Chipmunk im Garten: Einfach putzig, dieses Streifenhörnchen

Der Chipmunk ist das putzigste Tier im amerikanischen Garten und gleichzeitig ein fleißiger Tunnelbauer. Hier erfährst du, wie du ihn erkennst, was du füttern darfst und wie du Terrasse und Blumenzwiebeln schützt.

Von MichiVeröffentlicht Aktualisiert 11 Min. Lesezeit
Chipmunk im Garten: Einfach putzig, dieses Streifenhörnchen
Foto: Jordan Heinz auf Unsplash

Ein Chipmunk im Garten ist für die meisten Deutschen in den USA die erste echte Begegnung mit amerikanischer Tierwelt. Und sie ist einfach putzig. Das Streifenhörnchen ist kleiner als ein Eichhörnchen, trägt Streifen bis ins Gesicht, pfeift wie ein Spielzeug und stopft sich die Backen so voll, dass der Kopf doppelt so breit wirkt. Gleichzeitig gräbt es Tunnel unter Terrasse, Gehweg und Blumenbeet.

Wir kennen Chipmunks aus Deutschland fast nur aus dem Fernsehen: Chip und Chap von Disney oder Alvin und die Chipmunks. Im Garten hatten wir sie nie. Genau deshalb wissen viele nicht, ob man sie füttern darf, ob sie Krankheiten übertragen und was man tut, wenn das Loch unter den Verandastufen jeden Tag größer wird. Gerade jetzt im Oktober sind sie besonders aktiv, weil sie ihren Wintervorrat anlegen. Ein guter Moment also, das Tierchen kennenzulernen.

Woran erkennst du einen Chipmunk im Garten?

Ein Chipmunk ist ein Erdhörnchen, also ein Verwandter des Eichhörnchens, der am Boden und in selbstgegrabenen Bauen lebt. Im Osten der USA und Kanadas lebt nur eine Art, der Eastern Chipmunk (Tamias striatus). Im Westen gibt es dagegen über 20 Arten, die sich teilweise so ähnlich sehen, dass selbst Biologen genau hinschauen müssen.

So erkennst du ihn sicher:

  • Streifen auf dem Rücken und, ganz wichtig, Streifen im Gesicht. Eichhörnchen haben keine Gesichtsstreifen.
  • Körper ohne Schwanz etwa 5 bis 6 Inches (13 bis 15 Zentimeter), dazu ein Schwanz von rund 3 bis 4 Inches (8 bis 10 Zentimeter).
  • Rötlich-braunes Fell mit hellen und dunklen Längsstreifen.
  • Ein aufrecht getragener, eher dünner Schwanz, kein buschiger Wedel.
  • Dicke Backentaschen, wenn er Futter transportiert.

Sehr typisch ist der Ruf. Das hohe "chip chip", fast wie ein Pfeifen, gab dem Tier vermutlich mit den Namen, auch wenn das Wort chipmunk wohl auf eine Sprache der Ojibwe zurückgeht. Daneben gibt es ein tieferes, glucksendes "chuck chuck", mit dem Chipmunks vor Greifvögeln warnen.

Ein häufiger Irrtum: Das graue Hörnchen, das in amerikanischen Gärten die Vogelfutterstation plündert, ist kein Chipmunk, sondern das Eastern Gray Squirrel, das Grauhörnchen. Es ist deutlich größer, klettert hoch in die Bäume und hat keine Streifen. Der Chipmunk klettert zwar auch, verbringt aber die meiste Zeit am Boden.

Übrigens: Es gibt auch ein Sibirisches Streifenhörnchen, das in Nordasien, Russland und Japan lebt. Genau das kennen manche Deutsche aus der Zoohandlung, wo es lange als Burunduk verkauft wurde. Seit 2016 steht es auf der Liste invasiver Arten der EU. Handel und Zucht sind in Deutschland seitdem verboten, weil ausgesetzte Tiere sich in einigen Regionen Europas wild vermehrt haben.

Wie lebt ein Chipmunk durch das Jahr?

Wer aus Deutschland kommt, denkt bei Winterschlaf an Murmeltier oder Igel, die sich vorher dick fressen. Der Chipmunk macht es anders. Er frisst sich kein Fettpolster an, sondern legt im Herbst einen Vorrat in seinem Bau an. Im Winter fällt er in eine Art Starre, wacht aber alle paar Tage auf, frisst von seinen Vorräten und schläft weiter.

