die Fassung des Steins legt. Mein Rat: Nimm den Verlobungsring zum Kauf des Eherings mit und probier beide zusammen an. Und wenn ihr die Eheringe in Deutschland kauft, um sie mit einer deutschen Gravur in die USA mitzunehmen, lasst die Ringgröße dort in Millimetern messen, nicht nach einer Online-Tabelle schätzen.
Egal ob ihr links tragt, rechts oder jeder auf seiner gewohnten Seite: Wichtig ist, dass ihr euch vorher einig seid, damit vor dem Altar alles flüssig läuft. Ich wünsche euch einen wunderschönen Hochzeitstag und Ringe, die genauso gut zusammenpassen wie ihr beide.