So sieht das Jahr eines Eastern Chipmunk ungefähr aus, je nach Region und Wetter um einige Wochen verschoben:

  • Frühling, etwa ab März: Die Chipmunks kommen aus dem Bau, an warmen Tagen manchmal schon im Februar. Kurz darauf beginnt die Paarungszeit.
  • Spätes Frühjahr: Nach rund einem Monat Tragzeit kommen meist vier bis fünf Junge zur Welt. Sie verlassen den Bau nach etwa sechs Wochen.
  • Sommer: Im Osten gibt es oft einen zweiten Wurf, der im Spätsommer aus dem Bau kommt.
  • Herbst: Hochsaison im Garten. Jetzt sammeln Chipmunks Eicheln, Bucheckern, Samen und alles, was sich lagern lässt.
  • Spätherbst: Wenn es dauerhaft kalt wird, meist im November, verschwinden sie im Bau.

Der Bau selbst ist erstaunlich groß. Die Gänge können über 20 Fuß (rund 6 Meter) lang sein und bis etwa 3 Fuß (knapp einen Meter) tief reichen, mit Schlafkammer, Vorratskammern und sogar einer Art Toilettenecke. Der Eingang ist ein sauberes Loch von etwa 2 Inches (5 Zentimeter) Durchmesser.

Im Freien werden Chipmunks selten älter als zwei bis drei Jahre. Greifvögel, Füchse, Schlangen und Hauskatzen sorgen dafür, dass ein Chipmunk immer auf der Hut ist. Das erklärt auch, warum er so gern unter Büschen, Steinmauern und Holzstapeln wohnt. Dort hat er Deckung.

Was frisst ein Chipmunk, und darfst du ihn füttern?

Auf dem Speiseplan stehen Samen, Nüsse, Eicheln, Beeren, Früchte und Pilze. Was viele überrascht: Chipmunks fressen auch Insekten, Würmer, Schnecken, Vogeleier und sogar frisch geschlüpfte Vögel oder junge Mäuse. Das putzige Gesicht täuscht ein bisschen.

Im eigenen Garten ist das Füttern in der Regel erlaubt. Ein Chipmunk, der jeden Tag zur selben Zeit eine Erdnuss bekommt, wird erstaunlich schnell zutraulich, bis hin zur Frechheit. Er rennt dann zwischen den Füßen durch und holt sich die Nuss im Zweifel direkt vom Gartentisch, wenn gerade jemand daneben sitzt. Für Fotos ist das großartig.

Wenn du füttern willst, beachte ein paar Dinge:

  • Nur ungesalzene Erdnüsse, am besten in der Schale. Gesalzene, gewürzte oder honiggeröstete Nüsse sind tabu.
  • Kleine Mengen. Eine Handvoll am Tag reicht völlig, sonst lockst du den ganzen Nachwuchs der Nachbarschaft an.
  • Nicht direkt am Haus füttern. Wer am Fundament füttert, lädt zum Graben unter dem Fundament ein.
  • Brot, Chips oder Essensreste gehören nicht dazu.

Ganz anders sieht es in Nationalparks aus. Dort ist das Füttern von Wildtieren nach Bundesrecht verboten, und das gilt auch für den kleinsten Chipmunk am Picknicktisch im Yosemite oder Rocky Mountain Nationalpark. Ranger nehmen das ernst, weil gefütterte Tiere aufdringlich werden, beißen und ihre natürliche Nahrung vernachlässigen. Bei uns in Deutschland ist man von Parkenten an Brotkrumen eher gewöhnt, deshalb unterschätzen das viele.

Welche Schäden richtet ein Chipmunk im Garten an, und wie hältst du ihn fern?

So niedlich das Streifenhörnchen ist, es kann im Garten einiges anrichten. Das Problem sind die unterirdischen Gänge. Unter Terrassenplatten, Gehwegen, Treppenstufen oder Stützmauern kann ein Bau mit der Zeit dazu führen, dass Steine absacken. Direkt am Fundament gegrabene Gänge sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund, genauer hinzusehen.

Dazu kommen die kleinen Diebstähle. Chipmunks graben im Herbst frisch gesetzte Tulpen- und Krokuszwiebeln aus, knabbern an Erdbeeren und Tomaten und räumen Vogelfutter vom Boden ab, das unter der Futterstation liegt.

Fairerweise muss man sagen, dass sie auch nützlich sind. Chipmunks verteilen Samen und Pilzsporen, lockern den Boden und fressen Insekten. Ein einzelner Chipmunk im Garten ist für die meisten Hausbesitzer eher Unterhaltung als Problem.

Ein typischer Erkennungstrick: Am Eingang eines Chipmunk-Baus liegt keine Erde. Das Tier trägt den Aushub in den Backentaschen weg und verteilt ihn unauffällig. Siehst du dagegen Erdhaufen, ist eher ein Maulwurf am Werk. Schmale Laufspuren im Rasen deuten auf Wühlmäuse hin, die hier Voles heißen.

So machst du Haus und Beete für Chipmunks unattraktiv:

  • Halte einen Streifen von etwa 15 bis 30 Zentimetern direkt am Fundament frei von dichten Büschen und Bodendeckern. Kies statt Mulch ist dort ideal.
  • Setze Blumenzwiebeln in Körbe oder unter eine Lage Hardware Cloth, also feinmaschiges Drahtgitter, das es in jedem Baumarkt wie Home Depot oder Lowe's gibt.
  • Unter Terrassen, Verandastufen und Schuppen hilft ein Drahtgitter, das L-förmig etwa 15 Zentimeter tief eingegraben wird.
  • Stelle Vogelfutterhäuschen mindestens einige Meter vom Haus entfernt auf und nutze eine Auffangschale gegen herunterfallende Körner.
  • Räume Holzstapel, Steinhaufen und alte Bretter vom Haus weg. Sie sind Deckung und Baustelle in einem.
  • Sammle heruntergefallenes Obst und Eicheln regelmäßig ein, gerade im Herbst.

Vergrämungsmittel aus dem Baumarkt, etwa auf Basis von Capsaicin, können einzelne Pflanzen schützen. Ein Wundermittel sind sie nicht und nach jedem Regen musst du nachbehandeln.

Darfst du einen Chipmunk fangen und umsiedeln?

Hier wird es unbequem, weil die Antwort vom Staat abhängt. Chipmunks sind in den meisten Staaten kein geschütztes Jagdwild. Das heißt aber nicht, dass du mit ihnen machen kannst, was du willst. Viele Staaten regeln, ob Hausbesitzer sogenannte Nuisance Wildlife, also Wildtiere, die Schäden verursachen, selbst fangen dürfen, und vor allem, ob und wo man sie wieder freilassen darf. In manchen Staaten ist das Aussetzen auf fremdem Grund oder in öffentlichen Wäldern ohne Genehmigung untersagt.

Dazu kommt ein Punkt, den viele nicht hören wollen: Umgesiedelte Chipmunks haben schlechte Karten. Ohne Bau und Vorrat in einem fremden Revier überleben viele den nächsten Winter nicht. Und im eigenen Garten zieht oft schnell der nächste Chipmunk ein, solange Futter und Deckung bleiben. Deshalb setzen Wildtierbehörden in ihren Empfehlungen meist zuerst auf die vorbeugenden Maßnahmen aus dem Abschnitt oben.

Von Gift solltest du dich fernhalten, auch wenn es im Baumarkt Rattengift gibt. Vergiftete Nager werden von Katzen, Hunden, Eulen und Habichten gefressen, und das Gift wirkt dann auch bei ihnen. Mehrere Staaten haben bestimmte Wirkstoffe deshalb eingeschränkt.

Welche Regeln für dich gelten, steht auf der Seite der Wildtierbehörde deines Staates. Die heißt je nach Staat Department of Fish and Wildlife, Department of Natural Resources oder in Connecticut zum Beispiel Department of Energy and Environmental Protection. Wenn du dir unsicher bist, rufst du dort an oder beauftragst einen lizenzierten Wildlife Control Operator, der die örtlichen Vorschriften kennt.

Sind Chipmunks gefährlich für Mensch und Haustier?

Die gute Nachricht zuerst: Tollwut spielt bei Chipmunks praktisch keine Rolle. Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC werden kleine Nager wie Eichhörnchen und Chipmunks fast nie mit Tollwut gefunden und haben sie nach bisherigem Wissen nicht auf Menschen übertragen. Beißen können sie trotzdem, vor allem wenn man sie anfasst oder in die Enge treibt. Ein zahmer Chipmunk ist immer noch ein Wildtier.

Die weniger bequeme Nachricht betrifft Zecken. Im Nordosten und am Oberen Mittleren Westen sind Chipmunks zusammen mit Weißfußmäusen wichtige Wirte für junge Hirschzecken, die Lyme-Borreliose übertragen. Die Krankheit ist nach dem Ort Lyme in Connecticut benannt, und in Neuengland ist sie deutlich verbreiteter, als wir es aus den meisten Teilen Deutschlands kennen. Wer Chipmunks im Garten hat, sollte nach der Gartenarbeit besonders gründlich nach Zecken suchen, bei sich, bei Kindern und bei Haustieren.

Im Westen der USA gibt es eine weitere Besonderheit. Flöhe auf Nagetieren, darunter Erdhörnchen und Chipmunks, können dort vereinzelt die Pest übertragen. Das klingt dramatisch und ist selten, aber in Teilen Kaliforniens, Colorados oder rund um den Lake Tahoe werden deshalb gelegentlich Campingplätze vorübergehend gesperrt. Kranke oder tote Nager fasst man dort nicht an und hält Hunde und Katzen von ihnen fern.

Für Haustiere gilt: Katzen jagen Chipmunks gern und bringen sie auch mal lebend ins Haus. Ein Hund, der wie verrückt im Blumenbeet buddelt, hat meistens einen Bau gefunden. Gesundheitsfragen zu deinem Tier klärst du am besten direkt beim Tierarzt.

Häufige Fragen zu Chipmunks

Darf ich einen Chipmunk als Haustier halten?

In vielen Staaten ist das Halten heimischer Wildtiere ohne Genehmigung verboten oder streng geregelt. Ob das für Chipmunks gilt, legt jeder Staat selbst fest. Auskunft gibt die Wildtierbehörde deines Staates. Auch abgesehen von den Regeln ist ein Wildfang kein Kuscheltier, er beißt und will nach draußen.

Was mache ich, wenn ein Chipmunk im Haus oder in der Garage ist?

Ruhe bewahren, Haustiere und Kinder aus dem Raum holen, alle Türen nach draußen öffnen und die übrigen schließen. Meist findet das Tier den Weg selbst, wenn es Ruhe hat. Danach lohnt sich ein Blick auf Spalten am Garagentor oder unter Türen, durch die es reingekommen ist.

Ich habe einen jungen Chipmunk allein gefunden. Braucht er Hilfe?

Junge Chipmunks erkunden ab etwa sechs Wochen alleine die Umgebung und wirken dabei oft verloren. Meist sind sie es nicht. Ist das Tier verletzt oder offensichtlich hilflos, wende dich an eine Wildlife Rehabilitation Station, also eine Auffangstation für Wildtiere. Adressen findest du meist über die Wildtierbehörde deines Staates.

Kommen Chipmunks auch in die Stadt?

Ja, überall dort, wo es Gärten, Parks und Steinmauern gibt. In Vororten mit Einfamilienhäusern sind sie besonders häufig, weil es dort Büsche, Holzstapel und Vogelfutter gibt. Mitten im Hochhausviertel wirst du sie eher nicht sehen.

Warum sehe ich im Winter keine Chipmunks mehr?

Weil sie in ihrem Bau schlafen und nur zum Fressen aufwachen. An milden Wintertagen kann es trotzdem passieren, dass einer kurz rauskommt. Das ist normal und kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Insidertipp: Wie beobachtest du Chipmunks, ohne dir den Garten zu ruinieren?

Mein Rat: Leg dir einen festen Futterplatz an, aber nicht an der Terrasse. Ein flacher Stein oder ein Baumstumpf ein paar Meter vom Haus entfernt, dazu jeden Tag zur selben Uhrzeit eine ungesalzene Erdnuss. Chipmunks lernen Routinen schnell. Nach ein paar Tagen sitzt das Tierchen pünktlich da und du hast deine eigene kleine Naturdoku vor dem Fenster, ohne dass es sein Zuhause unter deinen Verandastufen einrichtet.

Wer in Neuengland lebt, wird merken, dass sich Natur und Jahreszeiten dort sehr nach Deutschland anfühlen. Und dann sitzt plötzlich so ein gestreifter Cartoon-Star auf dem Gartentisch. Mehr über die verschiedenen Arten kannst du bei National Geographic nachlesen. Bis zum Frühjahr hast du jetzt noch ein paar Wochen, um die Chipmunks beim Vorratsammeln zu beobachten. Genieß es, bevor sie im November abtauchen, und viel Freude mit deinem neuen Gartenbewohner.

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